Alles dreht sich um 1450

Vorarlberg / 31.01.2020 • 19:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Gesundheitshotline laufen die Telefone heiß. Die Beratungen durch Fachleute sind immer mehr gefragt. vn
Bei der Gesundheitshotline laufen die Telefone heiß. Die Beratungen durch Fachleute sind immer mehr gefragt. vn

Ärztebereitschaftsdienst nun rund um die Uhr.

Bregenz Ihre Bewährungsprobe scheint die neu organisierte ärztliche Nachtbereitschaft bestanden zu haben. Mitte Jänner klagten in einem Vorarlberger Ferienheim mehr als 30 Personen gleichzeitig über Unpässlichkeiten. Nach Rückfrage bei der Gesundheitshotline 1450 wurde der diensthabende Allgemeinmediziner informiert, der sofort ins Ferienheim fuhr und die Patienten mit Unterstützung des Roten Kreuzes per Infusionen und Medikamenten behandelte. „Noch vor einem Monat wäre eine solche Versorgung vor Ort nicht möglich gewesen. Damals hätten alle erkrankten Personen in die umliegenden Spitäler gebracht werden müssen“, erläuterte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher anhand dieses Beispiels die Vorteile des seit Jahresbeginn geltenden Systems. Es macht auch deutlich, dass die damit angestrebte Ambulanzentlastung möglich ist. Rund 1,3 Millionen Euro jährlich investieren Land und ÖGK in das Angebot.

Zukunftsweisend

Die Zahl der Mitwirkenden, die gestern, Freitag, zur Präsentation des landesweit ausgerollten kurativen Bereitschaftsdienstes der Allgemeinmediziner kamen, war beachtlich. Gemeindeverband, Rotes Kreuz, Ärztekammer und ÖGK-Landesstelle: Alle hatten sie ihre Vertreter geschickt. Martina Rüscher sprach von einer wichtigen Verbesserung der medizinischen Versorgung im Land, da Allgemeinmediziner nun auch nachts für dringende Behandlungen zu erreichen seien. Das gab es vorher zwar auch, doch die Aufrechterhaltung wurde zusehends schwieriger. Aufgrund der zeitlichen Belastung waren immer weniger Ärzte bereit, insbesondere Nachtdienste zu leisten.

Nun liegt ein Projekt vor, das Markus Baldessari, Sprecher der Allgemeinmediziner in der Ärztekammer, als zukunftsweisend bezeichnete. Drehscheibe ist die Gesundheitsberatung 1450. Dort werden die Anrufer quasi sortiert. Bei einem akuten gesundheitlichen Problem stellen die Mitarbeiter den Kontakt zum diensthabenden Arzt her. Der entscheidet dann, ob sich die Sache telefonisch lösen lässt oder ein Ordinations- bzw. Hausbesuch erforderlich ist. Bislang gab es 176 kurative Einsätze, von denen laut Rüscher 46 Prozent per Telefon erledigt werden konnten. In 57 Fällen wurden die Patienten in die Ordination bestellt, bei 29 kam es zum Hausbesuch.

Kein Ersatz für Hausarzt

Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi stellte aber klar, dass der Bereitschaftsdienst nicht den Hausarzt ersetze. Die Teilnahme der Ärzte ist freiwillig. Sie können sich online für Dienste registrieren. Derzeit nehmen etwa 40 Ärztinnen und Ärzte in drei Sprengeln teil. „Ziel muss es aber sein, noch mehr Ärzte zu bekommen“, bewarb Martina Rüscher den Zuverdienst. Als Wartegeld erhalten die Ärzte 200 Euro wochentags und 220 Euro an Wochenenden. Dazu kommen 100 Euro pro Ordination oder Hausbesuch und 20 Euro für einen telefonischen Einsatz. Mehr, nämlich mehr Personal, braucht indes die Gesundheitshotline 1450. Bis zu 100 Beratungen fallen dort während 24 Stunden an. Fünf bis zwölf Mal wird der kurative Bereitschaftsdienst mobilisiert. Derzeit verfügt die RFL bei der Gesundheitsberatung über zehn Vollzeitäquivalente, mindestens zwei bis drei würden noch gebraucht. Händeringend gesucht werden diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen. VN-MM