Job-Sharing-Modell mit Ablaufdatum

VN / 03.01.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Die Aufteilung der Arbeit bringt Ärzten und Patienten nur Vorteile. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">APA </span><br></span></p>

Die Aufteilung der Arbeit bringt Ärzten und Patienten nur Vorteile.  APA

Einfache Variante ist befristet. Ärztekammer bemüht sich um Lösung.

nenzing, schlins Achim Schneeberger ist Hautfacharzt in Nenzing, Iris Jäger als Allgemeinmedizinerin in Schlins tätig. Trotz unterschiedlicher Disziplinen gibt es eine Gemeinsamkeit: Beide praktizieren das Job-Sharing. Schneeberger war 2013 der erste Arzt im Land, der die neue Möglichkeit nutzte. Jäger teilt sich den Kassenvertrag seit 2014 mit ihrer Freundin Kathrin Berchtold-Auer. Beide Mediziner berichten von guten Erfahrungen. Das von ihnen gewählte Modell hat nur einen Haken, es läuft nach acht Jahren aus. Für Achim Schneeberger wäre 2021 Schluss mit Job-Sharing, für Iris Jäger ein Jahr später. „Ich würde mir wünschen, dass diese Form der Kooperation von Ärzten weiterlaufen kann, denn es bietet Vorteile für alle Beteiligten“, sagt Schneeberger. Jäger, die derzeit in Karenz ist, sieht es ähnlich. „Es wird eine Lösung geben“, zeigt sich die zweifache Mutter überzeugt. An einer Fortsetzung sind auch Ärztekammer und ÖGK-Landesstelle interessiert.

Verschiedene Varianten

Derzeit gibt es 25 Praxen im Land, die mit Job-Sharing arbeiten. Der Großteil hat sich für das Modell entschieden, bei dem ein Kassenvertrag mit einem frei wählbaren Partner vorübergehend geteilt wird. Diese Teilung ist mit acht Jahren befristet. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer dauerhaften Vertragsteilung. Sie bleibt so lange bestehen, bis die Vertragspartner von sich aus beschließen, das Job-Sharing zu beenden. „Hier gibt es die Acht-Jahre-Regel nicht, allerdings kann der Partner nicht selbst ausgewählt werden“, erklärt Kammeramtsdirektor Jürgen Heinzle. Die Besetzung erfolgt über eine Ausschreibung, und letztlich entscheiden die Reihungsrichtlinien für Kassenverträge, wer mit wem zusammenarbeitet. Gleiches gilt, wenn sich zwei Ärzte gleichzeitig auf einen Einzelvertrag bewerben. Eine andere Variante stellt das erweiterte Job-Sharing dar. Dabei kann die Versorgungskapazität eines bestehenden Einzelvertrags um maximal 90 Prozent erweitert werden. Hier besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich seinen Vertragspartner selbst auszuwählen, jedoch mit zeitlicher Einschränkung.

Auf Anpassung pochen

Diese Form des erweiterten Job-Sharings ist allerdings nur möglich, wenn eine Kassenarztstelle zweimal ohne Erfolg ausgeschrieben wurde oder Sozialversicherung und Kammer einen Versorgungsengpass feststellt. Danach gibt es zwei Optionen, die Kooperation zu verlängern: die Gründung einer Gruppenpraxis als GmbH oder OG sowie ein erweitertes Job-Sharing auf Basis einer dauerhaften Vertragsteilung. „Sollten für diese Nachfolgevarianten keine Bewerbungen eingehen, ist mit Zustimmung der Kasse und der Kammer eine Verlängerung der bestehenden vorübergehenden erweiterten Vertragsteilung oder eine neuerliche erweiterte vorübergehende Vertragsteilung mit Befristung möglich“, führt Heinzle aus. Während also für die weniger genutzten Varianten bereits Nachfolgemöglichkeiten bestehen, gibt es für das einfache Job-Sharing-Modell noch keine Lösung. „Die Ärztekammer strebt jedoch eine solche an“, versichert Jürgen Heinzle. Im Rahmen der Verhandlungen mit der ÖGK werde man zeitnah auf die Anpassung der bestehenden Vereinbarungen pochen.

Achim Schneeberger hofft auf eine positive Erledigung. „Es ist schön, neben der Patientenversorgung noch Zeit für andere Dinge zu haben und dabei zu wissen, dass die Patienten jederzeit beim Kollegen gut aufgehoben sind.“ Iris Jäger führte ihre Praxis fünf Jahre allein. Dann kam das erste Kind, und sie entschied sich für ein Job-Sharing. „Damit lässt sich die Arbeit flexibel aufteilen“, erzählt Jäger, die inzwischen zwei Kinder hat. Die Karenzvertretung übernahm ein junger Arzt. Später möchte Iris Jäger wieder voll in die Praxis einsteigen.