„Wir wollen technologisch vorangehen“

Markt / 31.01.2020 • 19:04 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Das Betätigungsfeld von Collini ist breit gefächert.

Das Betätigungsfeld von Collini ist breit gefächert.

CEO Peter Puschkarski sieht für Collini noch viel Potenzial und schätzt den Status Familienunternehmen.

Hohenems Peter Puschkarski ist Vorsitzender der Collini-Geschäftsleitung. Im VN-Interview spricht er über den technologischen Vorsprung und die Klimadiskussion.

 

Wie ist es, als „Außenstehender“ in einen Familienbetrieb zu kommen?

Puschkarski Zunächst ist man jemand, der niemanden kennt. Man versucht sich einen Überblick zu verschaffen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie die Abläufe und die Kultur funktionieren. So lernt man schrittweise die Personen, das Geschäft und die Standorte kennen und wächst hinein.

 

Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Puschkarski Beruflich habe ich mich immer mit Technik beschäftigt. Auch Oberflächentechnik war mir aus meinem früheren Berufsleben nicht unbekannt. Collini war deshalb für mich interessant, weil es ein Familienunternehmen mit einem dynamischen Eigentümer ist, der greifbar ist, und die Firma sehr viel Potenzial hat.

 

Wie setzen Sie Ihre Strategie für die kommenden Jahre an?

Puschkarski Collini hat sich immer schon sehr weitblickend mit Dingen auseinandergesetzt und sich mit Strategien sowie Veränderungen von Umwelt und Umfeld beschäftigt. Im Zuge des Generationenwechsels haben wir nun die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt und die Strategie weiterentwickelt. Zudem wurde das Projektmanagement neu aufgesetzt, sodass Großprojekte strukturiert verfolgt werden können. Unser Leitbild heißt miteinander, klar und konsequent.

 

Collini ist mit 14 Werken auf drei Kontinenten vertreten. Wie werden Strukturen implementiert?

Puschkarski Es ist wichtig, dass Bereiche wie Anlagentechnik oder Energie überall standardisiert verfolgt werden. Ich versuche zudem, an die Schlüsselpositionen gute Leute zu setzen, die charakterlich und fachlich gut geeignet sind. Dort, wo das gelungen ist, haben wir Erfolge. Wenn es um ein spezifisches Thema wie Produktivität oder Logistik geht, haben wir Experten, die wir entsenden können.

Welche globalen Entwicklungen bekommt Collini zu spüren?

Puschkarski Mit England haben wir wenig Geschäft. Daher betrifft uns der Brexit kaum. Aber wenn Menschen Sorgen vor der Zukunft haben, könnten sie zurückhaltender in ihren Investitions- und Kaufentscheidungen werden. Der Handelsstreit betrifft uns auch nicht unmittelbar. Denn die Veredelung der Produkte erfolgt regional. Unsere Firma in Mexiko beliefert Kunden in Mexiko, unsere Hohenemser Firma in der DACH-Region und unsere Wiener Firma in Osteuropa. Grund sind die Transportkosten.

 

Wie hoch ist der Anteil der Produktion für die verschiedenen Branchen?

Puschkarski Der größte ist der Möbelbereich mit Beschlägen, danach folgen der Automobilsektor, die Elektronik mit Steckersystemen und Bauelementen sowie der Bereich Bau mit der Feuerverzinkung und dem Eloxalwerk. Bei der Elektronik sehen wir das größte Wachstum. Wir glauben, dass wir den Umsatzanteil in den nächsten sechs Jahren verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen können. Das liegt an der Digitalisierung, der Automatisierung und der Elektromobilität. Wobei die E-Mobilität nicht alles verdrängen wird. Ich glaube nicht, dass der Diesel mittelfristig stirbt.

 

Wie erarbeitet sich Collini einen Vorsprung gegenüber dem Mitbewerb?

Puschkarski Wir versuchen, technologisch immer voranzugehen, um entsprechende Funktionalitäten und Eigenschaften zu erreichen. Zudem ist die Eintrittsbarriere in unser Geschäft sehr hoch. Wir haben eine sehr hohe Kapitalintensität und wenn jemand von Grund auf beginnen würde, ist es zudem schwer, überhaupt die Genehmigungen zu bekommen, weil eine Chemiefabrik besonderen Auflagen unterliegt. Und letztlich steckt unser Know-how in den Köpfen unserer Mitarbeiter und darin, wie wir unsere Anlagen betreiben.

 

Ihre Branche ist auch aus Umweltgründen ein anspruchsvolles Betätigungsfeld.

Puschkarski Umwelt hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Wir unterliegen höchsten Auflagen und die Behörden verfolgen uns auf Schritt und Tritt. Hier versuchen wir, immer einen Schritt voraus zu sein und mehr zu tun, als wir müssten. Ein Beispiel ist unsere Abwasserreinigungsanlage, die sicherlich die modernste ihrer Art ist. Aber ich glaube, es ist nicht allen Menschen bewusst, wie viel wir da tun.

 

Spüren Sie in der derzeitigen Klimadiskussion eine erhöhte Sensibilität seitens Ihrer Kunden?

Puschkarski Die meisten schauen vor allem auf den Preis. Nur im Automobilbereich und in der Luftfahrt werden nun Standards und Zertifikate verlangt. Mein Ziel ist, dass wir den Kunden sagen, wir kosten zwar mehr als der Wettbewerb, aber dafür schonen wir Ressourcen, übererfüllen die Auflagen und behandeln die Mitarbeiter gut.

Wie nutzt Collini die Möglichkeiten der Digitalisierung?

Puschkarski Unsere Anlagen haben einen hohen Automatisierungsgrad. Wir setzen auf moderne Anlagensteuerungen und setzen Sensorik, Kameras und Aktuatoren ein. Vor zwei Jahren haben wir ein Start-up übernommen, das ein Bauteil entwickelt hat, das digital die aufgetragene Schichtdicke messen kann. Mit Kunden haben wir einen elektronischen Datenaustausch. So können wir die Einsätze der Anlagen optimal planen.

 

Wie ist der aktuelle Stand zum geplanten Neubau am Standort Hohenems?

Puschkarski In Kombination von wirtschaftlichem Ausblick und Bedarf an Erneuerung sehen wir die Notwendigkeit, hier etwas zu tun. Unser Plan wäre, heuer mit der Planung zu beginnen und Anfang 2021 mit dem Spatenstich. Die Entscheidung ist aber letztlich noch abhängig von den Gremien im Haus.

„Auch in den Grundwerten von Collini ist das Thema Umweltschutz manifestiert.“

Peter Puschkarski ist seit 2016 bei Collini. Er schätzt die Tatsache, dass Collini ein Familienunternehmen ist. Zuvor war er unter anderem in börsennotierten Firmen tätig. VN/Steurer
Peter Puschkarski ist seit 2016 bei Collini. Er schätzt die Tatsache, dass Collini ein Familienunternehmen ist. Zuvor war er unter anderem in börsennotierten Firmen tätig. VN/Steurer

Kennzahlen

Gegründet 1898

Branche Metall/Oberflächenveredelung

Eigentümer Familien Collini und Drexel

Geschäftsführung Collini Holding Peter Puschkarski

Umsatz 2019 230 Millionen Euro

Mitarbeiter ca. 1600 weltweit

Produktionsstandorte 14 in 7 Ländern

Privat

Geboren 20. März 1972

Ausbildung Studium TU Wien – Wirtschaftsingenieur Maschinenbau, PG-Studium in den USA

Laufbahn Volkswagen (Diplomarbeit), Automotive-Zulieferer Miba an verschiedenen Standorten und verschiedenen Positionen, KTM Kühler, voestalpine, ebenfalls in verschiedenen Positionen, Collini

Familie ein Sohn

 

„Ich bin sehr kulturinteressiert, ich gehe gerne ins Theater, in die Oper und zu Konzerten z. B. hier im Hohen­ems, auch die Bregenzer Festspiele gefallen mir sehr gut“, offenbart Peter Puschkarski seine Leidenschaft, die ihm nach harten Arbeitstagen besondere Freude bereitet. Er ist aber auch sehr sportlich, zieht im Winter seine Schwünge durch den Tiefschnee. Früher musste er anreisen, um dem Skisport zu frönen, die Nähe zu den Bergen genießt der Wiener deshalb sehr. Im Sommer sieht man ihn auf dem Fahrrad oder auf dem Segelboot, „und ich bin gerne mit Menschen zusammen“, so der Manager, der einen großen Freundeskreis hat und pflegt.