Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 13.12.2019 • 22:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Solisten, Dresdner Kreuzchor und Philharmonie, Dirigent Martin Flämig

ALBUM J. S. Bach Weihnachtsoratorium

PRODUKTION/VERTRIEB BERLIN Classic

Eine Kostbarkeit der Chorliteratur, die gleich zweifach unbeschadet die Zeiten überdauert hat. Bach schrieb sein Weihnachtsoratorium zum Christfest 1734 in Leipzig, diese Einspielung aller sechs Kantaten entstand 1974/75 in Dresden. Sie ist eben technisch auf den neuesten Stand remastered worden, weil sie in klanglicher und interpretatorischer Hinsicht bis heute Maßstäbe gesetzt hat, darum Referenzcharakter besitzt und mit 60.000 verkauften Exemplaren zum Renner wurde. Vielleicht auch, weil man Originalklang hier nicht mit „Originalzwang“ verwechselt und unter Martin Flämig höchst sinnenfreudig und entspannt musiziert wird. Die Besetzung mit Solisten wie Arleen Augér, Peter Schreier und Theo Adam garantiert höchstes Niveau, die Knabenstimmen des Dresdner Kreuzchores anstelle eines gemischten Chores lassen erahnen, wie das authentisch zu Zeiten Bachs geklungen hat. Ein Geschenk!

KÜNSTLER Ludwig Güttler, Trompete, und Ensemble

ALBUM Europa Cantat – Weihnachtsmusik

PRODUKTION/VERTRIEB BERLIN Classics/EDEL Kultur

Wer es zum Fest gerne pompös in bläserischer Prachtentfaltung mag, mit hübsch vertonten Episoden aus der biblischen Weihnachtsgeschichte und noch dazu überspannt vom europäischen Gedanken durch die Herkunft der Komponisten, der liegt mit dieser Sammlung aus dem reichen Fundus der deutschen Trompetenlegende Ludwig Güttler (76) goldrichtig. Der barocke musikalische Bogen spannt sich von Italien und Deutschland bis nach England und Böhmen, jedes Land bringt seine Farben und Emotionen ins Spiel. Güttler zeigt sich in seiner ureigensten Kunst als herausragender Trompeter seiner Generation, etwa mit dem glänzenden „Tochter Zion“ in der Fassung von Händel oder einer reizend verspielten Suite von Lully. Er beweist aber in Kantaten von Telemann und Bach, mit Teilen des „Gloria“ von Vivaldi oder aus einer „Missa Alleluja“ von Biber auch sein Können als umsichtiger Dirigent anspruchsvoller oratorischer Werke.

KÜNSTLER: Daniel Behle, Tenor

ALBUM: Meine schönsten Weihnachtslieder

PRODUKTION: SONY Classical

Er ist ein Tausendsassa, der aus Hamburg gebürtige lyrische Tenor Daniel Behle, den man gerne den „Tenor-Poeten“ nennt und dem die WAZ „Sprachbewusstsein statt Manierismen“ attestiert hat. Genau die rechten Voraussetzungen also für diesen Sänger, um sich neben seiner Hauptbeschäftigung zwischen Konzertsälen wie Schwarzenberg und Opernbühnen wie Bayreuth einmal auch dem schlichten deutschen Weihnachtslied zu widmen. Die gute alte, längst aus unseren Wohnstuben verschwundene Hausmusik wollte er damit wieder neu beleben, und so steckte der ausgebildete Komponist 23 seiner liebsten Weihnachtsmelodien in konventionelle bis kunstvoll-jazzige Arrangements für kleines Ensemble und machte mit lustigen Einfällen sogar eine entstaubte Geschichte zum Weihnachtsabend daraus. Ein sehr persönliches Sängerporträt, das bald so etwas wie Nostalgie aufkommen lässt.

KÜNSTLER: The Ramsey Lewis Trio

ALBUM: More Sounds Of Christmas

PRODUKTION/VERTRIEB: ARGO-Records/UE

Und noch ein Remastering, diesmal für Jazzfans. Der Pianist Ramsey Lewis war ja in den Sechzigern berühmt dafür, dass alles, was ihm zum Verjazzen in die Hände fiel, zu Gold wurde. Dies galt auch für „More Sounds Of Christmas“, diese Auswahl populärer US-amerikanischer Weihnachtssongs, mit der das Ramsey-Lewis-Trio 1964 Anschluss an seinen Christmas-Bestseller vor drei Jahren suchte und prompt einen weiteren Weihnachtsklassiker landete. Dieser ist nun frisch aufpoliert wieder auf dem Markt, erstmals auf CD und mit jenem berühmten Sound, der uns damals schon kribbelig werden ließ und Weihnachten stets herrlich entkitscht hat. Auch wenn Lewis als Zentralfigur seine Sidemen öfters wechselt, klingt alles erstaunlich kompakt, aber auch cool, lässig swingend und ziemlich funky. Dabei lässt sich das Trio auch nicht von den zuckrigen Streichern beirren, die glauben, unbedingt den „Snowfall“ imitieren zu müssen.