Besuchsverbot in Heimen: Zwischen Sehnsucht und Sorge

VN / 21.04.2020 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Besuchsverbot in Heimen: Zwischen Sehnsucht und Sorge
Es wird für die ältere Generation weiterhin besondere Schutzmaßnahmen brauchen. AP

Land will ab Mai wieder Besuche in Pflegeheimen zulassen.

bregenz Ab 4. Mai wird es auch in den Vorarlberger Pflegeheimen zu einer Lockerung des Besuchsverbots kommen. Das bestätigte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker auf VN-Anfrage. Es wird pro Heimbewohner aber nur eine Bezugsperson zugelassen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Außerdem sind Terminvereinbarungen nötig. „Wir müssen Bewohnern und Angehörigen eine Perspektive geben“, sagt Wiesflecker.

Treffen in den Gärten

Die Treffen sollen nach Möglichkeit nicht im Innern der Heime stattfinden, sondern in den Gärten und Außenanlagen. Damit könnten auch die Zutritte in die Häuser selbst eingeschränkt bleiben. Bei Schlechtwetter wäre im Innenbereich die Trennung durch Plexiglasscheiben angedacht. Besuchsboxen, wie sie in der Schweiz bereits verwendet werden, sind für Katharina Wiesflecker keine geeignete Alternative. „Zu steril und unpersönlich“, befindet sie. Auch bei Pflegeheim-Leitungen seien diese Boxen nicht besonders gut angekommen. Die Soziallandesrätin betonte einmal mehr, das Besuchsverbot sei eine richtige Maßnahme gewesen. “In den meisten Pflegeheimen ist es bisher glücklicherweise gelungen, die Ausbreitung des Virus weitestgehend zu verhindern.”

Mit dem Gesundheitsministerium arbeiten die Länder daran, bis Ende dieser Woche eine Strategie für eine Lockerung des Besuchsverbots auszuarbeiten. „Wir denken an kontaktlose Begegnungszonen in den Außenbereichen der Heime unter Einhaltung der geltenden Schutzbestimmungen wie Mund-Nasen-Schutz und genügend Abstand“, erläutert Wiesflecker.

Die Details selbst werden im Austausch mit den Heimleitungen ausgearbeitet. Ursula Fischer, Obfrau des Landesverbandes der Heim- und Pflegeleitungen, spricht von einem Spannungsfeld. Zum einen sei da die Sehnsucht nach einem Wiedersehen, zum anderen die Sorge um das Wohlergehen der Heimbewohner. Auf jeden Fall müsse die Öffnung der Heime sensibel erfolgen. “Der Wunsch nach einer Lockerung des Besuchsverbots ist verständlich, gleichzeitig ist unsere Klientel besonders schutzbedürftig”, verdeutlicht Fischer das Dilemma. Deshalb brauche es angepasste Lösungen und ein gemeinsames Vorgehen. Den Austausch mit den zuständigen Stellen beschreibt sie als konstruktiv.

Auch die SeneCura mit ihren sieben Heimen im Land wird die Türen erst am 4. Mai einen Spalt breit öffnen. Laut Regionalleiter Wolfgang Berchtel werden derzeit die Möglichkeiten der kontaktlosen Begegnung geprüft. Es sei an der Zeit, diese in kleinem Rahmen zuzulassen, aber: “Alle haben die Maßnahme verstanden.”

Aktuelle Entwicklung

Was die Entwicklung bei den Infektionen betrifft, wurden mit Stand Dienstag, 11.30 Uhr, 877 Personen positiv getestet, 740 dürfen sich als genesen betrachten. Aktuell erkrankt sind 124 Personen, verstorben 13. Insgesamt wurden bislang 8384 Testungen durchgeführt. 18 Covid19-Patienten befinden sich im Krankenhaus, davon sieben in Intensivbehandlung. Es stehen laut Landessanitätsdirektion noch 81 Betten mit Beatmungsgeräten bereit.


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