Ärger wegen ungleicher Grenzregelungen

VN / 17.05.2021 • 05:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ärger wegen ungleicher Grenzregelungen
Seit wenigen Tagen sind wieder Tagesausflüge nach hüben und drüben möglich.   VN/SAMS

Deutsche Nachbarn befürchten “totales Chaos”.

bregenz, lindau Mit einigem Argwohn wird auf deutscher Seite der Neustart des kleinen Grenzverkehrs beobachtet. Da auf relativ engem Raum verschiedene Coronaregelungen gelten, fürchten Tourismusvertreter von Baden-Württemberg und Bayern für das Hinterland sogar ein “totales Chaos”. Ein Grund ist die Bindung an die 7-Tage-Inzidenz von 100. Der Wert sinkt zwar rund um den Bodensee, weist aber noch deutliche Unterschiede auf. So sind Lindau und Liechtenstein bereits unter 50, Konstanz und die Schweizer Anliegerkantone bei rund 60, während das deutsche Hinterland nach wie vor mit Werten um 100 kämpft, und Vorarlberg mit 118 sogar die höchste Inzidenz aufweist.

Dass trotzdem wieder Tagesausflüge nach Österreich und in die Schweiz möglich sind, liegt den Touristikern schwer im Magen. “Der Gast geht dahin, wo er hingehen darf”, sagt etwa der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes für den Landreis rund um Friedrichshafen, Horst Müller, und er ergänzt: “Wenn’s blöd läuft, gibt das ein totales Chaos. Dann hat man genau das, was man nicht wollte, nämlich viele Menschen am gleichen Ort.”

Wirtschafts- und Lebensraum

Der Vorarlberger Tourismuslandesrat Christian Gantner kann den Ärger zwar nachvollziehen, sieht die Angelegenheit insgesamt jedoch weniger eng. “Wir werden uns auch weiter über die Internationale Bodenseekonferenz dafür einsetzen, dass im Bodenseeraum vergleichbare Regelungen gelten, weil wir nicht nur ein eng vernetzter Wirtschaftsraum, sondern vor allem ein eng verbundener Lebensraum sind”, erklärte Ganter im VN-Gespräch.

Vorarlberg sei es schon mit dem Winterkodex “Sicher ein guter Winter” als damals einzigem Bundesland wichtig gewesen, den Gästen mit einem durchgängigen Präventionskonzept einen sicheren Urlaub zu bieten. “Auch mit der Modellregion war es uns ein Anliegen, den Menschen ein Stück Normalität zurückzugeben und unseren Gastronomen ihre Passion, das Gastgeben wieder zu ermöglichen”, führte Gantner weiter aus. “Vor allem aber wollten wir einen besseren Weg aufzeigen als von einem Lockdown in den nächsten zu stolpern”, verteidigt er die vorzeitigen Öffnungsschritte. Die Gastronomen hätten nicht nur im Sommer, sondern auch jetzt, im Zuge der Modellregion gezeigt, dass sie sehr gute Präventionskonzepte haben und sich die Gäste daran halten.

Auf der anderen Seite wird der Blick über die Grenze zunehmend mit Unmut quittiert. Dort fordern angesichts der unterschiedlichen Öffnungsschritte Wirte und Hoteliers eine Angleichung der Regeln rund um den Bodensee. Es gibt nämlich nicht einmal in den eigenen Bundesländern homogene Bestimmungen. So ist beispielsweise im baden-württenbergischen Konstanz die Außengastronomie wieder geöffnet, ebenso im bayerischen Lindau. In Friedrichshafen hingegen sind die Gastronomiebetriebe noch gänzlich geschlossen. Das Festhalten an der 7-Tage-Inzidenz von unter 100 könnte, wird zudem befürchtet, eine baldige Öffnung von Tourismus und Gastronomie in weiten Teilen des Allgäus und in Baden-Württemberg unwahrscheinlich machen.