Schweizer Stararchitekten planen am Kornmarktplatz

VN / 27.11.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit konkreten Entwürfen wird noch gegeizt, was Herzog & de Meuron aber schon auf ihrer Homepage zeigen, ist ein erster Entwurf.
Mit konkreten Entwürfen wird noch gegeizt, was Herzog & de Meuron aber schon auf ihrer Homepage zeigen, ist ein erster Entwurf.

Statt früherem Möbelhaus und Lokal soll am Bregenzer Kornmarktplatz Herzog & de Meuron-Bau entstehen.

Bregenz Die wichtigsten Werke des Architekturbüros Herzog & de Meuron kennt auch, wer sich nicht mit Architektur beschäftigt: Etwa das Vogelnest-Stadion, das bei den olympischen Spielen in Peking im Mittelpunkt stand, oder die Elbphilharmonie, die Hamburg zwar fast eine Milliarde Euro gekostet hat aber nun die Hansestadt glänzen lässt, um nur zwei zu nennen. Dementsprechend schwierig ist es, die Schweizer Architekten überhaupt für ein Projekt zu interessieren. Ein Bregenzer Bauherr schaffte mit Beharrlichkeit das schier Unmögliche.

Akribische Planung

Seit über einem Jahr ist das in Basel beheimatete Architekturbüro, das für seine Riesenprojekte weltweit bekannt ist, nun mit dem Bauherrn, dem Unternehmer Johannes Glatz, unter strengster Geheimhaltung mit der Planung eines vergleichsweise winzigen Projekts, des Hauses Kornmarktplatz 5 beschäftigt. Entstehen soll anstelle des ehemaligen Möbelhauses Waltner, in dem zuletzt die Szenebar „Die Kanzlei“ untergebracht war, ein bemerkenswertes Gebäude, das sich in dem Ensemble am wichtigsten Platz der Landeshauptstadt trotzdem einfügt und genutzt werden soll als Boutiquehotel bzw. Gästehaus, wie die VN aus informierten Kreisen erfahren konnte. Welche Rolle das ebenfalls von Glatz über das Anfang des Jahres 2019 gegründetes Unternehmen ASS 5-Immobilien erworbene Restaurant Füxl, das wieder den ursprünglichen Namen Café Weiss erhalten soll, spielt, wird erst aus den Plänen, die in diesen Tagen dem Bauausschuss der Stadt präsentiert werden, ersichtlich sein. Die Projekte seien allerdings getrennt zu sehen, so Glatz, aber man werde über Synergien nachdenken.

Beim Projekt am Kornmarkt gebe es noch baurechtliche Fragen, die nicht endgültig geklärt seien, erst dann werde man das Projekt einreichen und präsentieren. Wohl noch nicht bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses, die für den 3. Dezember anberaumt ist. Ob der Planungsausschuss der Stadt Bregenz sich bereits ein Urteil gebildet hat, sei bislang nicht nach außen gedrungen, heißt es. Man wolle seitens der Bauherrschaft aber ein Projekt präsentieren, das alle Vorgaben – technisch wie gestalterisch – erfülle, ist von involvierten Personen als Begründung dafür zu hören, dass noch nichts nach außen gedrungen ist. Johannes Glatz will auf Anfrage der VN ebenfalls keine Details nennen, bevor das Projekt nicht in trockenen Tüchern ist.

Hohe Pritzker-Dichte

Zu Baukosten wie zum Fahrplan ist deshalb derzeit nichts zu erfahren. Sicher ist allerdings, dass ein Bau der Architekten Herzog & de Meuron sich in Bregenz in eine würdige Liste von Bauten einreiht, die von Architekten geschaffen wurden, die die höchste Auszeichnung, die es für Architekten gibt, den Pritzker-Preis, erhalten habe. Das einprägsamste dieser Gebäude ist das Kunsthaus, das von Peter Zumthor geschaffen wurde. Der einzige österreichische Preisträger, Hans Hollein, hat das Generali Ensemble am Beginn der Quellenstraße entworfen, der französische Stararchitekt Jean Nouvel das jetzige Finanzamt im Vorkloster.

Basis für Architekturtouristen

Mit einem vierten Gebäude gehört Bregenz zu den Städten mit der größten Dichte an Pritzker-Bauwerken, ergänzt werden diese Bauten durch weitere Architekturhighlights der Vorarlberger Schule. Für Architekturtouristen wäre das geplante Haus am Kornmarktplatz die ideale Basis für eine Vorarlberg Tour. Das künftige Café Weiss in der Anton Schneider-Straße erlebt jetzt eine Transformation. Die Bregenzerwälder Köchin Milena Broger, deren Talent international für Aufsehen sorgt, wagt sich an ihr erstes eigenes Restaurant, das sie zusammen mit Theresa Feuerstein und ihrem Partner Erik Pedersen betreiben wird und derzeit umbaut. Geplant sind eine offene Küche und rund 40 Sitzplätze. Statt Fine Dining wollen sie ein lockeres Lokal realisieren – mit außergewöhnlicher Küche natürlich.

herzog & De meuron

Gegründet 1978 von Jacques Herzog und Pierre de Meuron

Mitarbeiter 420 Büros Basel (Hauptsitz), London, Hamburg, Madrid, New York City und Hongkong

Bekannte Bauten (u. a.) Tate Gallery London, Allianz Arena München, Nationalstadion Peking; Elbphilharmonie Hamburg

Auszeichnungen (u. a.) Deutscher Kritikerpreis, Pritzker Architektur Preis, British Design Award, Große Nike (Bund deutscher Architekten)

 Jacques Herzog (li.) und Pierre de Meuron planen ein Gebäude in Bregenz.  AP
Jacques Herzog (li.) und Pierre de Meuron planen ein Gebäude in Bregenz.  AP