Müll: Was der anonyme Insider zur Suche im Murbruch sagt

VN / 28.11.2019 • 04:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Behörden nehmen die anonyme Anzeige ernst. Ein knappes Dutzend Experten hat sich gestern an der Suche nach möglichem illegal vergrabenen Müll beteiligt. VN/LERCH

Ergebnislose Suche nach illegalem Müll. Insider: „Grabungen an falscher Stelle“.

Bürserberg Die Stimmung war angespannt. Ein knappes Dutzend Experten von Behörden, Land, Gemeinde, Justiz und Betreiberfirma des Steinbruchs hatte sich gestern in der Früh auf den Weg zum Schesa-Murbruch gemacht. Eine anonyme Anzeige bei der Polizei, wonach eine größere Menge Müll illegal im Erdreich verbracht worden sei, hatte den Großeinsatz ausgelöst. Gesucht wurde nach zerhächselten Medikamentenverpackungen, Spritzen und zerkleinertem, blauem Nylon, wie es in der Anzeige beschrieben war. Auch Koordinaten für den Sucheinsatz waren vorhanden.

In rund eineinhalb Stunden hatte ein Bagger an verschiedenen Stellen auf der zu einer Weide aufgeschütteten riesigen Fläche acht Schürfschlitze, mehr als zwei Meter tief, gegraben. Die Bodenproben sollen Klarheit bringen, ob tatsächlich eine illegale Deponie angelegt wurde. Ein Vorwurf, der dem Betreiber Zornesröte ins Gesicht treibt. „Der Aufwand, der hier betrieben werden muss und die anfallenden Kosten sind enorm“, zeigte sich Zech Kies Geschäftsführer Herbert Zech sen. erbost und kündigte rechtliche Schritte an. Im Zuge des Sanierungsprojekts sei lediglich gehächselter Grünmüll aufgebracht worden, der wunderbar als Bodenersatz geeignet sei. „Die Firma Häusle hat nichts damit zu tun“, widersprach er auch entsprechenden Anschuldigungen in der Anzeige. Seiner Firma sei jedenfalls ein gewaltiger Imageschaden entstanden.

Insider meldet sich bei VN

Jene Person, deren Insiderinformationen die Untersuchung ins Rollen brachte, meldete sich gestern bei den VN. Der Mann, dessen Identität die Redaktion kennt und der offensichtlich mit den Vorgängen am Schesa-Murbruch bestens vertraut ist, zeichnet ein völlig anderes Bild. Während die Betreiberfirma von gehächseltem Grünmüll spricht, beschreibt er den verbrachten Abfall als eine Mischung aus Hackschnitzel, Rindermulch und großen Mengen an Plastik, Spritzen, Medikamentenverpackungen und silberfarbenen Folien. 2015, innerhalb eines Zeitraums von etwa zwei Wochen, seien große Mengen davon ins Erdreich verbracht worden. Geschätzte 1000 Kubikmeter (inkl. der Hackschnitzel) und rund 30 bis 40 Fuhren sollen es gewesen sein. Mit einer Bodenfräse sei schließlich der ohnedies schon gehächselte Müll weiter zerkleinert worden. Verteilt habe man alles auf einer Fläche von 4000 bis 5000 Quadratmetern, in einer Tiefe bis maximal einem halben Meter. Auch Bauschutt soll großzügig ins Erdreich verbracht worden sein.

Nichts Auffälliges

Die gestern entnommenen Bodenproben werden nun im Labor untersucht. „Der erste Eindruck vor Ort hat nichts Auffälliges ergeben“, sagt Christoph Scheffknecht vom Umweltinstitut des Landes gegenüber den VN. Mit ersten Analysen habe man gestartet. Mit einem schnellen Ergebnis wird laut dem Experten nicht zu rechnen sein, da verfahrensbedingt gewisse Standzeiten erforderlich sind. So müssen die entnommenen Bodenproben derzeit getrocknet werden. Ungeachtet dessen habe die Angelegenheit oberste Priorität, versichert Scheffknecht, der in ein paar Tagen mit ersten konkreten Ergebnissen rechnet.

„Falsche Stelle“

Dass die Proben einen Nachweis für illegal entsorgten Müll bringen werden, schließt der Insider im Gespräch mit den VN aus. Auf Luftbildern, die die Suchaktion von gestern dokumentieren, will er festgestellt haben, dass an der falschen Stelle gegraben wurde. Für die Behörden soll nun so rasch wie möglich eine exakte grafische Darstellung erstellt werden.

Für die beschuldigte Betreiberfirma gilt die Unschuldsvermutung.

Mitarbeit: Joachim Schwald