„Keiner weiß Bescheid“

Markt / 07.02.2020 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer eine Ölheizung besitzt, darf noch etliche Jahre damit heizen. Doch der Tausch der oft alten Anlagen gegen moderne soll nächstes Jahr verwehrt werden. VN/MS
Wer eine Ölheizung besitzt, darf noch etliche Jahre damit heizen. Doch der Tausch der oft alten Anlagen gegen moderne soll nächstes Jahr verwehrt werden. VN/MS

Jüngste Maßnahmen lassen beim Vorarlberger Heizölhandel Alarmglocken schrillen.

Feldkirch, Schwarzach Die Österreicher sollen spätestens im Jahr 2035 aus dem Heizen mit Öl ausgestiegen sein. Zur Zeit sind republikweit noch rund 600.000 Ölheizungen in Betrieb, in Vorarlberg sind es, so der Obmann des Vorarlberger Energiehandels, Peter Aberer, rund 30.000 Haushalte, die mit Öl heizen.

Verwirrung bei den Kunden

Doch derzeit herrscht bei diesen 30.000 Kunden Verwirrung, teilweise sogar Angst vor Strafen oder gar sozialer Ächtung durch die Nachbarschaft, berichtet Aberer über die Erfahrungen der vergangenen Wochen. Schuld daran sei der im Regierungsprogramm festgeschriebene Ausstieg aus den fossilen Energien, also Öl und Gas, zum anderen aber „eine gezielte Hetzjagd“ gegen den Energieträger. „Bei uns rufen immer wieder Kunden an, die wissen wollen, was sie tun sollen.“ Diese Kunden könne man beraten, ihnen die Information geben, dass sie auch fürderhin Heizöl ordern können und das noch etliche Jahre.Derzeit sei die Bestellung von Heizöl sogar angeraten, denn so tief wie momentan waren die Preise für den fossilen Brennstoff, der über Jahrzehnte des Vorarlbergs beliebteste Heizquelle war, seit vielen Jahren nicht mehr. „Die teuren Jahre sind schon lange vorbei“, stellt Aberer fest.

Doch dass die Maßnahmen der Regierung das Sterben des Heizölhandels bedeutet, ist für Aberer und Fachgruppengeschäftsführer Michael Hollersbacher, unumstößlich. Betroffen sind davon in Vorarlberg rund zehn Händler mit 70 Mitarbeitern und eben viele viele Kunden, die meisten älter als 50 Jahre, mit Anlagen, die vor 25 bis 30 Jahren installiert wurden.

Tauschverbot erzürnt

In diesem Zusammenhang unverständlich ist für die beiden Branchenvertreter, dass ab 2021 die zu einem großen Teil veralteten Anlagen nicht mehr gegen neue, weit sauberer Heizanlagen, getauscht werden können. Man nehme damit bewusst einen höheren Schadstoffausstoß in Kauf, weil es in die Klimapolitik passt. Fakt sei jedenfalls, das „keiner Bescheid weiß“ und das nicht nur zum Schaden der Ölhändler, sondern zum Schaden der Umwelt.

Biogene Brennstoffe im Test

Der Heizölhandel sei nicht gegen eine wirksame Klimapolitik, stellt Hollersbacher klar, und jeder Liter eingespartes Heizöl sei wichtig, aber man sieht sich gegenüber anderen Brennstoffen diskriminiert. Pellets, Erdwärme und Holz seien nicht sakrosankt, wenn man die Feinstaub- und CO2-Werte zum vergleich nehme und doch werden diese Energieträger gefördert bzw. unterstützt, um den Energiewandel zu bewältigen.

In Österreich werde mit flüssigen biogenen Brennstoffen geforscht. Nach der erfolgreichen Langzeittestphase soll in einer Pilotanlage noch heuer die Produktion gestartet und optimiert werden. In drei bis vier Jahren könne man diesen Brennstoff dann flächendeckend anbieten, ist sich Aberer sicher. „Der große Vorteil dieses alternativen Brennstoffes ist, dass man ihn mit den vorhandenen Ölheizanlagen nutzen kann“, berichtet er. Das brächte hohe Emmsisionseinsparungen und man müsste nicht in völlig neue Heiztechnik investieren, werben die Vertreter der Brennstoffwirtschaft für ihre selbst initiierte Alternative. VN-sca

„Die Maßnahmen der Bundesregierung bedeuten das Aus für den Heizölhandel.“