Rüscher im Interview: „Ohne Infrastruktur kein Sport“

VN / 18.11.2019 • 06:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Martina Rüscher geht ihr neues Amt als Landesrätin mit großen Ambitionen an. VN/PAULITSCH

Die neue Gesundheits- und Sportlandesrätin Martina Rüscher im VN-Interview.

Bregenz Sie versprüht Begeisterung und guten Willen: Die neue Landesrätin für Gesundheit und Sport, Martina Rüscher, möchte in ihren Ressorts vieles umsetzen, weiß aber auch um den limitierenden Faktor Geld. Deshalb lautet ihre Devise: „Wir müssen den Weg des Machbaren gehen.“

Was hat Sie bewogen, das Gesundheitsressort anzunehmen?

Rüscher Der Gesundheitsbereich ist für mich spannend, weil uns das Thema in allen Lebensbereichen betrifft. Deshalb hat es mich gefreut, als die Anfrage kam, und ich habe gerne Ja gesagt.

Wie haben sie die Personalspekulationen im Vorfeld erlebt?

Rüscher Das war eher eine unangenehme Zeit. Viele vermuten, dass man sich ständig selbst ins Spiel bringt, was überhaupt nicht der Fall war. Ich weiß auch, dass sich gerade die Ärztekammer einen anderen Vertreter gewünscht hätte und habe daher gleich aktiv das Gespräch gesucht. Ich bin mit großer Wertschätzung empfangen worden.

Wie sieht die Zukunft der sechs Krankenhäuser im Land aus Ihrer Sicht aus?

Rüscher Zuerst muss ich festhalten, dass wir zwar einige Spitäler, aber nicht zu viele Betten haben. Meine Herausforderung wird sein, durch eine intelligente Schwerpunktsetzung dafür zu sorgen, dass Patienten bestmöglich versorgt sind, wir die Ausbildung für junge Ärzte sicherstellen und die Kostenstruktur entsprechend reduzieren können. Allein durch Medikamente werden die Kosten im Gesundheitsbereich weiter steigen.

Ein Diskussionspunkt ist immer auch das Krankenhaus Dornbirn. Wie gehen Sie diese Frage an?

Rüscher Jedenfalls neu, mit voller Motivation und hoher Wertschätzung Dornbirn gegenüber. Die Richtung muss aber hin zu einer engeren Zusammenarbeit gehen. Ich möchte versuchen, alle Beteiligten wieder an einen Tisch zu bringen.

Ist es da vielleicht gut, wenn der Bürgermeister eine Frau ist?

Rüscher Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Ton finden, natürlich auch mit allen Männern, die dort arbeiten.

Wie wollen Sie die nötige Entlastung der Ambulanzen angehen?

Rüscher Es gibt mehrere Ansätze. Ein Punkt für mich ist die Stärkung und der Ausbau der Rufnummer 1450. Eine fundierte Erstinformation hilft sehr. Die geplanten Primärversorgungseinheiten sind für mich ebenfalls ein wichtiger Anker, aber nur, wenn sie die bestehenden Strukturen unterstützen. Ich möchte diese gerne gemeinsam mit der Ärztekammer und der neuen Gesundheitskasse planen.

Sie setzen auch stark auf Prävention. Wie soll das künftig funktionieren?

Rüscher Meine Vorstellung sind neue Steuerungsgremien, in denen die Ressorts stärker zusammenarbeiten. Derzeit bekommen wir viele wichtige und richtige Präventionsprodukte, wir wissen aber nicht, was sie tatsächlich bewirken. Es geht darum, alle Daten zu erfassen, um eine gute Auswertung zu erhalten. Das heißt, nicht weniger machen, aber zielgerichteter.

Wird das Land die Förderungen von Langläufer Dominik Baldauf in voller Höhe zurückfordern?

Rüscher In den Richtlinien unserer Sportförderung steht ganz klar, dass Unterstützungsleistungen zurückzuzahlen sind, wenn Doping nachgewiesen wird. Das werden wir auch bei Dominik Baldauf so handhaben. Wir möchten noch den Ausgang des laufenden Verfahrens abwarten. Dann werden wir mit ihm in Detailgespräche gehen. Das Signal muss klar sein: Doping hat im Sport nichts verloren.

Hat der Spitzensport auch für die Politik und die dort handelnden Personen einen hohen Stellenwert?

Rüscher Selbstverständlich. Wir brauchen motivierte Menschen, für die Leistung zu erreichen das Wichtigste ist. Ich möchte sicherstellen, dass sie die Förderung erhalten, die sie benötigen, um weiterzukommen. Da setze ich stark auf das Olympiazentrum. Deshalb gibt von meiner Seite ein klares Ja zu Erneuerung, Sanierung und Ausbau.

Die Sportstrategie läuft 2020 aus. Wie geht es damit weiter?

Rüscher Mein Ziel ist es, die Sportstrategie auf breiter Ebene für die nächsten vier Jahre weiterzuentwickeln. Die Verbände und Funktionäre sind eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Darin soll der Erfolg noch stärker definiert werden. Es gilt jedoch auch darauf zu achten, dass Sportler mit Niederlagen umgehen lernen müssen.

Was soll am Ende von 2024 stehen?

Rüscher Bis 2024 hätte ich gerne, dass wir in den wesentlichen Sportarten eine noch straffere Struktur haben, in deren Rahmen der Spitzensport optimal unterstützt werden kann. Wir haben die höchste Sportförderung in Österreich. Ich möchte diesen Weg trotz enger werdender Budgets beibehalten. Im Breitensport soll herauskommen, dass wir noch mehr Menschen als heute die Freude an Bewegung beigebracht haben.

Möchten Sie mehr Geld für den Spitzensport?

Rüscher Jeder wünscht sich für seinen Bereich mehr Geld, das wird aber nicht funktionieren. Wir werden künftig mit den Mitteln, die wir haben, auskommen müssen. Wir können die vorhandenen Mittel aber so lenken, dass sie dort ankommen, wo sie wirklich Sinn machen.

Die Infrastruktur ist ebenfalls ein großes Thema: Skaterhalle, Fußballstadion in Lustenau, Trainingsmöglichkeiten für Schwimmer, Trainingsstrecken für Skirennläufer, Eisflächen, um nur einige zu nennen. Wie kann das Land da unterstützen?

Rüscher Ohne Infrastruktur kein Sport. Da haben jedoch Städte und Gemeinden den ersten Schritt zu tun, dann werden wir uns selbstverständlich unterstützend einbringen. Bei der Skaterhalle warten wir auf ein konkretes Projekt. Beim Dornbirner EC hoffe ich, dass der ein bisschen Luft bekommt, wenn die Wälderhalle realisiert ist. Für das Stadion in Lustenau ist eine Förderung des Landes in Aussicht gestellt. Für die Schwimmer liegt ein Projekt der Stadt Bregenz für zwei 25-Meter-Becken vor. Diese Strategie wird unterstützt. Im Skisport leisten die Vereine enorme Aufbauarbeit. Wichtig ist, dass sie alle Kinder mitnehmen. Ziel ist es, fünf Trainingsstrecken einzurichten. Ein Anliegen ist mir auch die Unterstützung für nordische Sportler. Da denke ich unter anderem an ein kleines Schanzenprojekt im Norden des Landes. Bei allem müssen wir aber den Weg des Machbaren gehen.

Zur Person

Martina Rüscher Alter: 47 Wohnort: Andelsbuch Familienstand: verheiratet, drei Söhne Laufbahn: Ausgebildete Außenhandelskauffrau, Kommunikationsberaterin, seit dem Jahr 2000 in der Politik, von 2014 bis 2019 Landtagsabgeordnete, ab 2018 zweite Vizepräsidenten des Landtags, seit 6. November 2019 Landesrätin für Gesundheit und Sport

Martina Rüscher ist Kommunikationsexpertin und scheut sich auch vor schwierigen Themenstellungen nicht.
Martina Rüscher ist Kommunikationsexpertin und scheut sich auch vor schwierigen Themenstellungen nicht.