Keine Lockerung des Zölibats

Politik / 12.02.2020 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Pontifex greift Empfehlung über Zulassung verheirateter Männer zur Weihe nicht auf.

vatikanstadt Papst Franziskus will keine Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben mit Schlussfolgerungen aus der Amazonas-Synode vom vergangenen Herbst hervor. Demzufolge hat der Pontifex eine Empfehlung von Bischöfen zur umstrittenen Lockerung des Zölibats nicht aufgegriffen. Der Begriff „Zölibat“ wird in dem Text „Querida Amazonia“ („Geliebtes Amazonien“) nicht einmal erwähnt.

Frauenfrage ungeklärt

Franziskus sprach sich in seinem Schreiben allerdings für eine stärkere Präsenz von Laien-Gemeindeleitern aus. „Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter Laien-Gemeindeleiter, die die Sprachen, Kulturen, geistlichen Erfahrungen sowie die Lebensweise der jeweiligen Gegend kennen.“ Der Pontifex würdigte auch die Rolle der Frauen für die Verbreitung des Glaubens im Amazonas-Gebiet. Die Möglichkeit der Einführung des Diakonats für sie erwähnte er nicht. Wegen des Priestermangels in entlegenen Gebieten der Amazonas-Region hatten Bischöfe, Ordensvertreter und Experten bei der Amazonas-Synode im Oktober zur Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer aufgerufen. Voraussetzung sollte sein, dass die Betroffenen bereits als Diakone tätig sind. Außerdem verlangten die Bischöfe, dass die Einführung des Diakonats für Frauen in der Region zumindest geprüft werde. Der Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler war maßgeblich an den Vorbereitungen der Synode beteiligt.

Klare Kritik

Franziskus beklagte in seinem Schreiben die Ausbeutung der Umwelt und der lokalen Bevölkerung in der Amazonas-Region. Das gelte für Unternehmen, die sich „in der Begierde nach schnellem Gewinn“ Gebiete aneignen und am Ende sogar das Trinkwasser privatisieren würden. Ähnlich sehe es aus, wenn „der Holzindustrie und Projekten zum Bergbau oder zur Erdölförderung sowie anderen Unternehmungen, welche die Wälder zerstören und die Umwelt verschmutzen, seitens der Behörden grünes Licht gegeben wird“. Dann würden wirtschaftliche Beziehungen zu einem Instrument, das töte, erläuterte der Papst. Er bat um Vergebung – nicht nur für die Verletzungen der Kirche selbst, sondern auch für die Verbrechen gegen die Urbevölkerungen im Laufe der ganzen Geschichte Amazoniens.

Aus der Sicht von Kardinal Christoph Schönborn ermutigt Franziskus zur weiteren Diskussion. „Im Blick auf mögliche Ausweitungen der Ausnahmeregelungen zum Zölibat hat die Amazonien-Synode eine Tür geöffnet, der Papst hat sie offensichtlich nicht wieder geschlossen“, sagt der Erzbischof von Wien und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Ähnlich äußert sich der Vorarlberger Diözesanbischof Benno Elbs. „Ich empfinde es als positiv, dass sich der Papst nicht in eine Schwarz-Weiß-Ecke treiben lässt“, erläutert Elbs im Gespräch mit den VN. Er habe das Gefühl, dass Franziskus den Ball an die Bischöfe in Amazonien zurückspiele. Dafür habe er einen offenen Zugang gewählt. „Nicht Rom entscheidet, sondern der Papst nimmt die Regionen in die Verantwortung. Sie sollen einen Weg finden, wie der priesterliche Dienst gewährleistet werden kann.“ Gleichzeitig betont Elbs: „Eine Reform der Kirche passiert nicht über die Zulassungsbedingungen.“

Im Unterschied zur Zölibatsfrage sei der Papst bei einem anderen Thema umso deutlicher, hält der Vorarlberger Diözesanbischof fest. So betone er klar, dass mit der fortschreitenden Zerstörung des Regenwalds und der Schöpfung die ganze Welt gefährdet sei. „Das ist das Hauptanliegen des Schreibens.“ VN-RAM

„Der Papst lässt sich nicht in eine Schwarz-Weiß-Ecke treiben.“