Mechanismen eines Aufstands vielschichtig dargelegt

Kultur / 14.11.2019 • 19:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frontalunterricht als gute Wahl: „Die Tage der Commune“ nach Bertolt Brecht im Theater Konstanz.Theater/Mess
Frontalunterricht als gute Wahl: „Die Tage der Commune“ nach Bertolt Brecht im Theater Konstanz.Theater/Mess

Werk von Brecht und Eisler als Chorstück mit individueller und aktueller Note.

Christa Dietrich

Konstanz Auf „Kasimir und Karoline“ von Horváth folgte nun mit „Die Tage der Commune“ ein selten gespieltes Stück von bzw. nach Bertolt Brecht. Um festzuhalten, dass das Theater Konstanz, das traditionsreiche Haus mit gutem Ruf an der anderen Bodenseeseite, in dieser Spielzeit soziale und hochpolitische Themen in den Fokus rückt, muss nicht erst noch das Werk „Der Reichsbürger“ erwähnt werden, das man ebenfalls auf der Premierenliste findet. Sie sieht im Übrigen noch Werke wie „Stalin“ von Gaston Salvatore, „König Ubu“ von Alfred Jarry, „Die Himbeerpflücker“ von Fritz Hochwälder, „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett oder „Die sieben Todsünden“ von Brecht und Weill vor. Während das letztgenannte Werk gerade in der vorigen Theatersaison da und dort auftauchte, so etwa in Stuttgart oder in Straßburg in einer Inszenierung von David Pountney, ist es um „Die Tage der Commune“, für die Hanns Eisler die Musik schrieb, relativ still gewesen. Für eine Theaterästhetik, die auf Aktualisierungen oder gar verschiedene Zeitebenen setzt, eignet sich das aus vielen Zitaten und Manifest-Texten zusammengezimmerte Stück nicht.

Frontalunterricht

Da braucht es Vertrauen darauf, dass der Frontalunterricht durchaus funktionieren kann. Brecht-Enkelin Johanna Schall, die das Stück nun in der Ausstattung von Nikolaus-Johannes Heyse und Jenny Schall im wahrsten Sinne des Wortes auf die durchlässige Bühnenschräge hievte, lässt daran keinen Zweifel. Das Stück, das auf Geschehnissen im Frühjahr 1871 basiert, als Mitglieder der Nationalgarde die Kommune proklamierten und die Utopie von mit jeweils gleichen Rechten, Pflichten und Gütern ausgestatteten Menschen umzusetzen trachteten, zeigt nichts anderes als das Scheitern dieses Vorhabens. Weil dieses auch für historisch nicht so beschlagene Zuschauer voraussehbar ist, beginnt Johanna Schall gleich mit dem Schluss und lässt einen nach dem anderen abknallen und von da an die Vorgänge von den Protagonisten mit blutverschmierter Visage und Brust aufrollen.

Die Mechanismen des Aufstandes und der Korrumpierbarkeit kommen auch dann bzw. interessanterweise in dieser Konstellation gerade dann zum Vorschein, wenn die Regie die Szene an sich in große Eintönigkeit taucht und einzelne Momente wie das Hantieren mit einer Kanone oder die Auftritte der Machthaber (auch die deutsche Politik machte bekannterweise ihren Einfluss geltend) bis zur Groteske verzerrt. Letztendlich entwickelt sie nämlich mit der von Torsten Knoll gut adaptierten Musik ein Chorstück mit fast schon rhythmisch herausgehobenen Einzelszenen und individueller Zuspitzung, die da heißt, dass die Demokratie ein wertvolles, aber filigranes Gut ist. Wie wahr und bei allem Witz, der dem Abend durchaus innewohnt, auch überhaupt nicht banal.

Nächste Aufführungen ab 16. November bis Ende des Jahres im Theater Konstanz: www.theaterkonstanz.de