Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Einmal ungeschminkt

VN / 17.12.2019 • 06:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Jetzt fährt es langsam runter.“ Er meint das Geschäft, den Stress, irgendwie alles. Dieser eine Satz hat gegen Ende des Advents die üblichen Begrüßungsformeln vollkommen verdrängt. Alle sagen das. Manche noch hoffend, andere schon mit Gewissheit: Jetzt wird es ruhiger. Die letzte Besprechung, das letzte Projekt, die letzte Schicht. Es dreht sich immer langsamer, das Hamsterrad. Bis es stillsteht. Und dann? Steigt er dann aus? Das scheint unwirklich. Aber er hat Bilder im Kopf und eine große Müdigkeit in den Beinen.

Das Gegenmodell zum alltäglichen Getriebe wäre das Nichts. Einfach nichts tun. Irgendwo sitzen, bei einer Schale Kaffee, und nichts weiter. Keinen Erwartungen entsprechen müssen. Nicht werten und nicht bewertet werden. Die Schule macht ja auch Pause! Da könnte die Leistungsgesellschaft doch auch mal Ruhe geben…

Dann nämlich blieben alle Verkleidungen im Schrank. Und er und sie und auch das Kind stünden einander „unplugged“ gegenüber. Es würde nicht das perfekte Weihnachtsfest. Der „Selfie-Faktor“ unterm Christbaum tendierte gegen null. Aber es wäre echt. Es wäre wirklich Weihnachten.

Thomas Matt
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