Mehrheit akzeptiert „kleinen Klaps“

Politik / 20.11.2019 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sechs von zehn Befragten erlebten in ihrer Kindheit schwere körperliche Gewalt. APA

Österreicher haben an dieser Erziehungsmethode wenig auszusetzen.

wien Gewalt hat in der Kindererziehung nichts verloren. In Österreich ist das seit 1989 gesetzlich festgelegt. Trotzdem glauben immer noch viele Menschen, dass zuweilen ein kleiner Klaps nicht schaden kann. Mehr als die Hälfte hat selbst schwere körperliche Gewalt in der Kindheit erlebt. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Recht auf gewaltfreie Kindheit – 30 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich“, die anlässlich des heutigen Tags der Kinderrechte präsentiert wurde. „Man muss an dem Thema dranbleiben“, betont Vorarlbergs Kinder und Jugendanwalt Michael Rauch. „Das Gewaltverbot ist absolut. Es kennt keine Ausnahmen.“

Das Gewaltverbot ist absolut. Es kennt keine Ausnahmen.

Michael Rauch, Kinder- und Jugendanwalt

Für die Studie im Auftrag des Bundeskanzleramts hat das Marktforschungsunternehmen Ipsos im Oktober 2019 zwei Gruppen befragt: Zum einen 500 Österreicher im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Zum anderen 500 Eltern mit Kindern zwischen null und 17 Jahren. Abgefragt wurden eine Reihe von Einstellungen, darunter die grundsätzliche Meinung zu Erziehungsmethoden, das Verhalten in Konfliktsituationen oder selbst erfahrene Gewalt in der Kindheit. Zwölf Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass ab und zu ein kleiner Klaps nicht schadet. 39 Prozent halten diese Aussagen zumindest teilweise für richtig. 2014 waren es noch 16 beziehungsweise 36 Prozent. In der Elterngruppe stimmen elf Prozent ganz und 31 Prozent teilweise zu (2014: Zwölf bzw. 37 Prozent). Zumindest die Hälfte der Bevölkerung und sechs von zehn Mütter oder Vätern kennen das gesetzliche Gewaltverbot. Der Trend weise in die richtige Richtung, meint Familienministerin Ines Stilling. „Das Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung ist gestiegen.“ Gleichzeitig sei noch immer viel Präventionsarbeit notwendig.

Kampagne ausgelaufen

Nur 17 Prozent der Bevölkerung und 20 Prozent der Eltern geben an an, selbst keinerlei körperliche Gewalt in der Kindheit erlebt zu haben. Eine leichte Ohrfeige oder einen Klaps auf das Hinterteil haben in beiden Gruppen etwa sieben von zehn Personen erfahren. Sechs von zehn Befragten erlebten sogar schwere körperliche Gewalt, etwa schallende Ohrfeigen oder eine Tracht Prügel. Dass Gewalterfahrung automatisch zu Gewalt an den eigenen Kindern führt, könne man nicht sagen, betont Rauch. „Doch es gibt sicher eine erhöhte Wahrscheinlichkeit.“ Für den Kinder- und Jugendanwalt zeigen die Studienergebnisse, dass das Gewaltverbot immer wieder kommuniziert werden müsse. In diesem Zusammenhang übt der Experte Kritik an der Landesregierung: Im kommenden Jahr sei im Landesbudget kein Geld mehr für eine Informationskampagne zur gewaltfreien Erziehung vorgesehen. Rauch hofft auf 2021. „Stehenbleiben bedeutet Rückschritt.“