Bildungsdirektion in der Kritik

Vorarlberg / 08.01.2020 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Den Kindern ist es egal, von was für einer Behörde sie verwaltet werden. Sie wollen in der Schule etwas lernen. VOl
Den Kindern ist es egal, von was für einer Behörde sie verwaltet werden. Sie wollen in der Schule etwas lernen. VOl

Zu unübersichtlich, zu unpersönlich, zu wenig effizient: Viele Schulleiter murren.

SCHWARZACH Die Schulleiterin einer Volksschule im Rheintal möchte ihren Namen nicht nennen, wenn die Rede auf die Bildungsdirektion kommt. „Diese Behörde ist sehr unpersönlich. Man kann nicht mehr auf die vertrauten Ansprechpartner zurückgreifen. Die schultypenübergreifende Organisation ist von geringem Nutzen. Ich bin froh, dass ich über ein Netzwerk mit anderen Volksschuldirektorinnen und -direktoren verfüge, wenn es um gemeinsame Anliegen geht.“ Die Pädagogin beklagt zudem: „Die Bildungsdirektion gibt uns viel mehr Aufträge, als dass sie Serviceleistungen bietet.“

Rot-schwarze Schöpfung

Die Bildungsdirektionen feierten in allen österreichischen Bundesländer zum 1. Jänner ihren ersten Geburtstag. Sie sind eine Schöpfung der ehemaligen rot-schwarzen Bundesregierung und haben die Schulabteilungen der Bundesländer mit den vom Bund bestellten Landesschulräten in eine große Schulbehörde verschmolzen. Diese ist nun für alle Schulen und alle Lehrer eines Bundeslandes zuständig. Die organisatorischen und pädagogischen Strukturen im Schulbereich wurden komplett verändert.

Nord und Süd

In Vorarlberg wurden zwei schultypenübergreifende Bildungsregionen (Nord und Süd) geschaffen, die für alle Schulen einer Region zuständig sind. Ebenso sind das die neun Schulqualitätsmanager, die zum Teil aber zusätzlich zu ihrer Zuständigkeit für eine bestimmte Zone auch landesweit die Verantwortung für einen bestimmten Schultyp zu übernehmen haben.

„Vorher gab es halt klar erkennbare Zuständigkeiten, die jetzt nicht mehr so eindeutig zu erkennen sind. So kann ich es als Direktor etwa in einem Schultyp sowohl mit einem für die Bildungsdirektion Nord zuständigen Schulqualitätsmanager zu tun haben als auch mit einem, der landesweit für diesen Schultyp zuständig ist“, zeigt Gebhard Hinteregger (63), Direktor des Gymnasiums und der HLW Riedenburg, ein Dilemma auf. „Bisher hatte ich es halt mit einem für den Schultyp zuständigen Landesschul­inspektor zu tun.“ Verteufeln will Hinteregger die totale Umstrukturierung nicht. „Wahrscheinlich sind das die erwartbaren Anlaufschwierigkeiten. Gespannt bin ich allerdings, wie künftig die Maturavorsitzenden bestimmt werden.“

Menschen statt Paragrafen

Christian Höpperger (50), Direktor der MS Hard Mittelweiherburg, ortet eine große Diskrepanz zwischen gut klingender Theorie und erlebter Praxis. „Es gibt viele Überschneidungen und Doppelgleisigkeiten und ich hätte lieber mehr mit Menschen als mit Paragrafen zu tun, räume aber auch ein, dass mehrere vertraute Ansprechpersonen in der Schulverwaltung fast gleichzeitig in Pension gegangen sind.“

Reinhard Sepp (56), Direktor des BRG/BORG Dornbirn-Schoren, gibt sich zurückhaltend. „Die Zusammenführung von Pflichtschulen und Bundesschulen unter ein Dach verursacht verwaltungstechnisch gravierende Umstellungen. Dass dies am Beginn mit schwierigen Situationen verbunden ist, überrascht nicht.“ Als Fehlkonstruktion will Sepp die neue Behörde jedoch  nicht abqualifizieren.