Bis zur Österreich-Rede von Grillparzer

Kultur / 31.01.2020 • 18:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Heimatstern“Hg. Ulrich Gabriel,Wolfgang MörthLiteratur Vorarlberg214 Seiten, 10 Bilder 

„Heimatstern“

Hg. Ulrich Gabriel,

Wolfgang Mörth

Literatur Vorarlberg

214 Seiten, 10 Bilder

 

Neue Anthologie der Vereinigung Literatur Vorarlberg.

Anthologie Der verkappte Fluch „Heimatstern“ sei ein Begriff, der sich etymologisch wohl am ehesten im Raum Hatlerdorf verorten ließe, erklärte der Autor und Herausgeber Wolfgang Mörth anlässlich der Präsentation der neuesten Publikation von Literatur Vorarlberg. Der Titel dieser Anthologie erschien dem Multitalent und Mitherausgeber Ulrich Gabriel als eine geeignete Metapher, um dem Thema Heimat ein paar neue Facetten abzugewinnen. Die Wortkombination Heimat und Stern eröffne dabei eine thematische Vielfalt des ohnehin in alle Richtungen ausgepressten Heimatbegriffs. Die Idee zu diesem „Lesebuch der besonderen Art“ stammt ebenfalls von Ulrich Gabriel. Die Ausgabe umfasst klassische und zeitgenössische sowie lyrische und erzählende Texte. „,Heimatstern‘ ist ein Konglomerat aus vergangenen und neuen Heimataufnahmen“, betonte Ulrich Gabriel. Nach einem Gedicht von Gabriel, das zugleich auch das Vorwort des Buches bildet, war bei der Präsentation ein Werk von Martina Mittelberger zu hören. Der Titel ihres Beitrags „Himmelssternzeiten“ bilde ein Pendant zum Titel der Anthologie. „Es ist kein einfacher Text, er ist ein Plädoyer zum genauen Hinhören. Auch ein gut getarnter Fluch bleibt wirkmächtig und ist für den Betroffenen mitunter fatal“, betonte die Bludenzer Autorin und Vermessungstechnikerin. Atmosphärisch dicht erzählt sie die Geschichte eines doppelten Missbrauchs an einem Jungen. Jedes Wort sitzt, auf sieben Seiten werden Szenen vermittelt, die einprägsam sind, berühren und sich doch weitab jeder Betroffenheitsliteratur befinden.

Wissbegierig im hohen Alter

Hubert Grabher, geboren 1922 in Dornbirn, war forsttechnischer Amtssachverständiger. Er schreibt seit 1990 Kurzgeschichten. Eine davon, nämlich „Der Soldat 5619“, ist ein Auszug aus seiner Biografie. 5619 ist die Nummer der Erkennungsmarke, diese habe der Soldat neben seinem Entlassungsschein und seinem ramponierten Soldbuch in die Schublade seines Nachtkästchens gelegt, in der Meinung, damit auch seine Kriegszeit entsorgt zu haben und endlich vergessen zu können. Dies war aber nicht so, wie er in vielfacher Hinsicht erfuhr. Mit Eva Ludwig, Jahrgang 1920, war ebenfalls eine Autorin zu hören, die aus ihrem spannenden Leben erzählte. Ihr Text ist kein Rückblick in Bitterkeit, obwohl die Lebensumstände, geprägt durch Kriegs- und Fluchtzeiten, nicht immer einfach waren. 92-jährig begann sie ihre erlebten Geschichten in einen alten PC zu tippen. So entstand auch ihr Buch „Tauchgänge“. Christian Futscher präsentierte vier Kapitel seines Buchs „Die Schluchtensusel auf der Heimatwiese“, welche überaus ironisch gestaltet sind. Das Buch besteht aus neun Abschnitten, unterteilt sind sie jeweils mit einer Fotoarbeit von Gerhard Klocker, in der er die Rede auf Österreich aus Grillparzers Drama „König Ottokars Glück und Ende“ interpretiert. BI