Kramp-Karrenbauer zieht die Reißleine

Politik / 10.02.2020 • 22:50 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

CDU steht nach „AKK“-Rückzug vor unruhigen Zeiten.

Berlin Es sind dramatische Tage für die CDU. Keine Woche nach dem politischen Beben in Thüringen zieht CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer die Reißleine und verzichtet auf eine Kanzlerkandidatur. Auch den Parteivorsitz will sie abgeben. Etwas mehr als ein Jahr und zwei Monate nach ihrer Wahl und mitten in der Legislaturperiode steht die ganze Union vor stürmischen Zeiten: eine Parteivorsitzende auf dem Rückzug, die Kanzlerkandidatenfrage ungelöst. Das gilt auch für das Verhältnis zur Linken und zur AfD, die mit ihrem Coup bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen nun indirekt für den Rückzug von „AKK“ gesorgt hat. Auch der Richtungsstreit zwischen Vertretern des Mitte-Kurses der damaligen CDU-Chefin und Noch-Kanzlerin Angela Merkel und jenen, die auf eine stärkere konservative Ausrichtung hoffen, ist ohne Entscheidung.

Die chancenreichsten Nachfolger von „AKK“ halten sich zunächst bedeckt. Dass sich Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz die Kanzlerkandidatur zutraut und auch unbedingt will, gilt in Berlin aber als offenes Geheimnis. Er war Kramp-Karrenbauer Ende 2018 bei der Wahl zum Parteivorsitz knapp unterlegen. Die Chancen von Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sind angesichts des parteiinternen Richtungsstreits völlig offen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der AKK ebenso nachfolgen könnte, gibt sich vorerst staatstragend. Die Lage in Thüringen sei Symptom dafür, „dass die Radikalen immer mehr den Diskurs bestimmen“. Die bürgerliche demokratische Mitte sei zu oft in der Defensive und verliere an Bindekraft, die Bürger verlören Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates.