EURO 2020: Zeitlupe, Buzzer und Torkamera

Sport / 10.01.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der EHF-Delegierte und die Schiedsrichter können bei unklaren Situationen für die Entscheidung auf die Bilder zurückgreifen. EHF

Technische Hilfsmittel kommen bei der Handball-EM 2020 im Einsatz.

Wien Das Instant Replay, der Buzzer und die Substitution Area Technology: Bei der Handball-EM 2020 werden wieder einige technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, die man aus der heimischen Spusu Liga in dieser Art nicht kennt. Während der Rote Buzzer die Grüne Karte beim Time-Out ersetzt, können die Schiedsrichter zur Entscheidungsfindung bei kniffligen Aktionen oder strittigen Situationen und Fouls anhand der bewegten Bilder prüfen, ob sie richtig entschieden haben. Der Videobeweis kommt im Handball seit 2015 zum Einsatz.

Die Europäischen Handball Föderation (EHF) nennt ihr Videobeweissystem Instant Replay (sofortige Wiederholung oder Zeitlupe). „Vier Augen können nicht alles sehen. Gerade auf diesem Topniveau ist es richtig, dass Schiedsrichter die tschnischen Unterstützung nützen können“, betont der Wiener Christian Kaschütz, viele Jahre selbst als Referee auf höchstem Niveau tätig und bei der EURO 2020 im Organisationsteam tätig. „Das bezieht sich speziell auf Schlüsselsituationen des Spiels, soll aber nicht zu unnötigen Spielverzögerungen führen“, betont Kaschütz. In diesen können die Unparteiischen „entscheiden, die TV-Bilder zusätzlich zu ihrem eigenen Blick auf das Spielfeld hinzuzuziehen“.

Ihre Premiere hatte die Technik beim Final Four in der Champions League 2016 in Köln, als das deutsche Schiedsrichtergespann dem für Paris Saint-Germain spielenden Kroaten Igor Vori nach Studium der Videoaufzeichnung die Rote Karte wegen eines Ellenbogenstoßes zeigte.

Im Vergleich mit dem Video Proof System, das der Weltverband (IHF) bei seinen Großereignissen anwendet, gibt es zwei entscheidende Unterschiede: Zum einen steckt hinter der Technik ein anderer Anbieter, und zum anderen dürfen bei der IHF auch die Delegierten auf den Videobeweis zurückgreifen.

Die Zeitlupe ist ausschließlich den Schiedsrichtern erlaubt. Spieler oder Trainer können den Einsatz des Videobeweises, anders als beispielsweise im Tennis oder Volleyball, im Handball nicht fordern.

Roter Buzzer statt Grüner Karte

Neben dem Videobeweis gibt es mit der Substitution Area Technology eine zweite Kameratechnik: Am Kampfgerichtstisch werden zwei Kameras installiert. Der EHF-Delegierte und die Schiedsrichter können im Falle eines Wechselfehlers auf die Bilder zurückgreifen, um in unklaren Situationen zu entscheiden, welcher Spieler zu bestrafen ist.

Der Rote Buzzer, der die Grüne Karte ersetzt, ist mit dem offiziellen Techniksystem verbunden, sodass die Spielzeit automatisch gestoppt wird und parallel bereits das Signal ertönt. So kommt es zu keiner Verzögerung durch den Zeitnehmer.

In den Durchführungsbestimmungen sind die Folgen für eine unerlaubte Betätigung des Buzzers klar formuliert: Wenn der Buzzer während des Ballbesitzes der anderen Mannschaft betätigt wird, wird derjenige, der den Knopf gedrückt hat, progressiv bestraft – oder erhält sogar direkt eine Rote Karte, wenn die Aktion absichtlich erfolgte.

Das Spiel wird zudem mit einem Siebenmeterwurf für das Team in Ballbesitz fortgesetzt. Die Mannschaft, die sich den Fehler erlaubt hat, verliert zudem eine Auszeit – sprich: Die Anzahl der noch möglichen Team-Time-Outs wird um eins reduziert.

Abgerundet wird die Technik während der Partie durch die Torlinientechnologie sowie das Lichtsignal an den Toren. Die dort installierten LED-Lampen leuchten parallel zum akustischen Signal auf, sobald die Zeit gestoppt wird. Neben dem optischen Hinweis für Spieler und Zuschauer stellt das Lichtsignal eine Hilfe für die Unparteiischen dar, „um zu entscheiden, ob ein Wurf in der letzten Sekunde die Linie überschritten hat oder nicht“.