Wegen Störung der Totenruhe vor Gericht

VN / 27.11.2019 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Unterländerin muss sich am Landesgericht wegen verschiedener Gesetzesübertretungen verantworten. HOFER

Die angeklagte 45-jährige Unterländerin ist darüber hinaus noch mit anderen Delikten konfrontiert. Noch kein Urteil.

Feldkirch Die Wahrung der Totenruhe ist ein hohes Gut. Um so größer ist die Bestürzung über das Vergehen, für das sich eine 45-Jährige gestern am Landesgericht in Feldkirch verantworten musste. Die Unterländerin wird beschuldigt, in der Höchster Kirche drei Opferkerzen sowie einen Trauerflor entwendet zu haben. Außerdem verstreute sie Asche aus einer Urne.

Auch Körperverletzung

Angeklagt wurde sie daher wegen des Vergehens der Störung der Totenruhe, oder wie es im Juristenjargon heißt: Sie hat die Asche eines Toten verunehrt. Aber nicht nur das. Es kommen noch weitere Anklagepunkte hinzu. Die Frau muss sich außerdem noch wegen des Vergehens des schweren Diebstahls, der Urkundenunterdrückung und der Körperverletzung verantworten, weil sie einer Person einen Nasenbeinbuch und ein Cut verpasst hat. All diese Taten hat sie innerhalb eines Jahres begangen.

Gestern im großen Verhandlungsaal 56 wirkt die Frau wie jemand, der keiner Fliege etwas antun könnte. Sie ist gefasst, die Hände sind um ihre Shopper-Handtasche gelegt und sie zeigt sich geständig. „Ist es richtig, dass sie drei Opferkerzen und den Trauerflor mitgenommen und die Asche verstreut haben?“, fragt Richterin Nadine Heim. „Ja“, gibt die Frau ihre Schuld zu und erzählt weiter, dass sie zuerst nur „a Kerzle angezündet hat“. „Waren sie Herrin ihrer Sinne?“, will die Richterin weiter wissen. „Zu der Zeit habe ich viel Alkohol getrunken“, rechtfertigt sich die Angeklagte.

Dem Akt liegt ein Sachverständigengutachten bei, das ihre Schuldfähigkeit bestätigt. Allerdings wurde es nur aufgrund der Aktenlage erstellt. Den persönlichen Termin bei Gutachter Markus Hochenburger nahm die Angeklagte nicht wahr. „Ich fühlte mich nicht in der Lage, die Post zu öffnen. Deshalb wusste ich nichts vom Termin“, rechtfertigte sie sich gegenüber dem Gericht.

Persönliches Gutachten

Für die Feststellung der Schuldfähigkeit ist ein persönlich erstelltes Gutachten jedoch von großer Bedeutung, zumal Richterin Nadine Heim an der Zurechnungsfähigkeit der psychisch kranken Frau zweifelt. Deshalb veranlasste sie die Unterbrechung und Vertagung der Verhandlung, bis die Expertise des Sachverständigen schriftlich vorliegt. Vorher griff sie noch zum Telefon und vereinbarte einen Termin zwischen dem Gutachter und der Angeklagten. Dieser findet einen Tag vor dem Heiligen Abend statt. Diese Weihnachtspost gab ihr die Richterin gleich persönlich mit. Das heißt, die Angeklagte muss sie nicht einmal mehr selbst öffnen. VN-CRO