Wissenschaftler lassen kein gutes Haar an FPÖ-Historikerbericht

Politik / 03.02.2020 • 22:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Rathkolb, Reiter und Baumgartner zerpflückten den Bericht. APA
Rathkolb, Reiter und Baumgartner zerpflückten den Bericht. APA

wien Der von der FPÖ vorgelegte Bericht zu ihrer Parteigeschichte ist aus Sicht führender Historiker ein Dokument ohne großen Wert. „Es ist kein wissenschaftlicher Bericht, sondern ein Sammelsurium von Einzelmeinungen“, sagte der Historiker Oliver Rathkolb von der Universität Wien am Montag. Es sei ein Bericht mit vielen Leerstellen, kritisierte die Historikerin der Uni Salzburg, Margit Reiter. „Bemerkenswert ist auch, dass in dieser Parteigeschichte die jüngere FPÖ-Geschichte so gut wie überhaupt nicht vorkommt.“ So werde die Nähe einstiger führender FPÖ-Politiker wie Jörg Haider und Heinz-Christian Strache zum Neonazismus kaum beleuchtet. Von „ziemlich oberflächlicher Arbeit“ sprach auch Gerhard Baumgartner vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW).

In dem FPÖ-Bericht von 15 Autoren sollten Antisemitismus-Vorwürfe und die Beziehungen der FPÖ zum rechtsextremen Lager aufgearbeitet werden. Anlass des FPÖ-Berichts vom Dezember 2019 war die Liederbuch-Affäre von Anfang 2018. Damals war in der Burschenschaft Germania ein Liederbuch entdeckt worden, das den Holocaust verharmloste. Führendes Mitglied der Burschenschaft war der nunmehrige niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer.

Die FPÖ nimmt die Kritik gelassen. „Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann“, sagte Klubchef Herbert Kickl bei einer Pressekonferenz. Teilweise sei schon vor Fertigstellung des Berichts Kritik geübt worden.