Schullandesrätin Schöbi-Fink versteht Unmut der Notenverweigererinnen

VN / 06.02.2020 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schullandesrätin Barbara Schöbi- Fink möchte sich in Wien dafür einsetzen, dass Vorarlberger Anliegen stärker Berücksichtigung finden. VN/STIPLOVSEK

Trotzdem verlangt die Vorarlberger Ressortchefin die Einhaltung der Gesetze und plant einen Besuch bei Minister Heinz Faßmann.

Bregenz Barbara Schöbi-Fink wünscht sich einen Zustand wie vor dem umstrittenen Gesetz. Sie sei in der Causa Notenkonflikt in ständigem Kontakt mit der VS Lustenau-Kirchdorf und mit der Bildungsdirektion. Beim Minister will sie für einen Vorarlberger Weg kämpfen.

Wie stehen Sie zu den Aktionen von VolksschullehrerInnen gegen die verpflichtende Ziffernnote?

Viele unserer Volksschulen haben sich in einem jahrelangen und intensiven Prozess mit der verbalen Beurteilung beschäftigt. Knapp drei Viertel der Volksschulen haben sie angewendet. Ich verstehe den Unmut vieler Pädagoginnen und Pädagogen, die sich seit vielen Jahren sehr kompetent und seriös damit auseinandergesetzt haben und die alternative Beurteilung bis in die dritte Klasse zu praktizieren pflegten.

Wurden Sie bisher persönlich in dieser Sache kontaktiert?

Ich wurde bei Schulbesuchen und Sprechstunden auf die Thematik angesprochen. Außerdem wurde ich vom Verein „Gemeinsam Zukunft lehren“ über die Petition in Kenntnis gesetzt. Ich bin zudem in engem Kontakt mit dem Schulleiter der Volksschule Lustenau-Kirchdorf sowie mit der Bildungsdirektion.

Was sollen die Pädagogen in dieser Situation tun?

Ich bitte die Pädagogen, den Weg des Dialogs mit der Bildungsdirektion nicht zu verlassen und einen gesetzeskonformen Weg in der Beurteilung zu finden. Um eine Gesamtsicht in Vorarlberg zu erhalten, plane ich einen Erfahrungsaustausch mit interessierten Direktorinnen und Direktoren sowie der Bildungsdirektion.

Die Neos fordern ungeachtet der gesetzlichen Lage eine bedingungslose Unterstützung des Landes für die rebellierenden VS-Lehrerinnen. Wie kommentieren Sie das?

Wenn das so stimmt, dann sei es mir erlaubt, anzumerken, dass ich mich schon wundere, wenn eine demokratisch gewählte Partei die Landesregierung dazu auffordert, eine ungesetzliche Vorgangsweise vorbehaltlos zu unterstützen. Stellen wir uns vor, es ginge um ein anderes Thema. Ich muss mich doch als Bürgerin und Bürger darauf verlassen, dass demokratisch entstandene Gesetze für jede und jeden gelten.

Was wird passieren, wenn die LehrerInnen der VS Lustenau nicht nachgeben und der Einheitszweier tasächlich im Zeugnis steht?

Die Bildungsdirektion für Vorarlberg wird bei einem Verstoß gegen das derzeit geltende Gesetz rechtliche Schritte gegen den Schulleiter einleiten müssen. Wie diese konkret ausschauen, das kann die Bildungsdirektion beantworten. Wir gehen jedoch davon aus, dass es eine gesetzeskonforme Benotung geben wird, da es schon mehrere Gespräche mit dem Direktor, den Lehrpersonen und den Eltern gegeben hat.

In welchen Bereichen würden Sie sich Entscheidungsfreiheit für das Land und den Schulstandort wünschen?

Ich würde es begrüßen, wenn die Art der Beurteilung – so wie in den vergangenen Jahren, bis zum Halbjahreszeugnis der dritten Klasse – wieder in die Autonomie der Schule kommt.

Werden Sie in der Sache Ziffernnotenzwang einmal im Ministerium vorstellig?

Zu diesem Thema war ich schon mehrmals im Bildungsministerium. Ich werde demnächst in einem Arbeitsgespräch mit Minister Faßmann die Situation in Vorarlberg diskutieren. Es wäre wünschenswert, wenn den Schulen bei der Beurteilung die Autonomie bis zum Halbjahreszeugnis in der dritten Klasse wieder zurückgegeben werden könnte. Dann wären wir wieder beim Vorarlberger Weg, der bis vor einem Jahr von vielen Schulen beschritten wurde.