Orgelbau: Eintauchen in eine spezielle Welt

Karriere / 28.02.2021 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Orgelbau: Eintauchen in eine spezielle Welt
Timo Allgäuer: „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, nicht in den Chor „Fachkräftemangel und demotivierte Jugendliche“ einzustimmen, sondern ganz aktiv dagegen anzutreten. FOTO: RIEGER ORGELBAU

Lehrlinge erlernen in Schwarzach ein jahrhundertealtes Handwerk mit modernster Technik des 21.Jahrhunderts. Timo Allgäuer von Orgelbau Rieger im Interview.

Derzeit befinden sich 13 Lehrlinge bei Ihnen in Ausbildung zum/zur OrgelbauerIn, sowie ein Tischlerlehrling. Für einen derart „exotischen“ Beruf recht viel. Warum interessieren sich so viele dafür?

Wenn man bedenkt, dass wir Lehrlinge aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ausbilden, dann ist das nicht viel. Natürlich würden wir uns mehr Interesse auch aus Vorarlberg wünschen.

Wie gestaltet sich die Lehrzeit?

Die dreieinhalbjährige Lehrzeit beginnen wir mit klassischem Holzhandwerk – alles von Hand. Die Lehrlinge müssen den Werkstoff Holz verstehen und richtig kennenlernen. Danach durchlaufen sie unsere Abteilungen mit den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung, Klang, Elektronik und Restaurierung. So arbeiten sie immer direkt am Instrument mit. Fertigkeiten und Kenntnisse, die im Lehrplan nicht enthalten sind, und die wir für wichtig erachten, etwa das Orgelspiel, lassen wir in die Ausbildung einfließen. Und dann kommen die Montagen – unseren Lehrlingen steht damit die ganze Welt offen. 

Wie groß ist die Herausforderung, Lehrlinge zu finden?

Wir sind ein international tätiges Unternehmen mit höchsten handwerklichen und künstlerischen Anforderungen an unsere Mitarbeiter. Da wir in Österreich und den Nachbarregionen einen Großteil der zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze stellen, ist es sehr schwer, extern ausgebildete Fachkräfte für uns zu gewinnen.

Wie und wo gelangen Sie an Ihren Nachwuchs?

Eine gute Möglichkeit, uns zu präsentieren, sind die Berufs-, und Lehrlingsmessen. Auch die Up2work Tage für die sechste und siebte Schulstufe, und die „Schaffa Tage“ für die dritte und vierte Schulstufe sind fixer Bestandteil unseres Terminkalenders.

Wie laufen diese Tage ab?

Während dieser Aktion können wir Kindern einen Einblick in unsere Berufswellt ermöglichen. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir den einen oder anderen, Jahre danach, bei den Schnupperwochen begrüßen können. Bei diesen Veranstaltungen übernehmen auch unsere Lehrlinge das Erklären, und Vorarbeiten. Das gibt ihnen die Möglichkeit, in die Rolle des Ausbilders zu schlüpfen.

Was erwarten Sie von Ihren Lehrlingen?

Dieser Beruf verlangt mehr Idealismus als andere Tätigkeiten. Er hält aber auch besondere Erfolgserlebnisse bereit. Die Aufgaben des Orgelbauers sind mannigfaltig und reichen vom Kunsthandwerk bis hin zur Kunst bzw. Musik. Wir möchten jedem Auszubildenden die Möglichkeit bieten, sich seinen Stärken und Fähigkeiten entsprechend zu entfalten.

Was gibt Ihnen ein Erfolgsgefühl?

Wenn man als Team Tausende Stunden an der Fertigstellung einer neuen Orgel gearbeitet hat und sie dann im Zuge eines feierlichen Eröffnungskonzerts erklingen hört, weiß man, dass man das Richtige gelernt und weitergegeben hat

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Da in unserem Bereich kaum Weiterbildungsveranstaltungen angeboten werden, organisieren wir mit den Lehrlingen unseren wöchentlichen Lehrlingsstammtisch, bei dem aktuelle Themen besprochen und Lösungen erarbeitet werden. Somit bleiben wir im ständigen Austausch, bei dem auch Allfälliges zeitnah besprochen werden kann.

Wie wichtig sind die Lehrlinge für den Betrieb?

Um auch in Zukunft hochwertige Instrumente herstellen zu können, ist es für uns unerlässlich, jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, ein jahrhundertealtes Handwerk zu erlernen, und dadurch auch in Zukunft unseren Fortbestand zu sichern. Diese Herausforderung und Verantwortung nehmen wir gerne an. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht in den Chor „Fachkräftemangel und demotivierte Jugendliche“ einzustimmen, sondern aktiv dagegen anzutreten.

Welche besonderen Karrieren gibt es, die in Ihrem Haus begonnen haben?

Jede Laufbahn ist einzigartig. So hat auch unser Geschäftsführer, Wendelin Eberle, seine Karriere als Lehrling bei Rieger Orgelbau begonnen. Es ist keine Seltenheit, dass Lehrlinge aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu uns ins Ländle kommen, um sich ihren Traum als Orgelbauer zu erfüllen. Es versteht sich von selbst, dass solche motivierten Mitarbeiter eine große Bereicherung sind.

Timo Allgäuer

Ausbildung: Orgelbauer

Alter: 39

www.rieger-orgelbau.com