Michi bleibt unvergessen

Vorarlberg / 19.11.2019 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Teresia Perauer hält die Erinnerung an ihren Sohn wach. VN/Paulitsch
Teresia Perauer hält die Erinnerung an ihren Sohn wach. VN/Paulitsch

Gedenkstätte für Mordopfer Michael Perauer in Innsbruck geplant.

Innsbruck, Bregenz Am kommenden Montag jährt sich zum ersten Mal der grausame Mord an dem damals 21-jährigen Bregenzer Michael Perauer in der Innsbrucker Bogenmeile. Während der Prozess gegen den Beschuldigten, einen 25-jährigen Afghanen, morgen Donnerstag am Landesgericht Innsbruck beginnt, fassen die Familie Perauer, die Stadt Innsbruck und die Diözese Innsbruck einen beeindruckenden Akt der Erinnerung ins Auge.

Gemeinsames Werk

Neben der Dreiheiligenkirche, nahe des Tatorts, soll eine Gedenkstätte für den  Bregenzer entstehen. Exakt zur selben Zeit, in welcher der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter im Landesgericht Innsbruck läuft, wollen die Angehörigen gemeinsam mit einem Vertreter der Diözese Innsbruck die Möglichkeit der Anbringung einer Gedenktafel besprechen. „Es wäre dies unser Wunsch“, sagt Theresia Perauer. Schon seit einiger Zeit besteht ein Kontakt der Familie Perauer mit der Stadt Innsbruck, die sich bereit erklärt hat, dem so tragisch ums Leben gekommenen jungen Mann eine Erinnerungstafel zu gewähren. Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi persönlich hat die Familie getroffen und ihr sein Mitgefühl und seine Solidarität ausgedrückt.

„Für uns ist das ein sehr wichtiger Akt im Umgang mit dem Tod unseres Sohnes. Die Idee selber ist eigentlich vom Innsbrucker Stadtrat gekommen“, berichtet Theresia Perauer, die Mutter des Ermordeten. Michael Perauer war am 25. November des Vorjahres mitten auf der Straße durch einen Stich in den Hals getötet worden, als er sich mit einer Gruppe von Freunden auf der Innsbrucker Bogenmeile befand. „Wir haben dieses Treffen im Sinne von Michi bewusst zum Zeitpunkt des Prozesses gewünscht. Einerseits, um uns abzulenken, andererseits, um gerade in diesen Stunden einen Akt gegen Hass und Hetze zu setzen“, beschreibt Teresia Perauer die Beweggründe für ihr Handeln. „Das Gericht wird seine Aufgabe erledigen. Dem wollen wir uns nicht entgegenstellen. Wir werden dem Prozess jedoch nicht beiwohnen. Wir möchten unseren Blick auf die Liebe und das Verständnis ausrichten“, sagt die Mutter weiter.

Die Perauers haben ein intensives Jahr der Trauerbewältigung hinter sich und in dieser Zeit viel Solidarität erlebt. „Am Anfang war da die Wut. Aber die konnten wir jetzt ablegen. Wir wissen, dass wir mit dieser Aktion ganz im Sinne von Michi handeln. Dem war jedes Gefühl von Hass ebenso fremd“, beteuert Theresia Perauer.

Gedenkfeier zu Hause

Direkt am Tatort wollten die Perauers die Gedenktafel für ihren Sohn nicht errichtet sehen. „Das wäre an dieser Stelle gewiss nicht ideal gewesen. Die Dreiheiligenkirche wäre ein guter Ort zum Gedenken“, sagt die Mutter. Vorarlberger Studenten sollen die Gedenkstätte mitgestalten. „Da gibt es ja einige, die Michi gekannt haben. Die sind alle eingeladen, ihre Ideen einzubringen.“

Am kommenden Montag steht Michael Perauer in seiner Heimat Bregenz im Mittelpunkt des Gedenkens. „Wir werden ihm zu Ehren anlässlich seines Todestages eine stimmungsvolle Feier abhalten. Es soll wie eine Geburtstagsfest sein“, erzählt die Mutter.

Unmittelbar nach der Bluttat wurde am Tatort mit Kerzen und Blumen des Bregenzers gedacht. VN/Hämmerle
Unmittelbar nach der Bluttat wurde am Tatort mit Kerzen und Blumen des Bregenzers gedacht. VN/Hämmerle