Warum es derzeit auf Maria Ebene kräftig brodelt

VN / 19.11.2019 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Chefarzt Michael Willis geriet im eigenen Haus ins Kreuzfeuer der Kritik. VOL.AT/RAUCH

Mitarbeiter fühlen sich übergangen. Externe Berater sollen schlichten.

frastanz Unruhige Zeiten sind im Suchtkrankenhaus Maria Ebene in Frastanz angebrochen. Grund ist ein neues Konzept zur Suchtbehandlung, mit dessen Ausarbeitung Primar Michael Willis (45) betraut wurde. Eine erste Fassung liegt vor, doch die scheint intern offenbar nur unzureichend mit den beteiligten Mitarbeitern kommuniziert worden zu sein, was wiederum gehörig den Unmut schürte. Bei einer unlängst stattgefundenen Sitzung des Kuratoriums der Stiftung soll es sogar Stimmen gegen Willis gegeben haben. Kommunikationsexperte Martin Dechant bestätigte dies auf VN-Nachfrage. Er wurde jetzt engagiert, um die Kommunikation in ruhige Bahnen zu lenken. Willis selbst steht laut Dechant als Leiter der Maria Ebene nicht zur Diskussion. Der Suchtexperte aus Tirol, Facharzt für Psychotherapie und psychotherapeutische Medizin, hatte im Jänner 2018 die Nachfolge von Reinhard Haller angetreten, der das Suchtkrankenhaus 33 Jahre leitete.

Übergangen gefühlt

Inzwischen haben sich die Anforderungen an die Suchtbehandlung geändert, weshalb ihr ein Modernisierungsschub verpasst werden soll. Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Die Gemüter erhitzten sich unter anderem an der Etablierung neuer Strukturen und Zuständigkeiten, die Primar Michael Willis geschaffen hatte. Das führte zu Irritationen unter den Mitarbeitern. Sie fühlten sich übergangen oder zu wenig einbezogen. Verärgerung machte sich breit. Vermehrte Kündigungen, wie auch kolportiert wurde, stellt Martin Dechant jedoch in Abrede. „2019 verließen bislang sieben Mitarbeiter die Einrichtung, aber nur eine Kündigung entfiel auf das Krankenhaus“, zitiert er aus dem Jahresbericht. „Und das bei 160 Beschäftigten“, fügt Dechant noch an. Auch die erst seit zwei Wochen im Amt befindliche Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (47) ist bereits mit der Problematik konfrontiert. Hier funktionierte die Kommunikation demnach besser. „Josef Fink hat mich darüber informiert, dass es Unstimmigkeiten im Suchtkrankenhaus gab, aber kein akuter Handlungsbedarf bestehe“, fasste Rüscher die ihr bekannten Fakten im VN-Gespräch zusammen. Fink habe außerdem versichert, dass ein Weg zur Lösung der Krise gefunden worden sei. Gegenüber den VN gab sich Josef Fink wortkarg. Nur so viel ließ er sich entlocken: Etwas Neues zu implementieren und Veränderungen zu bewerkstelligen, gehe nie einfach über die Bühne.

Kommunikationswege öffnen

Dass sich die Wogen bald glätten, dafür sollen zwei externe Berater sorgen. Während einer das Konzept begleitet, ist Martin Dechant für das Funktionieren der internen Kommunikationswege zuständig. Darauf hat sich das Kuratorium in seiner vergangenen Sitzung geeinigt. Insgesamt waren zwei Sitzungen erforderlich, um Schritte für die Bereinigung der zwischenmenschlichen Unpässlichkeiten festzulegen. „Bei meiner Tätigkeit geht es konkret darum, Fixpunkte zu definieren, die dann zu gegebener Zeit jeweils hausintern kommuniziert werden“, erläutert Dechant, der übrigens schon öfter als Mediator im Suchtkrankenhaus zugange war. „Wichtig ist, dass alle Seiten gehört werden“, skizziert er sein Ziel.