Tittler und Ohneberg bedauern Nein der Ludescher zur Betriebserweiterung

Politik / 10.11.2019 • 16:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wirtschaftslandesrat Marco Tittler hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. VN

Ergebnis sei zu akzeptieren. IV-Präsident spricht von negativer Entscheidung für den Standort.

Ludesch „Das Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch ist
selbstverständlich zur Kenntnis zu nehmen“, betont Wirtschaftslandesrat Marco Tittler in einer ersten Stellungnahme nach Bekanntwerden des Ergebnisses. „Ich verhehle aber nicht, dass ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte.“ Tittler spricht von einer Einzelfallentscheidung, die zu respektieren sei. Gerade für Familienbetriebe müsse es jedoch auch weiterhin realistische Perspektiven zur Erweiterung am Standort geben, so der Landesrat. Er setzte auf den im Regierungsprogramm enthaltenen Strategiedialog „Wirtschaft & Umwelt“. „Ich bedauere, dass die Entscheidung in Ludesch gegen die Betriebserweiterung
ausgefallen ist, respektiere sie aber selbstverständlich.“ In einem nächsten Schritt gelte es nun, mit dem Betrieb über mögliche Alternativen zu sprechen, denn „wir müssen schon darauf schauen, dass Familienbetriebe mit einer derart langen Tradition in Vorarlberg auch weiterhin Perspektiven sehen. Wir müssen ein positives Klima für Investitionen erhalten.“

Die Entscheidung in Ludesch und die damit verbundene Vorgeschichte zeigt für den neuen Landesrat, dass der im Regierungsprogramm enthaltenen Strategiedialog „Wirtschaft und Umwelt“ von besonderer Bedeutung sei. „Wirtschaft und Ökologie sind keine Gegensätze. Vielmehr stecken in dieser Frage große Chancen, wenn alle Beteiligten bereit sind, einen Schritt aufeinander zuzugehen und sich auf vernünftige und sachliche Gespräche einzulassen.“ Gerade im Fall von Ludesch wäre es möglich gewesen, eine Art „best practice“ Beispiel zu entwickeln, meint Tittler. „Wichtig ist aus meiner Sicht nun aber auch, dass sich die Wogen glätten und man zu einer guten Gesprächsbasis zurückfindet“, so Landesrat Tittler abschließend.

IV-Präsident Martin Ohneberg.
IV-Präsident Martin Ohneberg.

Ohneberg: Negative Entscheidung für den Standort

Mit großem Bedauern nimmt IV-Vorarlberg Präsident Martin Ohneberg das heutige Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch zum Erweiterungsprojekt rund um die Firma Rauch zur Kenntnis: „Das ist eine negative Entscheidung für den Standort Vorarlberg und für das Gemeinwohl im Land. Die überhitzte Debatte hat gezeigt, dass zu wenige in der Bevölkerung von der Wichtigkeit von zusätzlichen Arbeitsplätzen und vom zusätzlichen Beitrag für das Gemeinwohl überzeugt werden konnten. Das ist für unser verbindendes Interesse an einem lebenswerten und wettbewerbsfähigen Vorarlberg sehr bedauerlich“, so der IV-Präsident in einer Aussendung.

Learnings seien zu ziehen – größere Zukunftsbilder, vorausschauende Entwicklungen, mutige Entscheidungen und verstärkter Dialog seien entscheidend. Der negative Ausgang der Volksabstimmung zeigt für den IV-Präsidenten Ohneberg eindeutig, dass Vorarlberg in der Standortentwicklung mutigere Weichenstellungen braucht. Ein ‚Big Picture‘, wie es von der IV-Vorarlberg entwickelt und präsentierte wurde, ist seit längerem unumgänglich: „Vorarlberg braucht dieses große, mutige Zukunftsbild, das den dynamischen Wirtschaftsraum und den attraktiven Lebensraum miteinander verbindet und in der Bevölkerung akzeptiert wird. Das gilt für die zukünftige Ausrichtung der Landesgrünzone ebenso wie für die Zukunft der Mobilität und viele andere Themen im Land.“ Langfristig verantwortliches Handeln verlange klare Rahmenbedingungen und einen verstärkten Dialog der Politik und der Betriebe mit der Bevölkerung: „Die Bevölkerung hat ein Recht eingebunden und aufgeklärt zu werden. Standortrelevante Themen müssen auch aus Sicht der Mitarbeiter und der Bevölkerung – insbesondere in Zeiten der neuen Medien – verstärkt erklärt werden. Am Ende dieser Informations- und Beteiligungsprozesse muss dann im Gesamtinteresse Vorarlbergs eine klare und mutige politische Entscheidung getroffen werden. Und damit muss zukünftig auch die Rechtssicherheit fix gegeben sein, dass solche Projekte umgesetzt werden können“, heißt es in der Aussendung weiter.