Die Kanisfluh hat sich ins Bild geschlichen

Kultur / 31.01.2020 • 18:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bödele-Plakat von Heinrich C. Berann um 1936.Vorarlberger Privatsammlung
Bödele-Plakat von Heinrich C. Berann um 1936.Vorarlberger Privatsammlung

Ein Wannenbad musste im Alpenhotel Bödele extra bezahlt werden, aber das Werbeplakat war phänomenal.

Dornbirn, Schwarzenberg Als Höhenluftkurort und internationaler Wintersportplatz wurde des Bödele in den 1930er-Jahren angepriesen. Eine Nacht im Doppelzimmer mit fließendem Kalt- und Warmwasser kostete je nach Saison zwischen 9 und 12 Schilling, die Mahlzeiten waren immer gleich teuer. Etwa 4 Schilling musste man zu Mittag und am Abend hinblättern, das Frühstück gab es schon für etwas mehr als die Hälfte. Interessantes Detail in einem Hotelprospekt aus dieser Zeit ist der Vermerk, dass das Essen „an kleinen Tischen“ serviert wird. Dabei zeigt ein Bild aus dem Speisesaal eine durchaus normale Möblierung. Als Vergleich dazu sei erwähnt, dass ein Wannenbad 3 Schilling kostete.

Unerschrockene hüpften auch einfach in den See. Dazu zeigt die Ausstellung „Wem gehört das Bödele?“, die in der kommenden Woche in Dornbirn (Stadtmuseum) und Schwarzenberg (Angelika Kauffmann Museum) eröffnet wird, auch die damals aktuelle Bademode. Gerade diesen See rückt Heinrich C. Berann auf seinem Plakat, das um 1936 entstand, wirkungsvoll als spiegelnde Fläche ins Bild. Der Blick auf die Kanisfluh, der so vom Bödele aus wohl kaum möglich ist, sollte etwaige Bergfexe anlocken und damit man erfährt, dass es in diesem Luftkurort alle Annehmlichkeiten gibt, die der betuchte Sommerfrischler oder Wintersportler schätzt, kommt eine Nobelkarosse an. Neben den eher trutschigen Prospekten und Werbematerialien, die damals in Vorarlberg im Umlauf waren, handelt es sich bei dem Plakat, wie der Kunsthistoriker Tobias G. Natter im Gespräch mit den VN betont, um ein künstlerisch raffiniert gestaltetes Dokument, das zu einer Vorarlberger Privatsammlung gehört. Die klare Farbwahl lässt die frische Bergluft spüren und den Luxus erahnen. VN-cd

Bild vom großen Speisesaal im bald darauf abgebrannten Alpenhotel Bödele in einem Werbeprospekt für die Sommersaison 1935. Eine Mahlzeit kostete etwa 4 Schilling.
Bild vom großen Speisesaal im bald darauf abgebrannten Alpenhotel Bödele in einem Werbeprospekt für die Sommersaison 1935. Eine Mahlzeit kostete etwa 4 Schilling.