Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Die Kurve abflachen

VN / 10.03.2020 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn Sie auch irgendwo gehört haben, dass das Coronavirus ja minimale Auswirkungen im Vergleich zur saisonalen Grippe habe und das ja alles übertrieben sei, dann empfiehlt sich ein näherer Blick auf die Sterblichkeitsraten der einzelnen Altersgruppen. Der Schweizer Epidemiologe Christian Althaus hat in Fachkreisen viel Lob für seine jüngste Aufarbeitung erhalten. Und während bei Menschen bis 50 nur Nullkommairgendwas Prozent der Erkrankungen tödlich enden, so sind das bei Menschen in ihren Sechzigern 4,6 Prozent, über 70 Jahren fast 10 Prozent und über 80 gar 18 Prozent. Dies sind die Altersgruppen, die in den kommenden Wochen Beatmungsgeräte auf den Intensivstationen des Landes in höherem Maße dringend benötigen werden.

Flaschenhals

Italien ist etwa 14 Tage weiter und demonstriert, was bei einer ungebremsten Ausbreitung passiert. Auch deshalb sind die gestern verhängten Maßnahmen des Gesundheitsministers in Österreich so heftig. Alle Verantwortlichen versuchen, die Kurve der Krankheitsverbreitung abzuflachen.
Die nächsten Tage werden es mit sich bringen, dass nicht jede individuelle Infektionskette verfolgt werden kann. Dass nicht mehr alle Patienten mit Corona-Verdacht getestet werden können. Da sind Drive-In-Tests nur der Anfang.
Italien zeigt, was passiert, wenn zu wenige Intensivbetten verfügbar sind. Die Intensivbetten samt Beatmungsgeräten und Personal sind in diesem Fall der Flaschenhals unseres Gesundheitssystems. Es läuft der großflächige Versuch, in den Kapazitätsgrenzen zu bleiben.

Intensiv-Kapazität

Vorarlberg verfügt über etwa 90 Intensivbetten. Und die Verantwortlichen sind schon seit Wochen daran, diese Kapazitäten kurzfristig zu steigern, was bis zu einem bestimmten Grad auch möglich ist. Doch nicht alle 90 Betten können mit intensiv- oder beatmungspflichtigen Patienten belegt werden – auch im normalen Nicht-Corona-Betrieb sind Intensivbetten belegt.
Angesichts dessen sind Schulschließungen tatsächlich nur eine Frage der Zeit. Die Rahmenbedingungen müssen schnellstmöglich gefunden werden: unter welchen Voraussetzungen Schulschließungen überhaupt möglich sind, wer dann bei berufstätigen Eltern die Kinder betreut – wie Eltern kurzfristig ihre Kinder pflegen können.

Wahl trotz allem?

Es muss auch die eindringliche Frage gestattet sein, ob die Bürgermeister-Wahlen nicht besser an einem anderen Wochenende stattfänden. Es fiele doch keinem Ortskaiser ein Zacken aus der Krone, wenn man nicht 60 Prozent der Bevölkerung – das war zumindest noch die Wahlbeteiligung beim letzten Mal – genau diesen Sonntag in die Wahllokale (meist in Schulen) bittet, um ein Kreuzerl zu machen.
Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher gab das Ziel für Vorarlberg aus, ein italienisches Schicksal abzuwenden und dem Beispiel Bayerns zu folgen, wo Corona mit beherztem Eingreifen bislang gut eingedämmt werden konnte.
Wir stehen in der Corona-Krise ganz am Anfang. Und wir haben es selbst in der Hand, mitzuhelfen, die Kurve abzuflachen. Zuhause bleiben und Hände waschen.

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