Coronavirus: Erhöhte Wachsamkeit bei niedergelassenen Ärzten

VN / 03.02.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Richtlinien helfen beim Umgang mit einem Verdachtsfall.

Bregenz Die Welt im Würgegriff des Coronavirus: Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste, die Zahl der Infektionen steigt, ebenso jene der Todesfälle. Auch in Vorarlberg ist das Coronavirus bei Gesundheitsbehörden und Ärzten zum Thema geworden. Richtlinien sollen beim Umgang mit einem Verdachtsfall helfen. Thomas Jungblut, Allgemeinmediziner in Bregenz, hatte bereits Bedarf daran. Der Fall, der letztlich keiner war, wurde in seiner Ordination der ausgegebenen Definition entsprechend abgewickelt. „Es ist wichtig, die Problematik nicht zu gering einzuschätzen, sie soll aber auch nicht überschätzt werden“, sagt Jungblut. Hellhörig und wachsam sein, lautet seine Devise.

Mit Masken geschützt

Thomas Jungblut spricht von einer guten Organisation vonseiten der Gesundheitsbehörden. Auf der Webseite der Vorarlberger Ärztekammer kann er die laufend aktualisierten Empfehlungen abrufen, im Zweifelsfall auch Rücksprache mit Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher halten.  Das tat er, als er unlängst von einem jungen chinesischen Staatsbürger kontaktiert wurde. „Er hatte Besuch von seinen Eltern aus der Mongolei bekommen“, erzählt Jungblut. Ihr Wohnort liegt rund 150 Kilometer nördlich von Peking. „Der Vater war bereits an einem Infekt erkrankt, dann traf es auch die Mutter“, berichtet der Allgemeinmediziner. Der Sohn meldete sich telefonisch in der Ordination und beschrieb die Situation. Thomas Jungblut bestellte die Patienten ein. Sie wurden bereits an der Tür zur Praxis abgefangen und in einen separaten Raum geführt, wo sie bis zur Klärung der Umstände blieben. „Wir selbst haben uns mit Gesichtsmasken geschützt“, beschreibt er die Vorgehensweise.

Jungblut hielt zudem Rücksprache mit dem Landessanitätsdirektor, der jedoch Entwarnung geben konnte. Die Kriterien einer Coronavirus-Infektion trafen auf das mongolische Ehepaar nicht zu. Die inzwischen auch in ihrer Heimat aufgetretenen Fälle ereigneten sich erst später, vor allem kamen die betroffenen Personen direkt aus Wuhan, der am meisten geplagten Stadt in der Provinz Hubei. Sicherheitshalber ließ Jungblut die Ordination nach Abschluss der Abklärung aber noch gründlich desinfizieren.

Viele Asien-Heimkehrer

Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher bestätigt, dass es immer wieder Rückfragen von Ärzten gibt, entweder persönlich oder über die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL), was sie als Verdachtsfälle gelten lassen sollen. Ein Grund ist, dass derzeit viele Reisende aus asiatischen Ländern zurückkehren. „Allein in Wien-Schwechat kommen wöchentlich etwa 3000 Personen an, zehn Prozent von ihnen laborieren an einem Infekt“, verdeutlicht Grabher die Dimension. Um das Ausmaß einzugrenzen, gilt vorderhand weiterhin, dass nur Personen, die direkt aus der Krisenregion kommen oder Kontakt mit einem bestätigten Coronavirus-Fall hatten und nun selbst Symptome wie Husten, Fieber und Kurzatmigkeit aufweisen, als Verdachtsfälle einzustufen und zu behandeln sind.  

Als entspannt bezeichnet der niedergelassene Internist Burkhard Walla die Situation in seiner Praxis. Die Infos zum Verfahren bei einem möglichen Anlassfall seien bekannt. Bei seinen Patienten scheint das Coronavirus kein Thema zu sein. Walla: „Bislang hat mich nur einer gefragt, ob er mir noch die Hand schütteln darf.“