Indoor-Training: Was diesen Winter angesagt ist

Gesund / 30.11.2019 • 17:00 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
In Sachen Trimm-dich-fit im Winter bieten neben Vereinen, Volkshochschule und privaten Coaches vor allem auch die Fitnessstudios landauf landab mannigfache Möglichkeiten. MANFRED SCHEEL

Bewährt oder trendy – persönliche, professionelle Betreuung und Trainieren in der Gruppe sind gefragt.

Heidemarie Netzer

Feldkirch Unbestritten, mit der kalten Jahreszeit rücken Indoor-Sportarten in den Fokus der Bewegungsfreudigen: Doch wie, wo und wann halte oder mache ich mich fit fürs Wintersportvergnügen oder einfach für den Alltag? Fit&Gesund begab sich auf die Fitness-Reise und entdeckte eine bewegte Vielfalt an Klassikern und Trends – das Fazit: Fitnessstudios legen ihren Fokus auf weniger Digitalisierung und dafür mehr Personality und die wiederentdeckte Gruppendynamik; Vorarlbergs Schulturn-, Gemeinde- und Pfarrsäle sind allerorts Schauplatz von bewährten Bewegungseinheiten. Immer mehr Menschen schwören auf den Tanzsport in allen Facetten. Erwähnt seien hier auch die unterschiedlichen Ballsportarten sowie das Bouldern oder Schwimmen, denen nun im Indoor-Bereich gefrönt wird.

Professionell und in der Gruppe betreut

Beim Betrachten der Fülle an Fitnessmöglichkeiten zeigt sich auch eine abnehmende Tendenz fürs Sporteln im stillen Kämmerchen; dagegen rückt die soziale Komponente in den Vordergrund. Man will sich mit Gleichgesinnten umgeben, sich unterhalten und gemeinsam Erfolge erzielen, und das am besten unter professioneller Anleitung und mit persönlicher Ansprache. Diese Einsicht ergab sich dabei nicht nur aus den gut gebuchten Vereins- und Volkshochschulkursen allerorts, sondern gerade auch im Gespräch mit dem Sprecher der Vorarlberger Fitnessbetriebe, Bewegungstherapeut Manfred Scheel. Gemeinsam mit ihm gelang auch der Versuch, ein kleines Ranking in Sachen schweißtreibender Trends zu beschreiben.

Evergreens und News

Neben den herbstlichen Bewegungsklassikern wie Skitraining, CT (Zirkeltraining), Aerobic, Zumba, Bauch-Beine-Po-Training und wie sie auch alle lauten, scheint gerade der Run auf das klassische Kraft- und Körperbildungstraining auf Laufband, Crosstrainer, Drücker- oder Hantelbank ungebrochen. Nicht ganz neu, aber dennoch voll im Trend ist das sogenannte Functional-Training. Ganze Landschaften wurden mittlerweile in den Studios dafür eingerichtet. Bei allen Helferlein wie Rigs, Medizinbällen, Sprungboxen, Seilen, Tauen und Co. steht dabei das eigene Körpergewicht als Trainingsgerät im Mittelpunkt. Übrigens sei hier auch das Bodyweight-Training, besser bekannt unter Calisthenics, erwähnt. Wohl schon ein alter Hut, trifft es aber gerade den Nerv der jungen, viel beschäftigten Fitness-Generation: Mit Push-ups, Klimmzügen, Burpees und Co. lässt sich nämlich überall und jederzeit trainieren.
Mit dem Attribut zeitsparend versehen ist ebenso das HIIT (High-Intensity-Interval-Training), das einmal pro Woche und in 60- oder 90-minütigen Intervallen rasch wechselnde Spannungs- und Entspannungsphasen und somit eine hohe Effektivität verspricht.
In ruhigere Bahnen abgleiten lassen wiederum die Klassiker wie Pilates oder Yoga. Zwar sind der Diversität mittlerweile fast keine Grenzen gesetzt – Yoga mit Ziegen, im Wald oder zu Heavy-Metal-Musik – doch der Effekt bleibt immer derselbe: Mit den Entspannungstechniken kommen Körper, Geist und Seele in Bewegung. Ein Phänomen, das die jahrtausendealte Bewegungsform ungebrochen boomen lässt und den Zeitgeist nach mehr Entspannung auf den Punkt bringt.

Investition in die Zukunft

Genau ins Schwarze trifft auch das Best-Ager-Training. Bewegungstherapeut Scheel, spricht hier von „Muskelhygiene“. Was damit gemeint ist? Die Generation 50plus pflegt, hegt und wartet ganz bewusst und ganz gezielt ihren Körper, sensibilisiert auf Mobilität, Stabilität und Koordination und mit Blick auf die Volkskrankheit Rückenbeschwerden. Denn gerade die Über-50-Jährigen sind es, die schon eine Rückenschmerzenkarriere hinter sich haben, die Folgen schmerzlich spüren und nun regelmäßig, unter professioneller Anleitung versteht sich, ihren Schmerzen in Lenden- und Nackenbereich an die Substanz rücken. Sie wollen auf der einen Seite ihre Lebensqualität im Hier und Jetzt potenzieren, vor allem aber in ihre gesundheitliche Zukunft investieren. Übrigens: Ein Phänomen, das sich ausnahmslos quer durch die Fitnessbewegung zieht.

Was können die Evergreens und Trends

Functional-Training

Das Ganzkörper-Workout, das neben Muskelaufbau auch Koordination, Ausdauer, Balance, Stabilität und Flexibilität trainiert, ist gekennzeichnet von gezielten und abwechslungsreichen Bewegungsabläufen, die im Sport und im Alltag entlasten, auch Sehnen und Gelenke. Trainiert wird vornehmlich mit dem eigenen Körpergewicht. Um die Übungen zu unterstützen, stehen verschiedene Geräte wie Powerband, Schlingentrainer, Medizinball, Kettlebells, Klimmzugstange, Trainingsropes und mehr zur Verfügung.

High Intensity Interval Training (HIIT)

Hier wechselt sich ein hochintensiver Aktiv-Slot mit moderaten Phasen bzw. Pausen ab. Die hohe Intensität bezieht sich auf die Herzfrequenz. Das Konzept kann man in vielen Sportarten machen: beim Radfahren, Joggen, Krafttraining und Co. Die positiven Aspekte: Die Verbrennung an Körperfett ist höher als beim moderaten Fitnesstraining in derselben Zeitspanne, die Übungen bringen den Körper an seine Grenzen, wo er überdurchschnittlich viel Sauerstoff braucht und so den Stoffwechsel verstärkt anregt. Wichtig: Der Körper braucht genügend Zeit zur Regeneration; einmal pro Woche ein 60- oder 90-minütiges Intervalltraining scheint ideal.

Aerobic

Aerobic bezeichnet aerobes Ausdauertraining in der Gruppe mit Elementen aus der Gymnastik und dem Tanzen. Dabei werden Schrittkombinationen mit Choreografie im Gehen und Springen mit Musikbegleitung durchgeführt. Gefördert wird neben der Ausdauer auch Koordination, Kraft und Beweglichkeit. Bei der Step-Aerobic wird auf eine erhöhte Plattform mit verschiedenen Schrittkombinationen auf- und abgestiegen. Im fortgeschrittenen Niveau werden anspruchsvolle Schrittfolgen in Verbindung mit Kräftigungsübungen durchgeführt. Weitere Aerobic-Spielarten sind etwa Dance-, Box- oder Aqua-Aerobic.

Rückenfit

Spezielle Bewegungskurse zielen auf das Vorbeugen von Rückenproblemen ab. Das wichtigste Ziel derartiger Programme ist die Kräftigung der Muskulatur, die für Wirbelsäule und Gelenke verantwortlich ist. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Rumpfmuskulatur mit den tiefer liegenden Muskelschichten gelegt. Oft runden Dehnungs- und Mobilisationsübungen das Programm ab, um Muskelverspannungen zu lösen bzw. zu verhindern.

Bouldern

Beim Bouldern klettert man an einer Kletterwand bis zu einer Höhe, aus der man noch abspringen kann. Diese Trendsportart ist attraktiv für Kinder, Erwachsene, Hobbysportler ebenso wie für wettkampforientierte Kletterer. Wichtig ist die richtige Technik, um die Wand mit Körperspannung, Kraft und Kreativität bewältigen zu können. Das Einzige, was man zum Bouldern braucht, sind ein Crashpad, Kletterschuhe und ein Magnesiasack; spezielle Boulderführer geben Hilfestellung.

Yoga

Yogaübungen kräftigen die Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit und das Gleichgewicht. Viele Asanas mobilisieren die Wirbelsäule und stärken insgesamt den Bewegungsapparat. Regelmäßiges Yoga kann als gesundheitsfördernde Bewegung positiv auf die Gesundheit wirken und das körperliche und seelische Wohlbefinden unterstützen.

Pilates

Ein wichtiges Ziel von Pilates ist es, die Wirbelsäule durch die lokale Muskulatur zu stabilisieren und so verspannte und verkürzte Muskeln zu dehnen sowie Hals-, Nacken- und Schultermuskeln zu entlasten. Gleichzeitig soll die Körpermitte, von der viele Bewegungsabläufe ausgehen, beweglich gehalten werden. Entwickelt wurde das Trainingskonzept aus Elementen von Yoga, Turnen und Ballett-Bodentraining. Zusätzlich regen die Übungen den Kreislauf an, verbessern die Körperhaltung und die -wahrnehmung. Auch Entspannung und Stressabbau wird gefördert.

Tanzen

Von Paartanz bis Breakdance, Linedance oder Zumba: Die Bewegung zu Musik beeinflusst Stimmung, Herzschlag, Blutdruck, Atemrhythmus, Immunsystem und Gehirnströme und senkt den Blutdruck. Der Sauerstoffanteil im Blut steigt, die Muskeln werden rundum gestärkt. Zusätzlich bauen Tänzer Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination auf. Beim Tanzen werden auch verstärkt Endorphine freigesetzt – sie sorgen dafür, dass man sich entspannt, glücklich und zufrieden fühlt.

Best-Ager-Training

Abgesehen von der angepassten Trainingsintensität wird die Übungswahl an die Bedürfnisse der Generation 50 plus individuell angepasst. Bedeutet: Mobilitäts-, Stabilisations- und Koordinationstraining stehen im Vordergrund und sollen das Muskelkorsett aktivieren, kräftigen und flexibel halten. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Vorsorge für ein gesundes Älterwerden sowie gleichzeitig die Lebensqualität in der Gegenwart zu verbessern.

Schwimmen

Mit den rhythmischen und dabei koordinierten Bewegungen beim Brust-, Kraul- oder Rückenstil werden alle Muskelpartien bewegt, die Ausdauer trainiert, die Lungenfunktion gestärkt, die Durchblutung und das Immunsystem angekurbelt. Außerdem bewirkt das kühle Nass, dass der Körper mehr Energie verbraucht, da er einem Auskühlen entgegenwirken muss. Das Wasser trägt auch einen Teil des Körpers: Gelenke werden dadurch ganz besonders geschont.