Milch und Honig

Politik / 31.01.2020 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wieso sind die Ländle-Bürgermeister plötzlich so umtriebig? Richtig, untrügliches Zeichen für die nahenden Gemeindewahlen am 15. März! In vielen der 96 Kommunen wird voraussichtlich alles beim Alten bleiben – doch dort, wo die Herausforderer Morgenluft wittern, wird zurzeit das Blaue vom Himmel versprochen.

Bregenz

In Bregenz hat erst am Freitag der ewige Bürgermeister-Herausforderer Michael Ritsch (51, SPÖ) eine Untertunnelung der Seestadt präsentiert. Ein Wunschbild, das wohl mancher Bregenzer im Hinterkopf mit sich herumträgt. Schon seit der Vorstellung der schlussendlich nicht umgesetzten Pläne rund um die Seestadt war beim Masterplan die größte Enttäuschung, dass die Autos auch bei den neuen Plänen den Menschen in der Stadt nach wie vor gleich viel Platz wegnehmen.

Kurz vor der Wahl zu versprechen, dass mit Ritsch als Bürgermeister die Untertunnelung in zehn Jahren umgesetzt wäre, ist auch nicht seriös: außer dem Wunsch gibt es nicht viel – nicht einmal eine Kostenschätzung.

Bludenz

In Bludenz muss die ÖVP einen ganz jungen Nachfolger positionieren, nachdem Mandi Katzenmayer (68) seit 2005 regierte. Nachfolger Simon Tschann (26), ist bislang vor allem durch den illegal gebauten Weinberg aufgefallen. Nun versprach er vollmundig einen Gratisstadtbus in der Alpenstadt, schönes Pressebild des lachenden Kandidaten im Bus (samt Bludenzerin mit Kind!) inklusive. Finanzierung? Fraglich! Bludenz wird einer der heißesten Wahl-Schauplätze sein: Schon 2015 hätte die SPÖ mit Stadtpolizist Mario Leiter (54) den Chefsessel haben können, doch Leiter schien kurz vor der Wahl der Mut verlassen zu haben. Nun tritt er erneut an und Bludenz ist seit langem im Dauerwahlkampf. Es kann schon längst kein Comic-Laden, keine Boutique mehr aufsperren, ohne dass der bisherige Bürgermeister und sein roter Herausforderer vorbeikommen, die Ansiedelung jeweils für sich zu reklamieren und den Besuch natürlich medial ausschlachten.

Hard

In Hard wird noch nichts versprochen. Neo-Bürgi Evi Mair (62) ist nach dem Blitz-Aus von Harald Köhlmeier (47) um Stabilität bemüht. Der Abgang hatte viele überrascht, auch der Landeshauptmann wurde nur eine Stunde vorab informiert. Dementsprechend unvorbereitet war seine Nachfolge, vier Monate vor einer Wahl kein geschmeidiger Übergang. Nach dem gescheiterten Durchstich gibt es mit der nötigen Neugestaltung des Strandbads samt Gastronomie einiges zu tun. Mit SPÖ-Landeschef Martin Staudinger steigt auch ein bekannter Herausforderer in den Ring.

Hohenems

Übrigens zeigt ein Blick ins historisch politisch zerstrittene Hohenems, dass auf Gemeindeebene die Person zählt und nicht die Partei. FPÖ-Bürgermeister Dieter Egger (51) hat die Stadt aus den Negativ-Schlagzeilen herausgeführt, die ÖVP immer noch keine Antwort auf Egger. Dass Arnulf Häfele (73) nun wieder seine Boxhandschuhe auspacken will, lässt aber auch hier Spannung (und neue Spannungen) aufkommen.

Gerold Riedmann

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Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.