„Sabine“ hält Europa in Atem

Vorarlberg / 10.02.2020 • 22:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Frankfurt wurden Teile eines Baukrans in das Dach des Doms gedrückt. RTS
In Frankfurt wurden Teile eines Baukrans in das Dach des Doms gedrückt. RTS

Tausende Haushalte waren ohne Strom. Flüge fielen aus. Bäume stürzten auf Straßen und Gleise.

Europa Das Sturmtief „Sabine“ hat in Europa mindestens sieben Menschen das Leben gekostet und zu zahlreichen Stromausfällen geführt. In Slowenien starb ein Mann, dessen Auto von einem Baum getroffen wurden. In Schweden kam ein Mann um, als sein Boot auf dem Fegen-See kenterte. Er wurde an Land gespült und starb später. Eine weitere Person, mit der der Mann in dem Boot unterwegs war, wurde am Abend noch vermisst. An zahlreichen Flughäfen fielen am Montag Hunderte Starts und Landungen aus. Vielerorts kam es im Bahn- und Straßenverkehr zu Beeinträchtigungen. Was sonst noch passierte:

In Österreich sorgten Spitzen von 100 km/h und darüber insbesondere in Nieder- und Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg für zahlreiche Feuerwehreinsätze. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) rief die höchste von vier Warnstufen aus. Im Gebirge wehten orkanartige Böen mit über 120 km/h, der vorläufige ZAMG-Spitzenwert wurde am Tiroler Brunnenkogel gemessen: 147,6 km/h. Viele Zoos, Parkanlagen und teils auch Friedhöfe waren vorsorglich gesperrt.

Viel los war auch in Deutschland. Ein Mann starb, weil er seinen Lastwagen in einen Anhänger fuhr. In Bayern brachte das Orkantief das öffentliche Leben teils zum Erliegen. Mehrere Menschen wurden verletzt, die Sachschäden waren erheblich. Die Deutsche Bahn hatte am Morgen nach dem Fernverkehr auch den Regionalverkehr eingestellt, fast alle Schulen blieben geschlossen. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. Auf der Nordseeinsel Wangerooge wurde der Strand stark beschädigt. Die Abbruchkante sei teilweise bis zu zwei Meter hoch und erstrecke über eine Länge von etwa einem Kilometer, hieß es.

In einigen Regionen Großbritanniens brachte der Sturm innerhalb von 24 Stunden so viel Regen wie sonst in eineinhalb Monaten. Mehr als 20.000 Haushalte waren in der Nacht zum Montag ohne Strom. In Brentwood (Essex) stürzte ein Auto in einen kleinen Krater, der über Nacht auf der Straße entstanden war. Ein Mann starb in seinem Auto, das von einem Baum getroffen wurde.

Auch in Belgien verursachte der Sturm etliche Schäden. Im Hafen von Antwerpen kippten aufeinandergestapelte Container um. In Zottegem fällte der Sturm eine etwa 150 Jahre alte Pappel, die als eingetragenes Naturdenkmal geschützt war.

In Frankreich waren zunächst rund 130.000 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren der Großraum Paris sowie Nord- und Ostfrankreich. Für mehr als 30 Départements dauerte die vom französischen Wetterdienst Météo-France ausgerufene erhöhte Alarmbereitschaft am Montag an.

In der Schweiz krachte in der Gemeinde Wald eine S-Bahn am Montagmorgen in einen umgestürzten Baum. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich am Sonntagabend in Moutier im Kanton Bern. Am Flughafen Zürich musste ein Flugzeug beim Landesversuch durchstarten.

In Tschechien waren am Montagmorgen rund 100.000 Haushalte ohne Strom. Innerhalb einer Stunde wurden landesweit mehr als 250 Feuerwehreinsätze gezählt. Im südböhmischen Bezirk Prachatice (Prachatitz) wurde ein Mensch leicht verletzt, als ein Baum auf ein Auto krachte.

In Polen wurden im Skiresort Bukowina Tatrzanska eine Frau und ihre Tochter auf einem Parkplatz von herabfallenden Dachteilen erschlagen. Eine weitere Frau und ein Bub kamen bei dem Unglück mit leichteren Kopfverletzungen davon. Mehr als 55.000 Haushalte ohne Strom. Bis 6 Uhr morgens mussten die Feuerwehren landesweit zu mehr als 1100 Einsätzen ausrücken.

In Brentwood (Essex) stürzte ein Auto in einen Krater. AP
In Brentwood (Essex) stürzte ein Auto in einen Krater. AP
Am Flughafen Zürich mussten zahlreiche Flugzeuge beim Landeversuch durchstarten. Rund 100 Starts und Landungen wurden abgesagt. RTS
Am Flughafen Zürich mussten zahlreiche Flugzeuge beim Landeversuch durchstarten. Rund 100 Starts und Landungen wurden abgesagt. RTS
Das Sturmtief richtete zahlreiche Schäden an. In Hittisau wurde dieses Hausdach abgedeckt. Vol.at
Das Sturmtief richtete zahlreiche Schäden an. In Hittisau wurde dieses Hausdach abgedeckt. Vol.at
In Bregenz mussten die Feuerwehr und ein Tierarzt anrücken, um ein Pferd zu befreien. VN/Hartinger
In Bregenz mussten die Feuerwehr und ein Tierarzt anrücken, um ein Pferd zu befreien. VN/Hartinger
Am Bodensee schlug „Sabine“ buchstäblich hohe Wellen. Eine Autowäsche war nach diesem Polizeieinsatz jedenfalls nicht mehr notwendig.  VN/Stiplovsek
Am Bodensee schlug „Sabine“ buchstäblich hohe Wellen. Eine Autowäsche war nach diesem Polizeieinsatz jedenfalls nicht mehr notwendig.  VN/Stiplovsek