„Gegen das Gefühl“

Sport / 12.02.2020 • 22:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jonas Müller bezeichnet die Olmypiabahn in Sotschi als „komischen und zugleich schwierigen Eiskanal“.apa
Jonas Müller bezeichnet die Olmypiabahn in Sotschi als „komischen und zugleich schwierigen Eiskanal“.apa

Trotz Bestzeit im Abschlusstraining dämpft Jonas Müller etwas die WM-Erwartungen.

Sotschi Österreichs Kunstbahn-Rodler gelten bei Großveranstaltungen als Medaillenbank. Bei den Weltmeisterschaften 2019 hatte das ÖRV-Aufgebot fünf Stück Edelmetall eingefahren. Vor den Titelkämpfen ab Freitag in Sotschi, der Olympiastadt von 2014, muss das Team von Cheftrainer Rene Friedl wegen des Ausfalls von Lorenz Steu/Thomas Koller kleinere Brötchen backen. Friedl nannte zwei Medaillen als Ziel, die U-23-Bewerbe eingeschlossen.

Die Österreicher haben sich auf die schwierige Olympiabahn von 2014 seit zwei Jahren mit mehreren Trainingslagern bestmöglich vorbereitet. Doch der Heimvorteil der Russen ist nicht wettzumachen, sie haben ihre Favoritenrolle in den Weltcuprennen der vergangenen Saison eindrucksvoll bestätigt. Dessen ist sich auch der Vorarlberger Jonas Müller bewusst. Der Titelverteidiger im Sprintbewerb hat neben den Russen („Sie sind extrem stark“) aber auch die Italiener auf dem Schirm.

Der 22-Jährige, der mit zwei Weltcupsiegen in die Saison gestartet war, hat eine besondere Beziehung zur Olympiabahn. Immerhin ist er schon zum fünften Mal in Sotschi und hat im Vorjahr mit Rang sechs eine sehr WM-Generalprobe abgeliefert. Allerdings spricht auch der Bludenzer von einer „schwierigen Bahn, auf der es schwer ist, konstant gute Leistungen abzuliefern“. Was er damit meint, erklärt er im Telefonat mit den Vorarlberger Nachrichten, nachdem er zuvor im Eiskanal für die beste Zeit im Abschlusstraining gesorgt hatte. „Das sagt nichts“, meinte er und ging danach genauer auf die Bahn ein: „Du musst die Kurven gegen das Gefühl fahren. Normalerweise versuchst du, keine Welle zu fahren, hier musst du sie mitfahren.“ Und schmunzelnd fügte er hinzu: „Eine komische Bahn, aber mir macht es hier dennoch extrem viel Spaß.“

Den Sturz von Altenberg hat er bestens weggesteckt. „Das passiert“, meinte er ganz cool. In seinen Worten war auch kein Anflug von Nervosität zu spüren. Dabei geht er im Sprint doch als Titelverteidiger an den Start. „Ich denke nicht mehr so viel über das Rodeln nach, sondern rodle einfach“, verrät er sein Geheimnis. Klingt geradezu simpel, ist aber wohl ein Teil der Erfahrungen, die der Vorarlberger in den letzten Jahren gesammelt hat. Hinzu kommt laut Müller die Zusammenarbeit mit Trainer Peter Penz, einem Ex-Rodler. „Ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Er meint immer: nur locker bleiben.“ Die Worte scheinen zu fruchten, denn Müller („Ich will jetzt nicht mehr alles erzwingen“) hat sich spätestens seit seinen Weltcupsiegen in Innsbruck und in Lake Placid bei der Konkurrenz Respekt verschafft. „Es ist insgesamt so, dass vermehrt auf uns Österreicher geschaut wird“, will er sich nicht in den Mittelpunkt rücken.

Was seine Erwartungen für die Titelkämpfe betrifft, will er nicht allzu konkret werden – weil: „Die Bahn ist wie schon gesagt sehr schwierig. Um vorne mitfahren zu können, braucht es zwei konstant gute Läufe. Und da muss hier schon 100 Prozent alles passen.“ Klarer sind da seine Vorstellungen für den U-23-Bewerb, der extra gewertet wird. Da soll es, so Müller, mit einer Medaille klappen.

Augenmerk auf U-23-Bewerb

Mit Yannick Müller ist der jüngere Bruder ebenfalls bei der WM am Start. Der 20-Jährige feiert mit Armin Frauscher im Doppel sein WM-Debüt. Das neu zusammengesetzte Duo schaffte in dieser Saison überraschend schnell den Weg in die erweiterte Weltspitze. „Sie sind fahrerisch richtig gut“, gibt es für den Obermann Lob aus dem Munde von Bruder Jonas. Jetzt gelte es, mehr und mehr an Sicherheit zu gewinnen. „Es ist ein Lernjahr“, weiß Jonas Müller. Für Thomas Steu, im Jänner zusammen mit Lorenz Koller noch Silbermedaillengewinner bei der EM in Lillehammer, haben nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch im Olympiazentrum Dornbirn die therapeutischen Maßnahmen begonnen.

„Eine komische Bahn, aber mir macht es hier dennoch extrem viel Spaß.“

Rodeln

Weltmeisterschaft Sotschi

Freitag 11.30 Uhr

Sprint-Bewerbe

Samstag 11.40 Uhr

Doppelsitzer und Damen

Sonntag 11.15, 15.50 Uhr

Herren-Einsitzer und Team-Staffel