Pendelbewegungen

Markt / 10.02.2020 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Fast jeder zehnte Vorarlberger Arbeitnehmer pendelt in die Nachbarländer.

Schwarzach In Vorarlberg herrscht seit Jahren ein gefährliches Defizit an Fachkräften. Die Unternehmen im Land versuchen mit verschiedensten attraktiven Arbeitsplatzangeboten, qualifizierte Mitarbeiter im Betrieb zu halten und Fachkräfte aus anderen Ländern und Regionen nach Vorarlberg zu bringen. Mit mehr oder weniger Erfolg, wie die Untersuchung der Pendlerströme in der Euregio Bodensee zeigt. Auch bei den Nachbarn ist die Situation nicht anders – der Fachkräftemangel treibt auch dort die Human Resources Manager (wie Personaler heute bezeichnet werden) um und lässt sie über den Grenzen fischen.

2,3 Millionen Arbeitsplätze

Insgesamt stehen in der Bodensee­region 2,3 Millionen Menschen in Brot und Arbeit, in der Langzeitbeobachtung zwischen 2000 und dem Jahr 2017 entspricht das einem Zuwachs von 19 Prozent. Im Dezember 2019 waren in allen Anrainer-Kantonen, Landkreisen, dem Bundesland Vorarlberg und dem Fürstentum Liechtenstein knapp 60.000 Menschen ohne Arbeit. Fast ebenso viele Menschen pendeln Tag für Tag über die Grenze zum Arbeitsplatz – nämlich laut Statistikplattform Bodensee, welche die Daten aus den vier Ländern ausgewertet hat, 56.500.

Die meisten davon sind deutsche Arbeitnehmer, die in die Schweiz, nach Österreich und nach Liechtenstein pendeln. 14.857 Deutsche mit Wohnsitz Bodenseeregion haben ihren Arbeitsplatz über der Grenze, 3605 von ihnen verstärken die Wirtschaft in Vorarlberg. 10.913 arbeiten für Schweizer Firmen und Institutionen und lediglich 339 in Liechtenstein. Nicht erfasst sind von den Statistikern jene Arbeitnehmer aus einem der Bodenseeanrainerländer, die sich einen Wohnsitz am Arbeitsort genommen haben. Ins Fürstentum zieht es Vorarlberger und Schweizer. Im kleinen, aber wirtschaftlich umso potenteren Land werden nur 45 Prozent der Arbeitsplätze mit Liechtensteinern besetzt, der große Rest pendelt. Die 19.591 Liechtenstein-Pendler setzen sich aus 10.727 Schweizern, 8525 Vorarlbergern und wie schon erwähnt 339 Deutschen zusammen.

Arbeitsplatz Liechtenstein

Die Vorarlberger arbeiten je zur Hälfte in der Industrie und im Gewerbe, wobei die Firma Hilti größter Arbeitgeber der Vorarlberger ist, sowie in der Dienstleistungsbranche, vor allem im Bankbereich, in Anwaltskanzleien und in der IT-Branche. Umgekehrt konnten Vorarlberger Arbeitgeber nur wenige Liechtensteiner für einen Arbeitsplatz in Vorarlberg begeistern. 51 pendeln in umgekehrter Richtung. Immerhin um zehn mehr als aus der Schweiz nach Vorarlberg zur Arbeit fahren. In die Schweizer Bodenseeregion pendeln werktäglich 7035 Vorarlberger Arbeitskräfte, rund 6500 davon in den Kanton St. Gallen. Und immerhin 923 Vorarlberger arbeiten über der deutschen Grenze.

Gegensteuern ist für Vorarlbergs Wirtschaft nicht einfach. Für die Schweiz und Liechtenstein sprechen die deutlich höheren Löhne, auch wenn sich diese, so Michael Amann, Geschäftsführer Industrie in der WKV, etwas relativieren lassen. Etwa durch die bessere soziale Absicherung in Österreich. Oder das Arbeitsrecht und die stabilen Arbeitsverhältnisse. „Besonders ab dem 45. Lebensjahr kommen viele Grenzgänger wieder zurück.“ Joachim Heinzl, Chef der WISTO, die die Aktivitäten zum Mitarbeiterrecruiting koordiniert, führt ins Treffen, dass die Attraktivität Vorarlbergs beständig zunimmt, und verweist auf das innovative Arbeitsmilieu im Land. VN-sca

„Unsere Firmen haben ihre Mitarbeiter auch in Krisenzeiten gehalten, das spricht für sie.“