MedKonkret: Herzschwäche ist häufig und gefährlich

Gesund / 15.12.2019 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Primar Matthias Frick traf mit seinem Thema genau den Nerv des Publikums. VN/Lerch
Primar Matthias Frick traf mit seinem Thema genau den Nerv des Publikums. VN/Lerch

Erkrankung sorgt für eine hohe Sterblichkeit im Alter.

Feldkirch „Herzschwäche ist häufig und gefährlich.“ In einem Satz brachte Primar Matthias Frick das Problem auf den Punkt. Die Brisanz untermauerte der Leiter der Inneren Medizin I im Landeskrankenhaus Feldkirch mit Fakten. Durchschnittlich 30 Prozent der Betroffenen sterben nach einem Jahr, die 5-Jahres-Rate liegt bei 60 bis 70 Prozent. Etwa die Hälfte der über 65-Jährigen muss wiederholt stationär aufgenommen werden, und zwei bis vier Prozent des Gesundheitsbudgets fließen in die Behandlung der Herzschwäche. Für Frick alarmierende Zahlen, die neue Strategien notwendig machen. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Erkrankung immer besser. Besonders im medikamentösen Bereich tat und tut sich viel. „Das Beste wäre jedoch, eine Herzschwäche gar nicht erst entstehen zu lassen“, rief Primar Frick die MedKonkret-Besucher im vollbesetzten Panoramasaal des LKH Feldkirch dazu auf, Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen unbedingt und konsequent behandeln zu lassen. Als wirksame Präventionsmaßnahmen nannte er außerdem eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie Nikotin- und Alkoholabstinenz. 

Eine Alterserscheinung

Herzschwäche ist eine Alterserscheinung. Ab 80 steigen die Patientenzahlen deutlich an. In dieser Personengruppe liegt der Anteil bei über zehn Prozent. „Eine von drei Personen im Alter von 55 Jahren entwickelt während der restlichen Lebenszeit eine Herzschwäche“, zitierte Matthias Frick aus aktuellen Studien. Noch eine Aussage ließ aufhorchen: Ist die Erkrankung einmal manifest, verschlechtert sie sich zusehends. Vor allem akute Episoden setzen dem Herzen, das gut 300 Gramm wiegt, zu. Die Medizin teilt die Herzschwäche in vier Stadien. Bei Schweregrad 4 treten Beschwerden wie Atemnot sogar in Ruhestellung auf.

Herzschwäche vermindert die Pumpleistung des Herzens. Das heißt, die Organe können nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. „Das spüren Betroffene zuerst bei körperlicher Belastung, dann auch in Ruhe“, erläuterte Frick. Der häufigste Grund für das Auftreten einer Herzschwäche ist ein Herzinfarkt. Weitere Ursachen sind chronische Durchblutungsstörungen, unbehandelter Bluthochdruck, Herzmuskelentzündungen, Herzklappenfehler, Chemotherapien und übermäßiger Alkoholkonsum. Die Diagnose beinhaltet ein ausführliches Gespräch, eine klinische Untersuchung, EKG, Labor, Herz-Ultraschall, MRT und, wenn erforderlich, eine Herzkatheter-Untersuchung. Eine, wie es der Kardiologe ausdrückte, saubere Diagnostik ist Voraussetzung für eine adäquate Behandlung. Dabei sei es oft wichtiger, statt der Prognose die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. An Therapieoptionen stehen medikamentöse und operative Interventionen zur Verfügung. Als letzten Schritt bezeichnete Primar Frick die Herztransplantation.

Ambulante Betreuung

Der Arzt appellierte an die Zuhörer, sich über diese Erkrankung zu informieren, er riet zu regelmäßigen Blutdruck- und Gewichtskontrollen, zu salzarmer Ernährung, dosierter Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 Liter maximal) und Alkohol- sowie Nikotinverzicht. Immer wichtiger wird aus seiner Sicht außerdem die ambulante Betreuung von Patienten mit Herzschwäche. Speziell geschulte Pflegepersonen sollen künftig Internisten und Hausärzte unterstützen. Wie Matthias Frick mitteilte, wird demnächst auch in Vorarlberg mit der Ausbildung solcher Pflegemitarbeiter begonnen. Er hofft, dass das von der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) initiierte Projekt in längstens drei bis vier Jahren zur Umsetzung gelangt.

Fragen aus dem Publikum

Gibt es bei Herzschwäche auch eine genetische Komponente?

Frick Die gibt es. Wir haben ganze Familien, die das betrifft, und konnten auch den Gendefekt nachweisen. Das gelingt allerdings nur bei Unterformen der Herzschwäche. Hier müssen wir die Abklärung stärker vorantreiben.

Ich habe eine Herzschwäche, aber mein Hausarzt geht nicht darauf ein. Was soll ich tun?

Frick Den Hausarzt wechseln oder sich auf keinen Fall abspeisen lassen. Die Diagnose gehört unbedingt abgeklärt.

Ist bei durch Vorhofflimmern geschwächtem Herz und geschwächter Lunge eine Verödung noch möglich?

Frick Das hängt davon ab, wie lange das Vorhofflimmern schon besteht. Ist die Fläche schon zu groß, lässt sich nicht mehr viel veröden. Mit der Lunge hat das jedoch nichts zu tun.

Was führt zu einem Vorhofflimmern?

Frick Beim Vorhofflimmern handelt es sich um eine Erkrankung, die ihren Ursprung in der Lungenvene hat und mit dem Alter zunimmt. Noch ist unklar, warum es die einen bekommen und andere nicht.

Werden Herzkatheter-Untersuchungen in Feldkirch auch über den Arm oder nur über die Leiste durchgeführt?

Frick Etwa 70 Prozent dieser Untersuchungen machen wir über den Arm.

Hat emotionaler Stress einen Einfluss auf das Herz?

Frick Ja, nur lässt er sich schlecht messen. Das „Gebrochene-Herz-Syndrom“ ist diesbezüglich eine Mustererkrankung. Sie zeigt, welchen Einfluss emotionaler Stress auf das Herz haben kann.

Ist ein Herz, das nicht synchron pumpt, ein Risikofaktor für Herzschwäche?

Frick Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Herzschwäche auftritt, ist sehr hoch.

Was muss ich bei einem Herzschrittmacher beachten?

Frick In den ersten drei Monaten sollten Sie die linke Körperseite schonen, danach können sie alles tun. Sie sollten jedoch nicht auf den Schrittmacher fallen und stärkere Magnetfelder meiden.

Ich hatte als Kind einen Herzklappenfehler, von dem es hieß, er sei ausgewachsen. Besteht trotzdem die Gefahr einer Herzschwäche?

Frick Wenn sich der Herzklappenfehler ausgewachsen hat, brauchen Sie keine Angst zu haben.

MedKonkret mit Matthias Frick.
MedKonkret mit Matthias Frick.