Feldkircher Stadtmetzgerei-Konflikt kommt ins Schaufenster

VN / 08.01.2020 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit August 2019 hat die Stadtmetzgerei Spieler geschlossen. Zwischen Vermieter, den Stadtwerken Feldkirch und Gerhard Spieler herrscht dicke Luft. Ab Mittwoch werde man den Mail-Verkehr im Schaufenster ausstellen, kündigt Spieler an. VN/SCHWEIGKOFLER

Noch-Inhaber Spieler kritisiert Stadtwerke-Feldkirch-Geschäftsführer scharf. Korrespondenz soll in Auslage ausgestellt werden.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Ende Monat läuft der Mietvertrag von Gerhard Spieler, der von 1997 und bis August 2019 die Stadtmetzgerei in der Feldkircher Johannitergasse betrieben hat, aus. Wie es mit dem Geschäft weitergeht, ist weiter unklar. Das Verhältnis zwischen Mieter Spieler und den Stadtwerken Feldkirch als Vermieter ist äußerst angespannt, Gesprächsbasis scheint zwischen den beiden Konfliktparteien keine mehr vorhanden zu sein.

Kurz vor Weihnachten haben sich Gerhard Spieler und seine Lebensgefährtin Sabine Lemaire an die VN gewandt. Nachdem sich die Gespräche über eine Ablöse der Metzgerei und auch mit einem potenziellen Nachfolger zerschlagen hätten, weil ihm vonseiten der Stadtwerke die Ausstattung „madig geredet worden sei“, entschloss sich Spieler, die Ausstattung der Metzgerei kostenlos anzubieten. Der Metzger ist überzeugt, dass ein Nachfolger das Geschäft innerhalb weniger Tage wieder eröffnen werden könne. Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Trefalt, der sich erst nicht öffentlich äußern wollte, krisisierte in Folge in einem VN-Leserbrief die „unrealistisch hohen Forderungen“ Spielers.

Hintergründe werden öffentlich

Spieler und Lemaire sind erbost. Denn am 30. Dezember hat ihnen Trefalt eine E-Mail geschrieben, in der er aufgefordert wurde, sich nicht mehr an die Presse zu wenden. Das würden auch die Stadtwerke so handhaben. Deshalb werde man jetzt die Korrespondenz offenlegen. Auf der Homepage der Metzgerei (www.stadtmetzgerei.at) wurde bereits am Dienstagnachmittag eine Aktennotiz Spielers veröffentlicht, ab heute, Mittwoch, werde man die Korrespondenz mit den Stadtwerken in der Auslage aufhängen. „22 Jahre hatten wir das Geschäft offen, jetzt werden wir da öffentlich als Lügner hingestellt“, macht Lemaire ihrem Ärger Luft. Die Feldkircher sollen sich selber ein Bild machen können.

Die Ablöse-Forderungen seien nicht überzogen gewesen, sondern ließen sich gut belegen. Die Ausstattung stamme keinesfalls von 1992, sondern vieles sei im Rahmen des Umbaus 2016 erneuert worden, bei dem fast 90.000 Euro investiert worden seien. Die neuwertige Kühltheke mit Kühlaggregat habe laut Schätzung einen Restwert von 48.000 Euro. Zudem habe man mit dem potenziellen Nachfolger bereits eine Ablöse-Regelung gefunden gehabt, die letztlich an den Aussagen der Stadtwerken gescheitert sei. Dass Trefalt behaupte, an einer Weiterführung interessiert zu sein, stellen sie in Frage. Denn der Ende November geforderte Ausbau der Verkaufstheke würde die Wiederinbetriebnahme der Metzgerei beträchtlich erschweren. Deshalb habe man sich auch zum Verschenken entschieden. „Wenn weder die Stadtwerke noch die Stadt Feldkirch bereit ist, für ihre Bürger Investitionen für eine Metzgerei zu tätigen, tun wir das für die Feldkircher. Schon allein als Dank für 22 Jahre Kundentreue“, teilt Gerhard Spieler den VN mit.

Spieler konzentriert sich auf Jäger

Für eine schnelle Nachfolge wird die Zeit langsam knapp. Denn am 31.1.2020 muss Spieler das Geschäftslokal räumen. „Zwei Wochen davor startet der Ausbau“, erklärt der Metzger. Mit den Stadtwerken redet er nicht mehr, darin sieht er keinen Sinn. Spieler zahlt derzeit auch keine Miete – das Geld werde zurückgestellt, aber derzeit nicht überwiesen. Immerhin habe es ja auch eine mündliche Zusage gegeben, dass die Pacht bereits Ende September aufgelöst werde. Dass ein Nachfolger gefunden werden könne, sei immer noch möglich. Auf den VN-Artikel habe sich ein weiterer junger Metzger gemeldet, und auch der ursprüngliche Interessent sei wieder am Nachdenken, erklärt Lemaire.

Persönlich wird Spieler in Zukunft seine Dienste vor allem Jägern anbieten. In Lustenau bietet er das Zerlegen von Wild an, auf Wunsch wird er das Fleisch auch via Online-Shop vertreiben. Spieler gilt als Wild-Spezialist.

Manfred Trefalt teilt auf Anfrage mit, dass die Stadtwerke vorläufig keine Stellungnahme abgeben möchten. Er betont aber, dass bisher im Gespräch mit den Stadtwerken nie die Rede von einer kostenlosen Überlassung gewesen sei.