Aktstudien erfolgten einst im Verborgenen

Kultur / 14.12.2019 • 11:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Allegorie der Zeichenkunst“, Radierung und Mezzotinto auf Papier von Angelika Kauffmann aus dem Jahr 1787.  Vorarlberger Privatsammlung.Foto: Jana Sabo
„Allegorie der Zeichenkunst“, Radierung und Mezzotinto auf Papier von Angelika Kauffmann aus dem Jahr 1787.  Vorarlberger Privatsammlung.Foto: Jana Sabo

Auch ein kaiserlicher Stempel bezeugt die kuriose Begegnung mit der Nacktheit zur Zeit von Angelika Kauffmann.

Wien, Bregenz Spätestens wenn die Bregenzerwälder Gemeinde Schwarzenberg Anfang 2020 ihre 750-jährige Geschichte zu feiern beginnt, richtet sich der Fokus auch wieder verstärkt auf die väterlicherseits aus diesem Ort stammende Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807). Eine Sonderausstellung ist geplant. Arbeiten der Künstlerin befinden sich in den großen Museen und in privaten Sammlungen. Darunter sind auch Arbeiten auf Papier, die eine besondere Geschichte erzählen, wie der Kunsthistoriker Tobias G. Natter den VN bestätigte.

Bei der oben abgebildeten Druckgrafik handelt es sich um eine „Allegorie der Zeichenkunst“, die ursprünglich Kaiser Franz I. (1768-1835) gehörte. Auf der Rückseite trägt sie den Stempel „Fid. C“ mit Kaiserkrone. Sie zählte zum Bestand der „Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen“. Nach dem Ende der Habsburger-Monarchie wurde das Werk der Wiener Albertina übergeben, die es zur Lukrierung von Budgetmitteln versteigern ließ. Somit gelangte es in Privatbesitz und schließlich nach Vorarlberg.

Interessant ist die Darstellung. Sie habe auch etwas Autobiografisches, meint Natter. Denn als Angelika Kauffmann als bereits berühmte Künstlerin die Darstellung schuf, dürfte sie sich daran erinnert haben, dass ihr zu Studienzwecken im Jahr 1762 in der Medici-Galerie in Florenz einmal ein separater Raum zugewiesen worden war, um nach antiken Skulpturen zeichnen zu können. Nach den damaligen Moralvorstellungen sollte das unbedingt getrennt von männlichen Kollegen geschehen. Das Zeichnen nach Aktmodellen war Frauen ohnehin untersagt und ein Argument, um sie von den Kunstakademien fernzuhalten.

Ein Torso aus dem Vatikan

Dem Blatt zugrunde liegt das Ölgemälde „Die Zeichenkunst“ von Angelika Kauffmann, das sich heute noch in der Royal Academy in London befindet, zu deren Gründungsmitgliedern die Kauffmann als eine von nur zwei Frauen, die sich die Position erkämpft hatten, zählte. Für ihre Allegorie verwendete die Künstlerin eine der bekanntesten Statuen der Antike, einen männlichen Torso, der sich in den Vatikanischen Museen in Rom befindet. Während die Malerin dem Betrachter hier nur die Rückenansicht offeriert, darf man davon ausgehen, dass an dem muskulösen Körper, der sich bestens für das Aktstudium eignete, alles dran ist, was die Natur im Allgemeinen vorgesehen hat. VN-cd