Kritik an Flutschutzprojekt

Welt / 14.11.2019 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das große Aufräumen hat begonnen. Die Inhaber verwüsteter Geschäfte in der Innenstadt begannen mit der Prüfung der Schäden. AP
Das große Aufräumen hat begonnen. Die Inhaber verwüsteter Geschäfte in der Innenstadt begannen mit der Prüfung der Schäden. AP

Venedigs Bewohner wütend über Versagen der Politik. Neue Unwetter angekündigt.

Venedig Während Venedig mit den Folgen des verheerenden Hochwassers kämpft, warnt der italienische Zivilschutz vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien. Der Wasserstand sollte allerdings bei Weitem nicht das Rekord-Niveau wie in der Nacht auf Mittwoch erreichen. Für Donnerstag wurden 130 cm erwartet. Der Markusplatz und der Dom wurden überflutet, genauso wie Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser. Schiffe gingen unter, Gemäuer wurden zerstört. Auf „mehrere Hunderte Millionen Euro“ bezifferte der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, die Schäden in der Stadt. Brugnaro bittet die UNO um Hilfe.

Nach dem Hochwasser wurde die Kritik am mangelnden Flutschutz der Unesco-Welterbestadt wieder laut. Das Milliarden-Projekt zum Hochwasserschutz sollte eigentlich schon längst fertig sein – doch Skandale und schleppende Bürokratie verzögerten den Bau. Das Projekt namens „Mose“ – kurz für Modulo Sperimentale Elettromeccanico – sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige, ausfahrbare Barrieren an drei Eingängen in die Lagune das Hochwasser abhalten. Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk allerdings. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze. Viele Venezianer werfen Politikern vor, die Stadt an Tourismus- und Kreuzfahrtunternehmen verkauft zu haben und sich nicht wirklich um den Schutz zu kümmern. Nach der zunehmenden Forderung nach mehr Schutz für die Lagunenstadt drückt die italienische Regierung nun auf das Gaspedal für die Fertigstellung des Dammsystems MOSE und hat die Architektin österreichischer Herkunft, Elisabetta Spitz, zur neuen MOSE-Kommissarin ernannt. Die 66-jährige Römerin soll dafür sorgen, dass das Jahrhundert-Projekt MOSE bis 2021 fertiggebaut wird.