„Es gab nie Misswirtschaft“

Vorarlberg / 10.02.2020 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hartwig Maier (l.) hat das Integra-Ruder übernommen, Stefan Koch wechselt in die Sozialarbeit. VN/PS
Hartwig Maier (l.) hat das Integra-Ruder übernommen, Stefan Koch wechselt in die Sozialarbeit. VN/PS

Gesamte Organisation bei der Arbeitsinitiative soll gestrafft werden.

Wolfurt Eine umstrittene Personalentscheidung und damit verbunden viele Gerüchte brachten die Arbeitsinitiative Integra 2019 in arge Turbulenzen. Inzwischen glätteten sich, auch dank einer von der Integra geforderten Prüfung durch den Landesrechnungshof, die Wogen. Die Ereignisse haben indes Spuren hinterlassen und Geschäftsführer Stefan Koch zum Ausscheiden bewogen. Er übernimmt eine neue Aufgabe im Bereich Soziales und Integration. Ihm folgt Hartwig Maier nach. Er ist ab 1. März alleiniger Integra-Geschäftsführer.

 

Herr Koch, wie würden Sie die mehr als 21 Jahre in der Integra zusammenfassen?

Koch Ich darf sagen, dass ich die Entwicklung dieser Organisation wesentlich mitgeprägt habe. Eine besondere Herausforderung war die Zusammenführung verschiedener Sozialunternehmen zur Integra Vorarlberg. Da geht es zwar weniger um Eigentümeranteile, aber um Vorstellungen, wie man den Sozialbereich sieht. Da kann es sein, dass man in gewissen Teilbereichen nicht so brilliert.

 

Sie sprechen die Turbulenzen des vergangenen Jahres an?

Koch Die Flüchtlingskrise und die „Aktion 20.000“, die für ältere Arbeitslose gestartet wurde, haben bei der Integra ein enormes Wachstum ausgelöst. Daneben saß uns noch die Fusion in den Knochen. Uns war jedoch wichtig, die Leute gut zu betreuen und gute Produkte auf den Markt zu bringen. Dabei haben die Verwaltungsstrukturen gelitten. Dazu kamen vom Bund verordnete drastische Sparmaßnahmen. Trotzdem gab es keine Kündigungen. Wir haben im System gespart und nicht bei den Menschen und deshalb eine kaufmännische Leitung vorübergehend auch nicht nachbesetzt.

 

Wie beurteilen Sie diese Entscheidung im Rückblick?

Koch Nachträglich betrachtet war es vielleicht nicht die klügste Idee, aber in einer Situation, in der es keine positiven Aussichten gab und eher noch Schlimmeres zu erwarten war, war es auch für das Management unglaublich schwer. Dieser Zusammenhang ging in der ganzen Diskussion unter. Stattdessen wurde die gesamte Arbeit der Integra in ein negatives Licht gerückt. Das tat schon weh. Dabei war der vom Landesrechnungshof festgestellte finanzielle Schaden mit 5000 Euro relativ gering. Es gab also keine Misswirtschaft, und die 31 Empfehlungen, die aufgrund der Prüfung ausgesprochen wurden, sind bereits zu 70 Prozent umgesetzt.

 

Im Grunde ist alles an einer einzigen Personalentscheidung eskaliert . . .

Koch Neid und Missgunst sind halt oft ein Treiber. Von den Anschuldigungen gegen diesen Mitarbeiter blieb letztlich nichts übrig.

 

Haben diese Vorkommnisse Sie zum Rücktritt bewogen?

Koch Ja, denn solche Anschüttungen treffen einen auch persönlich. Jetzt blicke ich aber in die Zukunft, das ist das Wichtigste, wenn man wieder aus einem Tal herauskommen will.

 

Wie sehr schmerzte der Vorwurf, kaufmännisch quasi daneben gestanden zu sein?

Koch Das sind wir nicht. Wir haben immer schwarze Zahlen geschrieben, und wir sind froh darüber, die Rechnungshofprüfung gefordert zu haben. Dieser Vorgang kostete zwar sehr viel Energie, doch die Vorwürfe waren vom Tisch.

Herr Maier, haben Sie bei Ihrem Antritt ein Chaos vorgefunden?

Maier Nein, das nicht, aber es gibt natürlich in jedem Betrieb Verbesserungsmöglichkeiten. Das war bei der Integra auch der Fall. Man musste sich damals auf Bereiche konzentrieren, die nicht zum normalen operativen Geschäft gehören. Darunter hat anderes gelitten. Wir sind dabei, das sukzessive aufzuarbeiten. Ich habe eine sehr intensive und gute Unterstützung durch Stefan Koch erfahren. Allein im kalten Wasser wäre es eine schwierige Aufgabe gewesen.

 

Wie beurteilen Sie die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Maier Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit. Die Vergangenheit können wir nicht mehr beeinflussen, aber wir sind positiv gestimmt für die Zukunft.

 

Musste bei Betrieben nach den turbulenten Ereignissen wieder Vertrauen aufgebaut werden?

Maier Ich habe niemanden getroffen, der mit der Integra nichts mehr zu tun haben wollte. Rückfragen: ja, Absprung: nein. Die Leute sehen, welche Arbeit geleistet wird, welcher Wert da auch für die Gesellschaft erschaffen wird. Loyalität merkt man erst in schwierigen Situationen. Die Budget-Einsparungen machten uns mehr zu schaffen als die Tumulte.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie als künftige alleiniger Geschäftsführer?

Maier Wir wollen die gesamte Organisation straffen und das interne Kontrollsystem massiv verbessern. Da gibt es Entwicklungsbedarf. Außerdem lassen wir den Jahresabschluss auf freiwilliger Basis von einem Wirtschaftsprüfer kontrollieren. VN-MM

Fakten zur Integra

120 fix angestellte Mitarbeiter

180 Transitarbeitsplätze bzw. Trainings- und Ausbildungsplätze

12,5 Millionen Euro Budget, 50 Prozent Eigenleistung

8 Arbeitsbereiche