Anreiz

Gesund / 07.02.2020 • 10:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Herr am Telefon klang verschnupft, und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen, weil er tatsächlich krank war, zum anderen, weil er in der mit hustenden und schniefenden Patienten überfüllten Ordination seines Hausarztes mehr als eine Stunde auf ein Rezept warten musste und sich dabei, wie er sagte, die Grippeviren eingefangen hat. „Warum“, fragte er entrüstet, „kann es während der Grippesaison nicht eine Anlaufstelle für diese Personen geben, um die Ansteckungsgefahr für andere Arztbesucher zu mindern?“

Kurz danach führte ich ein Gespräch mit einem Allgemeinmediziner, allerdings in anderer Sache, nützte jedoch die Gelegenheit, ihn nach seiner Einschätzung zu diesem Vorschlag zu fragen. „Eine gute Idee“, konstatierte er ohne Zögern, aber: richtig, das ließ nicht lange auf sich warten. Es gebe zu wenige Ärzte, um eine solche Zusatzstruktur besetzen zu können. Ganz abwegig scheint der Gedanke an eine, ich nenne sie einmal salopp „Grippepraxis“, also auch bei den Medizinern nicht zu sein, wenn nur das Personalproblem nicht wäre.

Um Anreize zu schaffen steht die massive Forderung nach einer eigenen Fachausbildung für Allgemein- und Familienmedizin und damit verbunden einem Facharztstatus im Raum. In anderen EU-Ländern ist das längst selbstverständlich. „In Österreich konzentriert sich die Ausbildung oft auf unzusammenhängendes Spezialwissen, das in der primären Basismedizin nicht angewendet werden kann“, formulierte es ein Praktiker einmal drastisch. Vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen an die Allgemeinmedizin stetig steigen, nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung, wäre es also höchst an der Zeit, dass die gesundheitspolitisch Verantwortlichen in dieser Sache endlich Nägel mit Köpfen machen. Dann wird es vielleicht irgendwann auch etwas mit den „Grippepraxen“.

Marlies Mohr

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