„Ich bin eher eine Macherin“

Vorarlberg / 11.02.2020 • 17:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für Christina Grafl ist gegenseitige Wertschätzung eine Grundvoraussetzung. BI
Für Christina Grafl ist gegenseitige Wertschätzung eine Grundvoraussetzung. BI

Christina Grafl arbeitet als Sozialbetreuerin in der Stiftung Jupident.

Schlins Arbeiten mit Menschen, Unterstützung bieten und Zuwendung zeigen. Dies alles sind Bereiche, die Christina Grafl liegen, denn soziale Themenfelder haben bisher alle ihre Berufsentscheidungen geprägt. Seit acht Jahren ist die gebürtige Bludenzerin nun in der Stiftung Jupident in Schlins in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung tätig – und das mit viel Freude und Engagement. Im Gespräch mit den VN sprach die engagierte Frau über ihre Aufgaben und Leitmotive.

 

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Grafl Ich habe schon in meiner Kindheit gerne alle rund um mich betreut, versorgt und verwöhnt. Meine Familie hat mir daraufhin geraten, Krankenschwester zu werden. Dieser Berufswunsch entsprach mir, aber ich habe mich dennoch entschieden, die Fachschule für Sozialbetreuungsberufe mit dem Fachgebiet Familien- und Pflegehilfe in Bregenz zu besuchen. Diese Ausbildung bot viel praktischen Bezug, wir durften relativ viele Praktika absolvieren. Das lag mir, denn ich bin eher eine Macherin, ich gestalte gerne. Dadurch gelingt mir die Verbindung zum Lernen auch besser.

 

Sie waren dann in der Familienhilfe tätig?

Grafl Ja, eineinhalb Jahre lang. Im Rückblick gesehen, war ich für diesen Tätigkeitsbereich damals jedoch noch zu jung. Manchmal hatte ich an einem Tag zwei unterschiedliche Familien zu betreuen. Das war einerseits sehr herausfordernd, andererseits habe ich in dieser Zeit aber auch viel gelernt. Ich bekam sehr viele interessante Einblicke in soziale Gegebenheiten. Grundsätzlich hat es mir gefallen, Familien Unterstützung bieten zu können. Ich möchte diese Erfahrung auf jeden Fall nicht missen.

 

Wie ging es mit Ihnen beruflich dann weiter?

Grafl Ich war danach in der Werkstätte der Lebenshilfe in Frastanz beschäftigt. Dort betreute ich Menschen unterschiedlichsten Alters – von 16 bis 70 Jahren. Manche von ihnen waren auch körperlich sehr beeinträchtigt, was entsprechende pflegerische Maßnahmen erforderte. Auch hier gewann ich spannende, neue Einblicke. Ich habe das sehr gerne gemacht und mir wurde auch bewusst, wie sehr mir der pflegerische Bereich liegt.

 

Wie kam es in der Folge zum Wechsel zur Stiftung Jupident?

Grafl Ich wollte mein berufliches Spektrum erweitern und habe mich deshalb entschlossen, in einen anderen sozialen Bereich zu wechseln. In der Stiftung Jupident betreue ich eine Kleingruppe von jungen Menschen mit körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen im Alter von 6 bis 16 Jahren. Für mich stimmt die Bezeichnung „Menschen mit speziellen Bedürfnissen“ eher. Die Altersgrenze bildet bei uns eher einen Richtwert. Es ist nicht für alle Bewohner möglich, in eine Jugendgruppe zu wechseln. Wir achten auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes und Jugendlichen.

 

Worin bestehen Ihre Aufgaben?

Grafl Wir haben 24 Stunden Dienste, jeweils mit acht Stunden Nachtbereitschaft. Am Vormittag stehen oft Begleitungen zu Arztterminen sowie Gespräche mit Eltern und Lehrern an. Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden nach einer kurzen Siesta die Hausaufgaben gemacht und die Freizeit möglichst kreativ gestaltet. Mir ist es vor allem wichtig, die Kinder lebenspraktisch zu unterstützen. Mittels Boardmaker-Kärtchen werden die einzelnen Dienste wie Küchen- oder Mülldienst eingeteilt. Am Abend oder am Wochenende kochen wir manchmal gemeinsam. Unsere Kinder kommen oft aus belasteten Familienverhältnissen, bei uns sollten sie möglichst viel Gemeinschaft und auch „Normalität“ erleben.

 

Haben Sie im Rahmen dieser Tätigkeit wiederum neue Einblicke gewonnen?

Grafl Aber ja, ich lerne ständig dazu – auch von den Kindern. Im Sozialbereich ist nichts wirklich planbar. Es ist ein ständiger Lernprozess, ich muss augenblicklich reagieren können. Das erfordert Spontanität, Flexibilität, aber auch Geduld. Grundlegend braucht es klare Strukturen, diese vermitteln ja auch Sicherheit. Im Kreativbereich soll und darf jedes Kind jedoch seine eigenen Fähigkeiten verwirklichen. BI

Zur Person

CHRISTINA GRAFL

Geboren 18. September 1980

Familie Lebenspartnerschaft mit Bernd Linder

Wohnort Weiler

Hobbys Musik, Konzerte, Freunde, Fitness-Studio, Garten, in der Natur sein