Nicht nur im Fußball braucht es Regeln

Vorarlberg / 10.02.2020 • 18:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Marc Springer (v.l.), Gerhard Bartetz, Günther Rösel, Claudia Paganini, Harald Walser und Moderatorin Petra Steinmair-Pösel. erh
Marc Springer (v.l.), Gerhard Bartetz, Günther Rösel, Claudia Paganini, Harald Walser und Moderatorin Petra Steinmair-Pösel. erh

Die Diskussion zum Thema Hass im Netz soll dazu beitragen, Lösungen zu finden.

Dornbirn Wie viele Menschen das Thema Hass im Netz interessiert und wer davon betroffen ist, das machte der Gesellschaftspolitische Stammtisch des Ethik Centers der katholischen Kirche deutlich. Zielscheibe von Beleidigungen, Gewaltandrohung oder rufschädigender Lügen sind vorwiegend Angehörige von Randgruppen, Politiker, Journalisten, Frauen aber auch Unternehmen. Claudia Paganini, Medienethikerin an der Universität Innsbruck, beleuchtete in ihrem Impulsreferat ebenso die Täterseite. Studien zeigen, dass es sich zu 80 bis 85 Prozent um junge Männer aus dem rechten und eher bildungsfernen Milieu handelt. „Das vielschichtige Phänomen hatte seinen Ursprung in rechtsextremistischen Homepages. Ab den 2000er-Jahren veränderte es sich und wurde ein Problem der Social Media“, informierte sie weiter. Die Opfer sind Projektionsflächen von Aggression, die sich beim Hasser nicht selten beim Surfen im Internet verstärkt. Die Wut wird dann in der Beschimpfung und Diffamierung beliebiger Personen ausgelebt.

Hass in Gesellschaft und Politik ist zwar ein altes Problem, wenn zum Beispiel Nachbarn  zum Gespött gemacht werden. Claudia Paginini wies darauf hin, dass das Internet hingegen schnell ist in der großräumigen Verbreitung von Hatespeech, wie die Hassrede genannt wird, und dass sich solche Meldungen nur schwer entfernen lassen. Wichtig sei das Melden von Vorkommnissen sowie Zivilcourage in der Loyalität zu Opfern.

Straftaten anzeigen

Ihre Sichtweise zum Phänomen Hass im Netz legten auch die Podiumsteilnehmer dar. Gerhard Bargetz vom Bezirkspolizeikommando Feldkirch sprach sich für einen sicheren Umgang mit dem Internet aus und setzt auf Prävention. „Straftaten müssen zur Anzeige gebracht werden“, sagte der Sicherheitskoordinator. Die Plattform „Safer Internet“ gibt Einblick in aktuelle Trends und Herausforderungen der digitalen Welt, denen bereits Kinder und Jugendliche begegnen.

Die Meinungsfreiheit wird zu sehr ausgedehnt in der Hassrede, mit Moral und Ethik ist dem  nicht beizukommen. „Hass ist blind“, sagte der Psychoanalytiker Günther Rösel und ergänzte: „Ohne Regeln und Strukturen kommen wir im Sport oder im Straßenverkehr nicht aus, auch nicht im Internet.“ Dass es Regeln braucht, bestätigt Claudia Paganini. Die Medienkompetenz gehöre gefördert. Einig sind sich die Diskutanten auch darin, dass Online-Portale ihre Verantwortung wahrnehmen müssen. Die Einführung von Klarnamen für Kommentare will der ehemalige Politiker Harald Walser als politische Forderung sehen. Angesprochen war Marc Springer, Chefredakteur von VOL.at. Dieser sieht derzeit die Kontrollmechanismen erfüllt mit der verpflichtenden Anmeldung von Usern, die Kommentare ­schreiben, mit dem Sperren jener, die Grenzen überschreiten und mit dem Löschen von Beiträgen. erh