In Spitälern werden die Betten knapp

VN / 02.11.2020 • 05:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Spitälern werden die Betten knapp
Das Personal auf den Intensivstationen ist wieder gefordert.  KHBG

Immer mehr Covidpatienten müssen ins Krankenhaus.

bregenz “Bei uns breitet sich das Virus nicht aus.” Wie oft hat Landeshauptmann Markus Wallner (53, ÖVP) diesen Satz in den vergangenen Tagen gehört. “Die Entwicklung bei den Infektionszahlen hat uns leider Gegenteiliges gelehrt. Das Virus verbreitet sich überall”, hält er solchen Aussagen entgegen. Besonders dramatisch gestaltet sich der Blick auf die Gesundheitsversorgung. In den Krankenhäusern füllen sich die Betten mit Covidpatienten. Davon betroffen sind auch die Intensivstationen.

Ansteckungsfaktor senken

Das Krankenhaus Dornbirn hat die Kapazitätsgrenze erreicht. Die vier für Covidpatienten reservierten Intensivbetten sind voll. Laut Bürgermeisterin Andrea Kaufmann helfen die Landeskrankenhäuser aus. Das Stadtspital selbst will den 7. Stock für Covidpatienten freiräumen. “Im Frühjahr war der Druck lange nicht so groß”, erinnert sich Kaufmann. Jetzt seien die Zahlen aber rasant gestiegen. Das macht auch Markus Wallner große Sorgen: “Wenn die Dämme brechen und es zu einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus kommt, geraten wir in eine wirklich bedrohliche Lage.” Das gelte es mit allen Mitteln zu verhindern. Schon deshalb ist der zweite Lockdown für Wallner schlicht und ergreifend alternativlos. “Der Ansteckungsfaktor muss wieder unter 1 gehen. Dazu kann jeder einen Beitrag leisten”, fällt der Appell einmal mehr dringlich aus. Er ringe darum, dass die Menschen die Maßnahmen verstehen, denn: “Wir steuern auf eine schwierige Lage zu.” Den Ernst unterstreicht die Belegung der Intensivbetten. Sie steigt täglich um fünf bis sieben Prozent. “Wir brauchen aber auch Platz für andere Patienten”, verdeutlicht der Landeshauptmann die prekäre Situation.

Krisenstab der Spitäler tagt

Er räumt im VN-Gespräch ein, dass auch OP-Verschiebungen bereits wieder im Raum stehen. Die Abteilungen würden diese Möglichkeit bereits überprüfen. Gleiches gilt für das Notspital, das im Frühjahr auf dem Dornbirner Messegelände aufgebaut, letztlich jedoch nicht benötigt wurde. Morgen, Dienstag, wird der Krisenstab der Krankenhäuser bei Markus Wallner zusammentreffen und über weitere Maßnahmen beraten. Für die Inbetriebnahme des Notspitals braucht es eine Vorlaufzeit von zwei Wochen. Eine Arbeitsgruppe befasst sich bereits mit ersten Überlegungen dazu.

Außerdem braucht es die medizinische Expertise. “Es geht darum zu entscheiden, welche Covidpatienten in welcher Versorgungsstruktur behandelt werden”, erklärt Wallner. Der Krisenstab soll diesbezüglich Aufschluss bringen. Ebenfalls noch diese Woche will Wallner als Vorsitzender der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) mit Vertretern der Schweizer Kantone das Gespräch suchen, um die Maßnahmen abzugleichen und damit das Offenhalten der Grenzen sicherzustellen. Der Bundeskanzler habe ihm diesbezüglich freie Hand gelassen. Kritisch reagierten FPÖ und Neos auf den Lockdown. “Anstatt aus den Ereignissen im Frühjahr zu lernen und einen wirksamen Schutz für die wirklich bedrohten Risikogruppen sicherzustellen, wird jetzt von Schwarz-Grün die Bevölkerung durch massive Freiheitsbeschränkungen erneut hart bestraft”, polterte FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi. Neos-Landessprecherin Sabine Scheffknecht warf der Regierung massives Versagen vor: “Sie hat es verabsäumt, Strategien zu entwickeln, wie wir halbwegs gut mit dem Virus leben können, ohne massiv in die Freiheit der Menschen einzugreifen.“

Der Umsetzung der neuen Coronamaßnahmen steht indes nichts mehr im Weg. Der Hauptausschuss gab am Sonntagabend noch jenen Regelungen, die eine parlamentarische Zustimmung brauchen, seinen Segen. Davon betroffen sind etwa die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen.

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