Frauen auf der Überholspur

Vorarlberg / 24.11.2019 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bei der Bildung ist die Gleichstellung am weitesten gekommen. Auch in Vorarlberg.

SCHWARZACH Wenn es um Einkommen und Karriere geht, haben Frauen nach wie vor das Nachsehen gegenüber Männern. Anders schaut es bei der Bildung aus. Und zwar auch in Vorarlberg: Zumindest in der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen haben mit 7310 deutlich mehr Frauen als Männer (5640) einen Hochschulabschluss. Und wenn auf einen solchen Hinweis bisher der Einwand folgen durfte, dass zugleich aber auch mehr Frauen als Männer nicht über einen Pflichtschulabschluss hinauskommen, so gilt das bei den Jüngeren ebenfalls nicht mehr. Konkret: Bei den 25- bis 39-Jährigen ist die Zahl dieser Frauen mit 7158 bereits niedriger als die der Männer (7569).

Vielfältigere Rollenbilder

„Im Bereich Bildung und Ausbildung sind die Erfolge der Gleichstellung der letzten 100 Jahre am deutlichsten und stärksten“, bestätigt Lea Putz-Erath, Geschäftsführerin der Fraueninformationsstelle „femail“ gegenüber den VN: „Um 1900 haben mutige Frauen sich vehement dafür eingesetzt, dass sie höhere Bildung nicht nur im privaten, sondern auch im universitären Rahmen genießen dürfen. Schrittweise eroberten sie sich alle Ebenen der Bildung, bis sich schließlich gesellschaftlich durchgesetzt hat, dass Mädchen ebenso wie Burschen einen Beruf erlernen sollten.“ Dazu komme, dass Rollenbilder vielfältiger geworden seien, wie Angelika Atzinger vom Verein „Amazone“ zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit analysiert: „Früher war klar, dass sich Frauen um Kindererziehung, Haushalt und Pflege kümmern. Heute ist das anders. Nicht dass das weggefallen wäre, ein Beruf ist daneben jedoch zur Regel geworden. Somit ist Bildung zunehmend wichtiger geworden.“

Schlechtere Bezahlung

Im Übrigen ist es laut Atzinger für junge Frauen auch in einer ganz anderen Hinsicht naheliegender als für Burschen, nach der Pflichtschule eine weiterführende Schule zu besuchen: „Mädchen ziehen nur wenige Lehrberufe für sich in Betracht, großteils Friseurin, Bürokauffrau und Einzelhandelskauffrau.“ Also würden sie auch von daher eher nach einem Studium streben, um sich weitere Möglichkeiten zu eröffnen. Wo die Gleichstellung trotz allem auf sich warten lässt, ist die Arbeitswelt. Putz-Erath führt das unter anderem darauf zurück, dass Frauen mehr auf Berufe mit schlechterer Bezahlung orientiert sind. Typisch seien etwa Kindergartenpädagogin oder Volksschullehrerin. Außerdem seien zwar immer mehr Frauen erwerbstätig. Der Anstieg gehe jedoch über alle Bildungsschichten hinweg vor allem auf Teilzeitbeschäftigte zurück.

„Ausgehend vom Bildungstand müsste es längst viel mehr Frauen in Führungspositionen geben“, bekräftigt Angelika Atzinger im Gespräch mit den VN. Dass es relativ wenige geblieben sind, habe auch damit zu tun, dass klassische Aufgaben wie eben „Kinder, Haushalt und Pflege weiterhin viel mehr an ihnen hängen bleiben als an Männern“, Frauen sich also weniger auf Einkommen und Karriere konzentrieren können. JOH

„Im Bereich Bildung und Ausbildung sind die Erfolge der Gleichstellung am deutlichsten.“