Humor als wertvolle ­Bewältigungsstrategie

Vorarlberg / 19.11.2019 • 17:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dagmar Burghuber-Hirst möchte dem wachsenden Aggressionspotential aktiv entgegentreten. BI
Dagmar Burghuber-Hirst möchte dem wachsenden Aggressionspotential aktiv entgegentreten. BI

Als Ambulanz-Pflegekraft mit unterschiedlichsten Fällen konfrontiert.

Bludenz Um Dagmar Burghuber-Hirst zu beschreiben, fallen einem vor allem die Attribute kompetent, tüchtig, bodenständig und humorvoll ein. Letzteres ist eine Charaktereigenschaft, die ihr in einem sehr fordernden Arbeitsumfeld zugutekommt. „Ich lache gerne. Lachen senkt den Stresslevel, mit einer Portion Humor lassen sich auch schwierige Situationen leichter bewältigen“, erklärt die gebürtige Linzerin. Seit April 2004 ist die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Ambulanz des LKH Bludenz beschäftigt. Die Abwechslung und tägliche Herausforderung liegt ihr: „Hier in Bludenz werden in der Ambulanz sehr viele Bereiche abgedeckt. Waren es früher nur die Unfall- und chirurgische Ambulanz, kamen in den letzten Jahren sukzessive andere Ambulanzen wie die Interne, die Gynäkologie oder durch Belegärzte andere interdisziplinäre Bereiche wie die Orthopädie, die HNO, die Augenheilkunde, die Urologie und die Dermatologie hinzu. Diese Herausforderung, ständig etwas Neues zu lernen, sehe ich sehr positiv.“

Humor kommt nicht zu kurz

Seit rund 20 Jahren lebt die Gesundheitsfachfrau in Vorarlberg und war auch schon in anderen Kliniken tätig. In Bludenz gefällt ihr vor allem die gute Zusammenarbeit im Team: „Auch wenn wir viele Patienten zu versorgen haben, kommt der Humor nicht zu kurz. Wir sind ein eingespieltes Team.“ Der turbulente Ambulanzbereich liegt ihr: „Ich wollte immer schon mit unterschiedlichsten Patienten und Krankheitsbildern zu tun haben. Nach meiner Ausbildung hat sich recht rasch herauskristallisiert, dass ich mich in der Funktionspflege gut aufgehoben fühle. Oft hat man ein schnelles Erfolgserlebnis, gerade wenn nach einem Unfall ein Patient gut versorgt wurde.“

Eine besondere Herausforderung bilde jedoch die Zunahme von Gewalt und Aggression, insbesondere wenn sie allein Nachtdienst habe: „Es hat immer schon aggressives Verhalten gegeben. In den letzten Jahren ist das Aggressionspotenzial jedoch immens gestiegen. Dieses äußert sich sowohl verbal in Beschimpfungen wie etwa blöde Kuh oder ähnliches, aber auch Drohgebärden sind an der Tagesordnung. Die tatsächliche physische Gewalt im Rahmen von Handgreiflichkeiten nimmt ebenfalls zu. So wurde ich selber schon einmal von einem Patienten gewürgt. Letzthin hat ein Patient im Wartebereich randaliert und sogar uriniert.“ Es gibt zwar einen stillen Alarm – der intern und auch mit der Polizei gekoppelt ist – dieser sei oftmals nicht ausreichend, denn nach Schließung der Stadtpolizei in der Nacht sei die Bundespolizei manchmal weiter weg im Einsatz und es dauere, bis diese einschreiten könne.

Um mit gewalttätigen Patienten besser umgehen zu können, hat Burghuber-Hirst die Deeskalationsausbildungen in Wien und Hohenems besucht. Im Rahmen dieser Ausbildungen erlernte sie Strategien, um Gefahren besser erkennen und vor allem angemessen reagieren zu können: „Meistens sind Alkohol oder Drogen im Spiel. Durch den Workshop wurde mir bewusst, dass Angst, Schmerzen, Einsamkeit, falsche Erwartungshaltungen oder auch Sprachbarrieren Gründe für aggressives Verhalten sein können. Psychisch Erkrankte und Demente können sich ebenfalls sehr irritierend verhalten. Im Ambulanzbereich bleibt keine Zeit für eine ausführliche Anamnese – es muss vielfach schnell gehandelt werden.“ Trotz dieser Herausforderungen möchte Burghuber-Hirst in keinem anderen Bereich arbeiten. Sie plant zudem eine Ausbildung als Deeskalationstrainerin, um ihr Wissen auch an andere Mitarbeiter weitergeben zu können – und dies ebenfalls mit einer Portion Humor. BI

Zur Person

DAGMAR BURGHUBER-HIRST

Geboren 2. März 1977

Familie verheiratet, zwei Kinder

Wohnort Ludesch

Beruflicher Werdegang Dipl. Ausbildung am LKH Kirchdorf an der Krems, Fort- und Weiterbildungen im Bereich Wundmanagement, Gips- und Verbandstechniken sowie Deeskalationstraining

Hobbys Backen und Kochen, Gartenarbeit, Lesen