Der Einfluss von Mikroorganismen

Gesund / 07.02.2020 • 10:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Primar Felix Offner leitet die Pathologie.

Primar Felix Offner leitet die Pathologie.

Die Mikrobiomforschung erlebt einen enormen Aufschwung.

Feldkirch Das humane Mikrobiom ist noch längst nicht vollständig erforscht, allerdings wird immer deutlicher, in welcher komplexen Form der Mensch von Mikroorganismen beeinflusst wird. OÄ Gabriele Hartmann vom Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge sowie Primar Felix Offner, Institut für Pathologie, luden kürzlich zu einem Minisymposium rund um das Thema humanes Mikrobiom ein. Referenten gaben Einblicke in den aktuellen Forschungsstand und zeigten auf, welche Bedeutung die neuen Erkenntnisse in der medizinischen Praxis haben.

Wichtige Aufgaben

Das Mikrobiom beschreibt die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Körper eines Menschen besiedeln. Aktuellen Schätzungen zufolge beheimatet ein gesunder Erwachsener etwa 38 Billionen Mikroorganismen – zum Beispiel auf der Haut oder den Schleimhäuten. Das wohl wichtigste mikrobielle Reservoir ist das Darmmikrobiom. Die unterschiedlichen Arten von Mikroorganismen erfüllen viele wichtige Aufgaben für den Menschen, sei es die Verdauung oder die Produktion des Glückshormons. Die Mikrobiomforschung hat in den vergangenen Jahren einige neue Erkenntnisse geliefert. Jedoch sind manche Fragen immer noch ungeklärt, beispielsweise, inwiefern das Mikrobiom des Darmes das Immunsystem trainiert oder sich auf Autoimmunerkrankungen und Allergien auswirkt, welche Rolle es für Volkskrankheiten wie Krebs oder Adipositas spielt und ob Krankheiten durch ein gesundes Mikrobiom verhindert werden können.

Erforschung des Mikrobioms

Die Mikrobiomforschung erlebt einen enormen Aufschwung. Grund dafür sind neue Methoden, die es ermöglichen, die DNA dieser Organismen rascher und effizienter zu analysieren. Im Fokus der Mikrobiomforschung steht die Bakterienvielfalt des Darmes. „Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Mikroorganismen großen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen haben. Sie wirken sich auf das Immunsystem, den Stoffwechsel und teilweise auch auf das Verhalten aus“, schildert OA Richard Stockinger, Leiter des Labors für Infektionsserologie des LKH Feldkirch. Vor der Geburt ist der Darm steril, das heißt, er ist frei von Mikroorganismen. Die Darmflora entsteht direkt nach der Geburt. In den ersten vier Lebensjahren entfaltet sich die Keimflora vollständig und bleibt dann weitgehend unverändert.

Abhängig ist das Darmmikrobiom von der Art der Lebensumstände: Ob ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt oder auf natürliche Art geboren wird, welche Nahrungsmittel der Mensch zu sich nimmt, welche Länder er bereist – all das sind Faktoren, die sich auf die Darmflora auswirken und unter Umständen auch Krankheiten hervorrufen können. Bis heute gibt es allerdings noch keine genaue Definition des Begriffs „gesunde Darmflora“. Viel mehr ist sie vergleichbar mit einem Fingerabdruck, denn es besteht die Annahme, dass jeder Mensch eine andere Darmflora hat, die im besten Fall eine gewisse Diversität an Bakterienarten aufweist. Obwohl die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm von zwei Menschen nicht identisch ist, können beide gesund sein. Es zeichnet sich jedoch immer mehr ab, dass die Bakterienvielfalt zunehmend verarmt. Einerseits lässt sich das auf die Einnahme von Medikamenten zurückführen, andererseits auf eine einseitige Ernährung.

Auswirkungen von Antibiotika

Medikamente oder Erkrankungen können das Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Keimarten im Darm stören. Insbesondere Antibiotika verringern die Artenvielfalt des Mikrobioms. Sie wirken nicht nur gegen krankheitserregende Bakterien, sondern zerstören auch nützliche Bakterien. Das führt mitunter zu einer Dysbiose: Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht und verliert an Widerstandsfähigkeit. „Pathogene, sprich krankmachende Keime, können sich dadurch leichter ansiedeln und vermehren, da sie bessere Lebensbedingungen vorfinden. Entzündungen oder Durchfall sind oft die Folge. Meistens erholt sich die Darmflora wieder, allerdings können einzelne empfindliche Bakterienarten auch dauerhaft verschwinden“, erklärt OA Gabriele Hartmann. Der gesamte Umfang der Folgen einer Dysbiose ist aber noch nicht vollständig geklärt. Ebenso gibt es noch keine etablierte Therapie zur Behandlung einer Dysbiose.

Die Erforschung des Mikrobioms ist eine spannende Angelegenheit. khbg/nussbaumer
Die Erforschung des Mikrobioms ist eine spannende Angelegenheit. khbg/nussbaumer