Ernüchternde Bilanz des Kinder- und Jugendanwalts

VN / 18.03.2021 • 15:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ernüchternde Bilanz des Kinder- und Jugendanwalts
Die Nachwuchskicker des FC Lauterach dürfen sich endlich wieder so richtig auf dem grünen Rasen austoben. VN/STEURER

Die Coronapandemie setzte jungen Menschen seelisch stark zu.

Feldkirch Ernüchternd fiel die Bilanz von Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch zum Coronajahr 2020 aus. „Noch nie hat es so viele Eingriffe in die Grund- und Freiheitsrechte sowohl von Kindern und Jugendlichen wie auch Erwachsenen gegeben wie im Vorjahr, und ich bin immerhin schon seit 2002 im Amt“, fasste Rauch seine Einschätzung bei der Präsentation des Jahresberichts zusammen. Einiges war seiner Ansicht nach vor allem während des ersten Lockdowns unverhältnismäßig und überschießend, wie etwa die Strafen bei Jugendlichen für angebliche Covid-19-Übertretungen. Er berichtete von einem Fall, bei dem sich für einen 17-jährigen Obdachlosen die Strafverfügungen auf 4000 Euro summierten. Besonders getroffen haben den Nachwuchs jedoch die Schulschließungen, der Wegfall von Sozialkontakten sowie die Einstellung von Freizeit- und Sportangeboten.

Belastete Jugend

Die Folge ist laut Rauch eine durch Studien belegte massive Zunahme von psychosomatischen und psychischen Belastungen wie Schlaf- und Angststörungen. „70 Prozent der 11- bis 17-Jährigen fühlten sich äußerst oder ziemlich belastet“, zitierte er eines der Ergebnisse. Um weiteres Unbill für die Jugend zu verhindern, fordert er ein möglichst durchgängiges Offenhalten von Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Freizeitaktivitäten. „Auch für den Schulbereich wäre eine Regionalisierung wünschenswert“, ergänzte Michael Rauch. Zudem hält er es für dringend geboten, die Schulsozialarbeit auszuweiten. „Eigentlich müsste in jeder Gemeinde ständig eine Schulsozialarbeit verfügbar sein“, skizzierte er seine Vorstellungen dazu.

Für dieses Jahr attestiert der Kinder- und Jugendanwalt der Politik im Zusammenhang mit Corona und Kindern ein besseres Hinschauen. So konnte unter anderem der schnellere Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie im LKH Rankweil vereinbart werden, die zu Beginn des Jahres an ihre Grenzen kam. Rauch spricht von einer Notversorgungssituation. Unter die Räder der Pandemie geraten ist auch die Kinder- und Jugendbeteiligung in Gemeinden. Es gelte, die bis dahin hohe Beteiligungsaktivität wieder schrittweise aufzunehmen.

Mobbing-Prävention

Ebenso braucht es laut Rauch mehr Mobbing-Prävention an Schulen. Eine Untersuchung in der Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen hat ergeben, dass die Schule nicht unbedingt ein geschützter Raum darstellt. Weibliche Befragte fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln stark von Gewalt bedroht. Aufklärung und Workshops zu den Themen sollten, sagt Michael Rauch, unabhängig von der Ampelfarbe auch während der Pandemie ermöglicht werden. Überrascht hat ihn, dass ein Drittel der in der Untersuchung befragten Jugendlichen meinte, dass die „gesunde Watsche“ noch keinem Kind geschadet hat. Seine Schlussfolgerung daraus: Es braucht weiterhin regelmäßige Kampagnen zum Gewaltverbot in der Erziehung.