Krebsnachsorge für Kinder am KH Dornbirn könnte wackeln

VN / 20.12.2019 • 15:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Proteste gegen die Reduktion der kinderonkologischen Versorgung in Dornbirn nützten wenig. VN/HARTINER

Elterninitiative fordert verstärkte Zusammenarbeit mit Kinderspital St. Gallen.

Dornbirn Krebs wird eine immer größere Bedrohung auch für Kinder. In Vorarlberg sind seit 2017 nicht weniger als 35 Kinder an Krebs erkrankt. Allein heuer wurden 16 Neuerkrankungen registriert, zu denen auch Rezidive, also Rückfälle gezählt werden. Die häufigsten Krebsleiden sind Leukämien und Lymphome. „Die Zahl der Krebsfälle bei Kindern wird steigen“, befürchtet Andrea Tschofen-Netzer, Sprecherin der Elterninitiative „Pro KinderOnko Dornbirn“. Die Sorge um die Kinder treibt sie noch immer um und lässt sie nicht ruhen im Bemühen, wieder das an Behandlung im Land zu bekommen, was da war, wie es Tschofen-Netzer ausdrückt. Derzeit ist am Krankenhaus Dornbirn bekanntermaßen nur noch eine Nachsorge möglich, und selbst die könnte wackeln, wie Formulierungen aus einer von der Stadt verfassten Anfragebeantwortung vermuten lassen. 

Strengere Nachsorge-Schemas

Da heißt es unter anderem, dass die Nachsorge-Schemas international strenger geregelt worden seien und es daher vorkommen könne, dass nicht die vollständige Nachsorge im Krankenhaus Dornbirn möglich ist. Bei Blutabnahmen gibt es bereits Einschränkungen. Die dürfen demnach nur auf Wunsch der Universitätskinderklinik durchgeführt werden. Droht da weiteres Ungemach in Form einer Angebotsreduktion? Andrea Tschofen-Netzer weiß nicht mehr, was sie glauben kann. „Es sollte wirklich überlegt werden, ob eine Kinderonkologie am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch auf lange Sicht gesehen nicht die bessere Alternative wäre“, sinniert sie. Als kurzfristige Lösung fordert die Elterninitiative einen Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Kinderspital St. Gallen. Das Angebot, alle Krebsdiagnosen inklusive Erstdiagnosen zu übernehmen, liege vor. Ursprünglich war vereinbart worden, dass das Kinderspital St. Gallen nur Kinder mit Leukämien aus Vorarlberg übernimmt.

Die grenzüberschreitende Kooperation besteht seit nunmehr einem Jahr. Derzeit werden sechs Kinder von St. Gallen aus betreut. Dazu kommen wöchentlich Fachärzte auch nach Dornbirn. „Aus Innsbruck war noch nie ein Onkologe in Dornbirn“, bemängelt die Elternsprecherin. Würden Onkologen aus St. Gallen die Betreuung im Krankenhaus Dornbirn als Überbrückung übernehmen, könnte dort nach Ansicht von Tschofen-Netzer nicht nur die onkologische Expertise erhalten werden. Kindern blieben auch viele belastende Fahrten nach Innsbruck erspart. Laut Schreiben der Stadt wünscht aber keines der jeweiligen Zentren einen fachlichen Austausch über die von ihnen betreuten Patienten mit dem anderen Zentrum. Diese Feststellung löst bei Andrea Tschofen-Netzer lediglich Kopfschütteln aus.

Kritik an bisherigen Maßnahmen

Während sie das mit St. Gallen getroffene Arrangement lobt, fällt die Beurteilung der im Land bisher gesetzten Maßnahmen denkbar schlecht aus. Den schon lange gewünschten Elternfolder mit allen Infos zu Notfallnummern und Behandlungsmöglichkeiten gebe es immer noch nicht, um Fahrtkosten und Heilbehelfe müsse gekämpft werden. Gleiches gilt für die Übernahme von Transportkosten. Die gibt es nur bei Verabreichung einer Chemotherapie, nicht jedoch bei Kontrolluntersuchungen. „Die Fahrtkostenlösung wurde schlicht schöngeredet“, ärgert sich Tschofen-Netzer. Zudem müssten Eltern und Kinder für ambulante Chemotherapien oft zähe An- und Rückreisen auf sich nehmen oder extern übernachten, weil es in der Innsbrucker Klinik keine Zimmer gebe. Eine von der Elterninitiative angeregte Arbeitsgruppe wurde mit dem Hinweis abgelehnt, es gebe aus medizinischer Sicht keinen Bedarf dafür. Im Jänner sind Vertreter der Elterninitiative bei Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Die Erwartungen an das Gespräch? „Dass es gelingt, die kinderonkologische Versorgung in Vorarlberg langfristig in vollem Umfang zu sichern“, lautet die Antwort. Es gelte bei allen Überlegungen das Kindeswohl in den Mittelpunkt zu stellen. „Eine heimatnahe Betreuung ist schließlich auch bei erwachsenen Krebspatienten üblich“, fügt Andrea Tschofen-Netzer als Begründung für ihre Anliegen noch an.