Von der Laufbahn in den Eiskanal gewechselt

Sport / 05.11.2020 • 14:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Von der Laufbahn in den Eiskanal gewechselt
Anschieber Kristian Huber (ganz hinten mit Helm ohne Visier) könnte 2022 in Peking nach Jose Oberhauser (1972) und Jürgen Loacker (2006 und 2010) als dritter Vorarlberger Bobfahrer zu olympischen Ehren kommen. GEPA

Leichtathletik-Quereinsteiger Magdalena Baur und Kristian Huber haben Olympia 2022 in Peking als Bobfahrer im Visier.

Lauterach, Feldkirch Einen fliegenden Wechsel von der Laufbahn in den Eiskanal hat Magdalena Baur vorgenommen. Bis vor einem Jahr zählte die Anfang Dezember 26 Jahre alt werdende Lauteracherin zu den besten heimischen Mittelstreckenläuferinnen. Mit insgesamt 21 Medaillen bei ÖLV-Titelkämpfen, darunter die Vizestaatsmeistertitel 2019 und 2017 über 400-m-Hürden und U-23-Gold in derselben Disziplin bei den Unter-23-Jährigen in den Jahren 2015 und 2016, kann die Absolventin der HLW Rankweil auf eine stolze Bilanz als Leichtathletin verweisen. Bei einer Trainingseinheit im Tivolistadion in Innsbruck wurde Baur von Wolfgang Stampfer, selbst zweifacher Olympiateilnehmer und seit Juni 2019 Bob-Nationaltrainer angesprochen, ob sie Lust zu einem Wechsel hätte. „Wir haben dann einen gemeinsamen Termin auf der Bobbahn in Igls vereinbart und am 14. September 2019 habe ich in Berchtesgaden-Königssee meine erste Bobfahrt absolviert.“

Großen Respekt vor jeder Fahrt

Baur, die in Innsbruck Sportwissenschaften studiert, vor drei Jahren ihren Bachelor erhielt und in diesem Winter ihre Masterprüfung ablegen wird, gibt zu, dass sie in den Tagen vor ihrem Debüt im Eiskanal schon ein kribbeliges Gefühl hatte. „Mir wurde gesagt, dass es sich anfühlt, als ob man in einer Kiste sitzt und diese pausenlos geschüttelt wird.“ Und die persönlichen Eindrücke haben die Vorahnung bestätigt und zum Teil übertroffen: „Der gesamte Körper ist vom ersten bis zum letzten Augenblick der Fahrt angespannt. Die Fliehkraft mit dem Fünffachen des Körpergewichts presst dich nach unten, jeder Wirbel und der Rücken werden erbarmungslos nach unten gedrückt und man schnappt erst nach der Zieldurchfahrt wieder nach Luft.“

Von der Laufbahn in den Eiskanal gewechselt
Magdalena Baur (hinten) absolvierte im September 2019 ihre erste Bobfahrt und feierte Ende Oktober als Anschieberin von Katrin Beierl in Lake Placid ihr Wettkampfdebüt. Privat

Die 1,70 Meter große und knapp 70 kg schwere Baur macht kein Hehl daraus, dass jede Bobfahrt, egal ob im Training oder im Wettkampf, eine besonders Herausforderung sind und eine gehörige Portion Mut und Überwindung notwendig sind. Ende Oktober absolvierte Baur als Anschieberin von Katrin Beierl beim North American Cup auf der Olympiabahn in Lake Placid ihre Wettkampfdebüt und erreichten den achten Rang.

In diesem Winter wird sich Baur zusammen mit der gebürtigen Niederländerin Jennifer Onasanya und Selina Loibner die Position der Bremserin im Zweier von 2018-Olympiastarterin Katrin Beierl teilen. „Im Gegensatz zu den Männern gibt es bei den Frauen leider keinen Vierer. Deshalb ist die Konkurrenz noch größer. Doch dies belebt bekanntlich die Szene zumal es immer wieder vorkommt, dass eine Athletin verletzt ist und dann die nächste diesen Part möglichst gut übernehmen kann.“ Fix vorgesehen ist Baur beim Saisonauftakt am 21. bzw. 28. November in Sigulda, dem Heimweltcup in Innsbruck-Igls (13. und 19. Dezember), dem Weltcup Mitte Jänner in Berchtesgaden-Königssee und beim Saisonfinale im Rahmen der Pre-Olympics am 14. März im chinesischen Yanqing. „Allerdings steht hinter der Durchführung von allen Rennen bedingt durch die weltweite Covid-19-Pandemie noch ein Fragezeichen“, betont Baur.

Bobsport als Heeresleistungssportler zum Beruf gemacht

Sportlicher Traum von Baur wäre natürlich eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Dies gilt auch für den 23-jährigen Feldkircher Kristian Huber. Der Absolvent des Sportgymnasiums Dornbirn kommt ebenfalls auf dem Leichtathletiklager, wurde 2019 ÖLV-U-23-Meister in Kugelstoßen und Diskuswurf. Zudem kann er im Bobsport bereits beachtliche Erfolge vorweisen. Der Modellathlet, 1,90 Meter groß und knapp 100 kg schwer, gewann im Februar letzten Jahres Silber im Vierer bei der Junioren-WM in Königssee und verpasste als Vierter bei der Junioren-WM im Februar dieses Jahr in Winterberg um 0,05 Sekunden den Sprung auf das Siegerpodest. Bei der Weltmeisterschaft zwei Wochen darauf in Altenberg gab es für Huber die Ränge zehn (im Vierer) bzw. 18 (im Zweier).

Von der Laufbahn in den Eiskanal gewechselt
Kristian Huber beim Krafttraining im Olympiazentrum Vorarlberg. Athletiktrainer von Huber und Magdalena Baur ist Leichtathletik-Landestrainer Sven Benning. Olympiazentrum

Im Vorfeld seiner dritten Bobsaison wurde Huber in den Kader der Heeresleistungssportler aufgenommen und ist dem HLSZ 9 in Dornbirn zugeteilt. Parallel dazu erfolgte die Beförderung auf sportlicher Ebene: „Benjamin Maier hat mich gefragt, ob ich fix zu ihm ins Team wechseln würde. Wenn eine Anfrage von Österreichs Parade-Bobpilot kommt, muss man nicht lange überlegen.“
Durch den Wechsel in das Maier-Team sieht Huber auch seine Chance auf einen Olympiastart wesentlich verbessert: „Der Wechsel ins Boblager war von Beginn an mit dem Traum einer Olympiateilnahme verbunden. Doch bis es so weit ist, heißt es weiter fleißig trainieren.“

Saisonbeginn für Huber und seine Crew ist Ende Monat in Sigulda, Höhepunkte sind die EM im Jänner in Winterberg, die Pre-Olympics in Yanqing und natürlich die beiden Heimweltcups (12./18. 12.) in Igls. Ob es diesen Winter eine Weltmeisterschaft gibt, ist noch nicht entschieden. Ersatzort für das in Lake Placid geplante IBSF-Championat wäre Altenberg, allerdings wurde noch kein Termin bestätigt.

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