Lehrlinge als Botschafter in eigener Sache

Markt / 20.11.2019 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ausbildungsbotschafter Mateo Hodzic, Lina Fiel und Tobias Rathgeb (v. l.) VN/STIPLOVSEK, WK

Wirtschaftskammer und BIFO wollen so die Lehrlingsquote erhöhen.

hard Tobias Rathgeb ist Orgelbauer im ersten Lehrjahr bei Rieger in Schwarzach und das, was der Volksmund einen Spätzünder nennt, denn erst mit 25 hat er sich entschlossen, doch noch seinen Traumberuf zu erlernen. Inzwischen betätigt sich Tobias auch als Ausbildungsbotschafter. In dieser Funktion will er Schülern, die vor dem Ende der Pflichtschullaufbahn stehen, die spannenden Seiten seines Berufs vermitteln. „Die meisten kennen den Beruf des Orgelbauers nämlich gar nicht“, hat er festgestellt. Die Ausbildungsbotschafter sind ein weiterer Mosaikstein im Bemühen um mehr Lehrlinge.

Handwerker und Kopfwerker

Etwas mehr als die Hälfte der Schulabgänger entscheiden sich alljährlich für einen Lehrberuf. „Unsere Vision ist es, diesen Anteil deutlich zu erhöhen“, erklärte Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler bei der Präsentation der neuen Aktion in der Mittelschule Mittelweiherburg in Hard, die aus Umbaugründen derzeit in der Schule Markt untergebracht ist. Es brauche Handwerker und Kopfwerker, wobei auch Kopfwerker durchaus gute Handwerker sein könnten, wie Metzler anmerkte. Die Ausbildungsbotschafter sollen dabei helfen, noch mehr Jugendliche in eine duale Ausbildung zu bringen.

Tobias, Lina Fiel (16, Optiker- und Akustikerlehrling bei Friesenecker Optik) und Mateo Hodzic (17, Prozesstechnikerlehrling bei Flatz), drei von derzeit 29 Ausbildungsbotschaftern, erzählen an Schulen, wie und warum sie sich für ihren Beruf entschieden haben, wo es Informationen und Unterstützung dazu gibt und wie die Bewerbung abläuft. Sie berichten über den Tagesablauf in ihrem Lehrbetrieb und in der Berufsschule, wie hoch die Entlohnung ist und welche Möglichkeiten sowie Pläne sie nach der Lehre haben. Vor dem ersten Einsatz erhielten sie eine Schulung durch das BIFO. „Besonders wichtig ist uns, dass die Lehrlinge ihre Präsentationen selber entwickeln“, betonte BIFO-Geschäftsführer Andreas Pichler. Das mache das Projekt auch so spannend. Die Ausbildungsbotschafter werden von den Betrieben freigestellt, erhalten den Tag jedoch bezahlt. Interessierte Schulen wiederum können sich über das BIFO anmelden.

Den richtigen Weg finden

Die Mädchen und Burschen der 4c der MS Hard-Mittelweiherburg folgen gebannt den Ausführungen von Tobias, Lina und Mateo. Die Klassenlehrerin hat ihre Schüler vorsorglich zur Aufmerksamkeit ermahnt. Schließlich ist mit den Ausbildungsbotschaftern auch Presse gekommen. Das Interesse gilt aber ohnehin mehr den jungen Leuten, die authentisch aus ihrem Berufsleben berichten. Lina stellt ihre Arbeit gerne vor. Noch wichtiger ist ihr allerdings, dass jeder Jugendliche den richtigen Weg für sich findet.

Das Modell der Ausbildungsbotschafter ist übrigens einzigartig in Österreich. Die Idee dazu holte sich die Wirtschaftskammer in Baden-Württemberg, wo es schon länger und erfolgreich existiert.

Als Bildungsbotschafterin schon versiert unterwegs ist Lina Fiel.
Als Bildungsbotschafterin schon versiert unterwegs ist Lina Fiel.
Mateo Hodzic gab Einblicke in seinen Lehrlingsalltag bei der Firma Flatz.
Mateo Hodzic gab Einblicke in seinen Lehrlingsalltag bei der Firma Flatz.
WK-Präsident Hans Peter Metzler (l.) und BIFO-Geschäftsführer Andreas Pichler präsentierten das Projekt.
WK-Präsident Hans Peter Metzler (l.) und BIFO-Geschäftsführer Andreas Pichler präsentierten das Projekt.