Ski alpin: Ariane Rädler wieder im Pech, aber aufgeben gilt nicht

Sport / 07.12.2019 • 06:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ariane Rädler in Lake Louise, kurz bevor der Verletzungsteufel zuschlägt. gepa

Skirennläuferin zog sich in Lake Louise vierten Kreuzbandriss zu.

Lake Louise Das Stehaufmännchen, so ihre eigene Bezeichnung, ist wieder hingefallen. Ariane Rädler stürzte beim zweiten Training für die Damenabfahrt in Lake Louise im Coaches Corner, flog ins Fangnetz, verletzte sich dabei schwer am linken Knie. Im Mayfair Diagnostics in Calgary wurde bei der 24-Jährigen aus Möggers der Grad der Verletzung festgestellt: Die Ärzte diagnostizierten nach einer MRI-Untersuchung einen vorderen Kreuzband- und Außenmeniskusriss sowie einen Einriss des Innenbandes. Es ist nach 2015, 2016 und 2018 bereits ihr vierter Kreuzbandriss.
Walter Hlebayna, Präsident des Vorarlberger Skiverbandes, sah sich den Videomitschnitt des Sturzes an. „Ariane ist recht frech in den Coaches Corner reingefahren, war sauber auf Zug, bei der Zwischenzeit nur fünf Hundertstel hinter der Führenden Tamara Tippler. Sie war dann leicht drucklos, verlor den Aussenski, es hat sie nach hinten versetzt. Beim Aufsetzen ist sie dann mit einer leichten Rotation ins Netz gestürzt.“ Sie habe sich noch aufgerappelt, erzählt Hlebayna, dann seien die Bilder zu Ende gewesen.
Rädlers Karriere ist von Verletzungspech begleitet. Auf eine Knöchelverletzung beim Einstieg ins FIS-Rennprogramm folgten nicht weniger als drei Kreuzbandrisse. Zwei dieser Kreuzbandrisse passierten in Serie, stoppten die sportlichen Bemühungen gleich für drei Jahre. In der ersten kompletten Saison 2017/18 feierte Rädler vier Europacupsiege, gewann die EC-Abfahrt-Disziplinenwertung und sammelte erstmals Erfahrung im Weltcup.

Startverzicht war kein Thema

Nach dem Tod ihrer Mutter vor zwei Wochen hatte der Skiverband Rädler einen Startverzicht für die Überseerennen angeboten, einen Einstieg in den Weltcup in St. Moritz vorgeschlagen. „Es war Arianes Wunsch, in Lake Louise dabei zu sein“, erzählt Dietmar Ruck, Mentor und Unterstützer der Läuferin. „Ich mache es für die Mama. Sie wollte, dass ich fahre“, sagte sie zu Ruck. In Copper Mountain bereiteten sich die Damen auf die Rennen vor. Im ersten Training in Lake Louise fuhr Rädler auf Platz 19, war an einer Messstelle mit einem Topspeed von 121,91 km/h am schnellsten unterwegs. Im zweiten, verhängnisvollen Trainingslauf klssierte sich die Head-Läuferin vor ihrem Sturz bei der dritten Zwischenzeit als 14.
Rädler wurde nach ihrem Sturz mit dem Helikopter geborgen, im Zielraum untersucht. Anschließend wurde sie mit einem Bus ins Hotel und sofort für eine genauere Diagnose mit einem Bus nach Calgary gebracht. Gestern flog die ÖSV-A-Kaderläuferin von Calgary nach München, der Skiverband organisiert den Transport nach Innsbruck. In der Klinik Hochrum wird sie heute von Dr. Christian Fink operiert. Nach einer euen Methode, bei der im Knie Plastik und keine eigenen Sehen verwendet werden.
„Ariane war nach der Diagnose fix und fertig“, erzählt Ruck. Um gleich wieder positiv in die Zukunft zu blicken: „Sie will sich nochmals hineinbeißen. Ariane ist erst 24, sie gehört zu den Jüngeren im Abfahrtskader. Trainer Christoph Alster und der ÖSV haben ihr alle Unterstützung zugesichert.“ Hlebayna glaubt ebenfalls an ein Comeback: „Ariane ist dreimal super zurückgekommen. Ivica Kostelic hatte acht Knieverletzungen, hat es noch sieben Mal probiert.“
Rädler hatte sich viel vorgenommen für diese Saison, die Teilnahme am Weltcupfinale war das Ziel. Bisher standen acht Einsätze im Weltcup zu Buche, die letzten sechs Mal gab es immer Punkte. Die beste Platzierung war ein zwölfter Rang im Super-G von Garmisch im Jänner dieses Jahres.

Abtransport nach dem Sturz. Ariane Rädler wurde mit dem Helikopter zur ersten Untersuchung in den Zielraum geflogen. gepa
Abtransport nach dem Sturz. Ariane Rädler wurde mit dem Helikopter zur ersten Untersuchung in den Zielraum geflogen. gepa
Muss wieder eine Pause einlegen: Ariane Rädler. GEPA